Warum dürfen HT-Rohre niemals als Druckleitungen für Wasserpumpen verwendet werden?
HT-Rohre (Hochtemperaturrohre, meist grau und aus Polypropylen/PP gefertigt) sind ausschließlich für den drucklosen Abtransport von Abwasser konzipiert. Die Verwendung als Druckleitung für Wasserpumpen (z. B. Hauswasserwerke, Tauchpumpen) ist gefährlich und technisch unzulässig.
Hier sind die Hauptgründe, warum HT-Rohre niemals unter Druck gesetzt werden dürfen:
1. Die Steckverbindungen (Hauptschwachpunkt)
HT-Rohre werden lediglich zusammengesteckt. Die Verbindung hält durch die Reibung der Gummidichtung.
- Das Problem: Diese Verbindungen sind nicht längskraftschlüssig. Sobald die Pumpe Druck aufbaut, wirkt dieser Druck auf die Stirnseiten der Rohrsegmente und Bögen. Schon bei geringem Druck (oft schon ab 0,5 bar) werden die Rohre einfach aus den Muffen auseinandergeschoben. Das Ergebnis ist ein massiver Wasserschaden.
2. Fehlende Druckfestigkeit des Materials
HT-Rohre sind dünnwandig und für die statische Last im Gebäude (Abwasserfluss durch Schwerkraft) optimiert.
- Das Problem: Sie besitzen keine PN-Klassifizierung (Pressure Nominal) für Innendruck. Während echte Druckrohre (wie PE-Rohre oder PVC-U) für 10, 16 oder mehr bar ausgelegt sind, können HT-Rohre bei Druckbelastung verformen, Risse bilden oder platzen, da das Material nicht auf die Dehnspannung ausgelegt ist.
3. Ungeeignete Dichtungen
Die im HT-Rohr verwendeten Lippendichtungen sind darauf ausgelegt, einsickerndes Wasser im drucklosen Zustand zurückzuhalten.
- Das Problem: Bei Überdruck wird das Wasser gegen die Dichtung gepresst. Wenn die Dichtung nicht exakt sitzt oder durch den Druck leicht verformt wird, spritzt das Wasser einfach an der Dichtung vorbei nach außen.
4. Druckschläge und Vibrationen
Wasserpumpen erzeugen beim Ein- und Ausschalten oft Druckschläge (kurzzeitige Druckspitzen, die weit über dem normalen Betriebsdruck liegen) sowie Vibrationen.
- Das Problem: Diese mechanische Energie führt dazu, dass sich die Steckverbindungen lockern oder das spröde PP-Material der HT-Rohre ermüdet und bricht.
5. Rechtliche und versicherungstechnische Folgen
Da HT-Rohre laut DIN-Normen (z. B. DIN EN 1451) nur für Abwasserleitungen innerhalb von Gebäuden zugelassen sind, verstößt eine Nutzung als Druckleitung gegen die anerkannten Regeln der Technik.
- Die Folge: Bei einem Wasserschaden wird die Versicherung die Zahlung verweigern (grobe Fahrlässigkeit), da das Material zweckentfremdet wurde.
Was sollte man stattdessen verwenden?
Je nach Anwendung gibt es geeignete Alternativen, die für Druck ausgelegt sind:
- PE-HD Rohre (meist schwarz mit blauen Streifen): Der Standard für Trinkwasserleitungen und Brunnenbau. Sie werden verschraubt oder verschweißt.
- PVC-U Druckrohre (meist dunkelgrau): Werden im Poolbau oder in der Industrie verwendet und meist verklebt.
- Verbundrohre oder Edelstahl/Kupfer: Für fest installierte Hausinstallationen.
- Druckschläuche: Für temporäre Anwendungen oder Tauchpumpen (mit entsprechenden Schellen gesichert).
Fazit: HT-Rohre im Druckbereich sind eine "Zeitbombe". Es ist nicht die Frage, ob sie auseinanderfliegen, sondern wann.