Ist ausgehärteter Bauschaum wasserdicht und eignet er sich zur Abdichtung gegen drückendes Wasser (z. B. im Kellerbau)?
Die kurze Antwort lautet: Nein, herkömmlicher Bauschaum (PU-Schaum) ist nicht wasserdicht und absolut ungeeignet zur Abdichtung gegen drückendes Wasser.
Hier ist die detaillierte Erklärung, warum das so ist und welche Alternativen es gibt:
1. Warum Bauschaum nicht wasserdicht ist
Obwohl Bauschaum nach dem Aushärten fest und porenfrei aussieht, ist er strukturell nicht für die Wasserabdichtung ausgelegt:
- Offenporigkeit: Die meisten Standard-PU-Schäume sind nicht zu 100 % geschlossenzellig. Das bedeutet, dass sie über Kapillareffekte Wasser aufsaugen können wie ein Schwamm (wenn auch sehr langsam).
- Keine echte Verbundabdichtung: Bauschaum geht keine wasserdichte chemische Verbindung mit dem Untergrund (Beton, Stein) ein. Wasser kann den Schaum einfach hinterwandern – es fließt also zwischen der Kellerwand und dem Schaum hindurch.
- Zersetzung: Wenn PU-Schaum dauerhaft Feuchtigkeit ausgesetzt ist, kann er mit der Zeit instabil werden und seine dämmenden Eigenschaften verlieren.
2. Bauschaum und drückendes Wasser
Bei drückendem Wasser (z. B. Grundwasser oder langanhaltendes Sickerwasser im Erdreich) wirkt ein physikalischer Druck auf die Abdichtung.
- Bauschaum ist mechanisch nicht stabil genug, um diesem Druck standzuhalten.
- Er wird durch den Wasserdruck schlichtweg durchlässig oder das Wasser sucht sich den Weg an den Flanken vorbei.
- Wichtig: Im Kellerbau ist die Abdichtung gegen drückendes Wasser (gemäß DIN 18533) streng geregelt. Bauschaum erfüllt keine dieser Normen.
3. Was ist mit "Brunnenschaum"?
Es gibt speziellen Brunnenschaum, der als "wasserdicht" vermarktet wird.
- Einsatzgebiet: Er ist dafür gedacht, Betonringe bei Schächten (z. B. Abwasser) abzudichten.
- Einschränkung: Auch Brunnenschaum ist in der Regel nur gegen nicht-drückendes Wasser (also Feuchtigkeit ohne hohen Druck) geprüft. Für eine Kellerwand im Grundwasser ist auch Brunnenschaum nicht zugelassen und nicht sicher genug.
4. Richtige Lösungen für den Kellerbau
Wenn Sie Rohrdurchführungen oder Fugen im Keller gegen drückendes Wasser abdichten müssen, sollten Sie folgende Produkte verwenden:
- Ringraumdichtungen (Dichtmanschetten): Das sind mechanische Dichtungen aus Gummi und Edelstahl, die in das Bohrloch eingesetzt werden. Durch das Anziehen von Schrauben presst sich der Gummi gegen das Rohr und die Wand. Dies ist die einzige wirklich sichere Methode für Rohre.
- Quellbänder: Diese werden in Fugen eingelegt und dehnen sich bei Kontakt mit Wasser aus, um die Fuge aktiv zu dichten.
- Injektionsharze: Wenn bereits ein Wasserschaden vorliegt, werden spezielle 2-Komponenten-Harze (PU- oder Epoxidharz) in die Wand injiziert. Diese sind im Gegensatz zu Schaum dauerhaft wasserdicht und druckfest.
- Bitumen-Dickbeschichtung (KMB): Für die äußere Flächenabdichtung der Kellerwand.
Fazit: Verwenden Sie Bauschaum im Keller nur zum Dämmen oder Fixieren, aber niemals als alleinige Abdichtung gegen Feuchtigkeit oder Wasser. Bei drückendem Wasser führt die Verwendung von Bauschaum fast unweigerlich zu feuchten Kellern und Folgeschäden.