Warum sollte man Wasser aus einem herkömmlichen Gartenschlauch niemals trinken?
Man sollte aus einem herkömmlichen Gartenschlauch niemals trinken, da er im Gegensatz zu internen Wasserleitungen nicht den strengen Anforderungen der Trinkwasserverordnung entspricht.
Hier sind die Hauptgründe, warum das Wasser aus dem Schlauch gesundheitsgefährdend sein kann:
1. Giftige Chemikalien (Weichmacher)
Herkömmliche Gartenschläuche bestehen meist aus flexiblem PVC. Um dieses Material biegsam zu machen, werden Phthalate (Weichmacher) beigemischt. Diese Stoffe sind nicht fest im Kunststoff gebunden und lösen sich mit der Zeit – besonders wenn das Wasser im Schlauch steht. Phthalate stehen im Verdacht, hormonell wirksam zu sein und die Fortpflanzungsorgane zu schädigen.
2. Schwermetalle
Viele Schläuche enthalten Stabilisatoren, um das Material vor UV-Strahlung zu schützen. In günstigen oder älteren Modellen können dafür Blei, Antimon oder Cadmium verwendet worden sein. Diese Schwermetalle können ins Wasser übergehen. Blei ist bereits in kleinsten Mengen nervenschädigend, besonders für Kinder.
3. Bakterien und Biofilme
Das Innere eines Gartenschlauchs ist die ideale Brutstätte für Mikroorganismen. Da der Schlauch oft in der Sonne liegt und das Wasser darin warm wird, bildet sich an der Innenwand schnell ein schleimiger Biofilm. Dieser besteht aus Algen, Pilzen und Bakterien. Besonders gefährlich können Legionellen sein, die sich in warmem, stehendem Wasser rasant vermehren. Wenn man das Wasser trinkt oder auch nur den feinen Sprühnebel einatmet, können diese schwere Lungenentzündungen verursachen.
4. Bisphenol A (BPA)
Oft wird auch BPA in der Kunststoffherstellung verwendet. Dieser Stoff wirkt ähnlich wie das Hormon Östrogen und wird mit verschiedenen Gesundheitsproblemen wie Diabetes, Übergewicht und Entwicklungsstörungen bei Kindern in Verbindung gebracht.
5. Das "Stehende-Wasser-Problem"
Im Gegensatz zu den Rohren im Haus, durch die regelmäßig frisches Wasser fließt, steht das Wasser im Gartenschlauch oft tagelang. In dieser Zeit hat es maximalen Kontakt mit den Kunststoffwänden und der Hitze, was die Konzentration der Schadstoffe und Keime massiv erhöht.
Was kann man tun?
Wenn Sie Wasser im Garten trinken möchten oder damit zum Beispiel ein Planschbecken füllen, beachten Sie Folgendes:
- Trinkwasserechte Schläuche kaufen: Es gibt spezielle Schläuche, die als "trinkwasserecht" gekennzeichnet sind (oft blau oder mit entsprechenden Prüfsiegeln wie KTW-Zulassung). Diese sind frei von Schadstoffen und lebensmittelecht.
- Laufen lassen: Wenn Sie einen normalen Schlauch nutzen, lassen Sie das Wasser mindestens 1–2 Minuten ablaufen, bis es spürbar kühler wird. Das entfernt zumindest das abgestandene Wasser, garantiert aber keine Schadstofffreiheit.
- Nicht in der Sonne liegen lassen: Hitze beschleunigt das Lösen von Chemikalien und das Bakterienwachstum.
- Hände waschen: Nach der Gartenarbeit mit dem Schlauch sollten Sie sich die Hände waschen, bevor Sie etwas essen.
Fazit: Ein kurzer Schluck wird einen Erwachsenen meist nicht sofort umbringen, aber die langfristige Belastung durch Chemikalien und das akute Risiko durch Keime machen den Gartenschlauch zu einer denkbar schlechten Trinkwasserquelle. Besonders für Kinder und Tiere sollte nur Wasser direkt aus dem Hahn oder aus zertifizierten Schläuchen verwendet werden.