Können bestimmte Wirkstoffe in Nachtcremes Rötungen oder Brennen verursachen?
Ja, absolut. Es ist sogar recht häufig, dass bestimmte Wirkstoffe in Nachtcremes zu Hautreizungen wie Rötungen, Brennen, Juckreiz oder Schuppung führen.
Nachtcremes sind oft höher konzentriert als Tagescremes, da die Haut in der Nacht regeneriert und keine UV-Schutzfaktoren benötigt werden, die den Platz für Wirkstoffe einschränken könnten.
Hier sind die häufigsten Wirkstoffe, die Reaktionen auslösen können:
1. Retinol (Vitamin A) und Retinoide
Retinol ist der bekannteste Anti-Aging-Wirkstoff, aber auch derjenige mit dem höchsten Irritationspotenzial.
- Warum: Er beschleunigt die Zellerneuerung. Zu Beginn kann dies die Hautbarriere schwächen (die sogenannte „Retinisierung“).
- Symptome: Rötungen, Brennen und oft eine Schuppung der Haut.
2. Säuren (AHA und BHA)
Alpha-Hydroxysäuren (wie Glykolsäure oder Milchsäure) und Beta-Hydroxysäuren (Salicylsäure) wirken wie chemische Peelings.
- Warum: Sie lösen abgestorbene Hautschuppen. Wenn die Konzentration zu hoch ist oder die Haut zu empfindlich, wird die Schutzbarriere angegriffen.
- Symptome: Ein stechendes oder brennendes Gefühl direkt nach dem Auftragen.
3. Vitamin C (Ascorbinsäure)
In hohen Konzentrationen (über 10 %) und bei einem niedrigen pH-Wert kann Vitamin C reizend wirken.
- Warum: Die Säurekonzentration ist für manche Hauttypen zu aggressiv.
- Symptome: Rötungen und leichtes Kribbeln.
4. Duftstoffe und ätherische Öle
Viele Nachtcremes sind parfümiert, um ein luxuriöses Gefühl zu vermitteln.
- Warum: Duftstoffe sind die häufigsten Auslöser für Kontaktallergien. Ätherische Öle (wie Zitrusöle oder Lavendel) enthalten oft allergene Komponenten.
- Symptome: Juckreiz, flächige Rötungen, kleine Pusteln.
5. Konservierungsmittel (z. B. Alkohol)
Ein hoher Anteil an austrocknendem Alkohol (Alcohol denat.) kann die Hautbarriere stören.
- Symptome: Spannungsgefühl und Brennen, besonders bei trockener Haut.
Was sollten Sie tun, wenn es brennt?
- Sofort abwaschen: Wenn die Haut stark brennt oder pocht, entfernen Sie die Creme mit lauwarmem Wasser.
- Beruhigen: Verwenden Sie Produkte mit Panthenol (Vitamin B5), Aloe Vera oder Thermalwasserspray. Verzichten Sie auf weitere Wirkstoffe.
- Hautbarriere stärken: Nutzen Sie für ein paar Tage nur eine ganz einfache, parfümfreie Feuchtigkeitscreme.
- Ursache finden: Haben Sie mehrere Wirkstoffe kombiniert? (Z. B. Retinol und Säure am selben Abend? Das ist oft zu viel für die Haut.)
Wie verhindert man das in Zukunft?
- Einschleichen: Neue Wirkstoffe (besonders Retinol) erst nur 1–2 Mal pro Woche verwenden und die Häufigkeit langsam steigern.
- Patch-Test: Testen Sie eine neue Creme erst für 48 Stunden in der Ellenbeuge oder hinter dem Ohr.
- Sandwich-Methode: Bei Retinol erst eine leichte Feuchtigkeitscreme, dann das Retinol und dann nochmal Creme auftragen. Das mildert die Wirkung ab, macht sie aber verträglicher.
- Weniger ist mehr: Kombinieren Sie nicht zu viele aggressive Wirkstoffe in einer Routine.
Wichtig: Ein leichtes Kribbeln für 30 Sekunden kann bei manchen Wirkstoffen (wie Vitamin C oder Säuren) normal sein. Wenn die Haut jedoch rot bleibt, anschwillt oder schmerzt, ist das ein Zeichen für eine Unverträglichkeit oder eine geschädigte Hautbarriere.