Können Rohrreinigungsspiralen bei falscher Anwendung moderne Kunststoffrohre (HT-Rohre) von innen beschädigen?

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Ja, das ist absolut möglich. Obwohl moderne HT-Rohre (Hochtemperaturrohre, meist aus Polypropylen/PP) robust gegenüber Chemikalien und Hitze sind, sind sie mechanisch empfindlicher als alte Guss- oder Steinzeugrohre.

Bei falscher Anwendung einer Rohrreinigungspirale können verschiedene Arten von Schäden entstehen:

1. Riefen- und Kratzerbildung (Oberflächenschäden)

HT-Rohre haben eine extrem glatte Innenwand, damit Schmutz gar nicht erst haftet.

  • Das Problem: Wenn die Spirale (besonders bei elektrischem Antrieb) zu lange an einer Stelle rotiert oder ein scharfkantiger Reinigungskopf verwendet wird, entstehen Kratzer und Riefen im Kunststoff.
  • Die Folge: In diesen Kratzern setzen sich Fett, Haare und Kalk in Zukunft viel schneller fest. Das Rohr verstopft nach der Reinigung also tendenziell schneller als vorher.

2. Beschädigung von Dichtungen

Dies ist eines der häufigsten Probleme. HT-Rohre sind Stecksysteme, bei denen die Verbindungsstellen mit Gummidichtringen abgedichtet sind.

  • Das Problem: Wenn die Spirale mit Gewalt in das Rohr geschoben oder zurückgezogen wird, kann sich die Spitze der Spirale im Spalt der Rohrverbindung verhaken und den Gummidichtring zerfetzen oder aus seiner Nut ziehen.
  • Die Folge: Das Rohr wird an dieser Stelle undicht. Da Abwasserrohre oft unter Putz oder im Boden liegen, bemerkt man den Wasserschaden oft erst viel später.

3. Durchschlagen oder "Aussägen" in Bögen

HT-Rohre haben im Vergleich zu Metallrohren eine geringere Wandstärke.

  • Das Problem: In engen 90-Grad-Bögen drückt die Spirale durch die Fliehkraft und die Spannung massiv gegen die Außenwand des Bogens. Wenn man hier mit hoher Drehzahl arbeitet ("Vollgas" mit der Bohrmaschine), kann die Spirale wie eine Säge wirken oder bei spröde gewordenem Kunststoff sogar die Wandung durchschlagen.
  • Die Folge: Ein Loch im Rohr und sofortiger Wasseraustritt.

4. Verknoten der Spirale

  • Das Problem: In modernen Rohren mit großen Durchmessern (z.B. DN 110) kann sich eine zu dünne oder zu weit eingeschobene Spirale überschlagen und einen Knoten bilden.
  • Die Folge: Die Spirale lässt sich weder vor noch zurück bewegen. Im schlimmsten Fall muss die Wand aufgestemmt werden, um die Spirale und das Rohrstück zu entfernen.

Tipps zur sicheren Anwendung bei HT-Rohren:

  1. Handbetrieb bevorzugen: Für Heimwerker sind Handspiralen meist sicherer, da man mehr Gefühl für Widerstände hat.
  2. Keine Gewalt: Wenn die Spirale stecken bleibt, niemals mit Gewalt ziehen. Vorsichtig entgegen der Arbeitsrichtung drehen und lösen.
  3. Die richtige Spitze wählen: Verwenden Sie keine aggressiven Fräsköpfe oder Schneidwerkzeuge bei Kunststoffrohren, sondern einfache Keulenbohrer oder Blattbohrer.
  4. Kunststoffummantelte Spiralen: Es gibt spezielle Spiralen mit einem Kunststoffüberzug. Diese sind wesentlich schonender zur Rohrinnenwand.
  5. Viel Wasser: Lassen Sie während des Spiralens Wasser laufen. Das kühlt das Material (Reibungswärme) und spült gelösten Dreck direkt ab.
  6. Vorsicht mit Bohrmaschinen: Wenn Sie eine Spirale an eine Bohrmaschine anschließen, nutzen Sie nur eine sehr niedrige Drehzahl und eine Maschine mit Rutschkupplung.

Fazit: Eine Rohrreinigungsspirale ist ein effektives Werkzeug, sollte aber bei Kunststoffrohren mit großer Vorsicht eingesetzt werden. Im Zweifel ist eine Reinigung per Wasserdruck (z.B. mit einem Rohrreinigungsschlauch für den Hochdruckreiniger) bei HT-Rohren oft die schonendere Alternative.