Stammen die Vitamine im Saft direkt aus der Frucht oder werden sie künstlich zugesetzt?
Ob die Vitamine im Saft natürlich sind oder zugesetzt wurden, hängt entscheidend von der Art des Saftes ab. In Deutschland und der EU ist dies streng geregelt (Fruchtsaftverordnung).
Hier ist die Unterscheidung nach Saftarten:
1. Direktsaft (100 % Fruchtgehalt)
Bei einem Direktsaft stammen die Vitamine fast ausschließlich direkt aus der Frucht.
- Regel: Dem Direktsaft dürfen laut Gesetz keine Vitamine, Konservierungsstoffe oder Zucker künstlich zugesetzt werden.
- Einschränkung: Durch das Erhitzen (Pasteurisieren), um den Saft haltbar zu machen, geht ein Teil der hitzeempfindlichen Vitamine (besonders Vitamin C) verloren. Ein Direktsaft hat also meist etwas weniger Vitamine als eine frisch gepresste Frucht, aber diese sind rein natürlichen Ursprungs.
2. Fruchtsaft aus Fruchtsaftkonzentrat (100 % Fruchtgehalt)
Auch hier stammen die Vitamine primär aus der Frucht.
- Verfahren: Dem Saft wird im Ursprungsland Wasser entzogen, um Transportkosten zu sparen. Später wird wieder Wasser und das fruchteigene Aroma hinzugefügt.
- Besonderheit: Da beim Eindampfen Vitamine verloren gehen können, erlaubt das Gesetz, dass die Vitamine, die während des Prozesses verloren gingen, wieder hinzugefügt werden dürfen (Rückverdünnung). In diesem Fall ist das Vitamin zwar chemisch identisch, wurde aber technisch wieder zugeführt, um den natürlichen Zustand wiederherzustellen.
3. Fruchtnektar und Fruchtsaftgetränke
Hier werden häufig Vitamine künstlich zugesetzt.
- Fruchtnektar: Besteht nur zu 25 bis 50 % aus Frucht (der Rest ist Wasser und Zucker). Da der Vitamingehalt durch die Verdünnung sinkt, fügen Hersteller oft künstliche Vitamine hinzu.
- Fruchtsaftgetränke: Haben einen noch geringeren Fruchtanteil (oft nur 6 bis 30 %). Hier stammen die Vitamine fast immer aus dem Labor.
4. Angereicherte Säfte (z. B. Multivitaminsaft oder ACE-Saft)
Selbst wenn es sich um 100 % Saft handelt, werden bei Multivitamin- oder ACE-Säften Vitamine künstlich zugesetzt.
- Eine Frucht allein liefert nicht natürlicherweise 10 oder 12 verschiedene Vitamine in hoher Konzentration.
- Wenn auf der Packung mit speziellen Vitaminen geworben wird (z. B. "mit extra viel Vitamin C" oder "mit Vitamin E"), handelt es sich fast immer um zugesetzte, synthetische Vitamine.
Woran erkenne ich es beim Kauf?
Ein Blick auf die Zutatenliste hilft:
- Natürliche Vitamine: Wenn in der Zutatenliste nur "Apfelsaft" oder "Orangensaft" steht, sind die Vitamine rein natürlich. In der Nährwerttabelle stehen die Vitamine trotzdem drin, weil sie Bestandteil der Frucht sind.
- Zugesetzte Vitamine: Wenn in der Zutatenliste Begriffe auftauchen wie „Vitamin C“, „Ascorbinsäure“, „Vitamin E“ oder „Beta-Carotin“, wurden diese Vitamine künstlich hinzugefügt.
Fazit: Wenn du Vitamine direkt aus der Frucht möchtest, greife zu Direktsaft (nicht aus Konzentrat) und achte darauf, dass keine einzelnen Vitamine in der Zutatenliste aufgeführt sind. Am besten ist natürlich frisch gepresster Saft, da hier auch die sekundären Pflanzenstoffe am aktivsten sind.