Inwiefern kann der Verzehr von Knoblauch den Eigengeruch der Haut über die Poren verändern?
Der Verzehr von Knoblauch verändert den Eigengeruch der Haut massiv und nachhaltig. Dies geschieht nicht durch oberflächlichen Kontakt, sondern durch einen komplexen Stoffwechselprozess im Inneren des Körpers.
Hier ist die schrittweise Erklärung, wie dieser Prozess funktioniert:
1. Die chemische Kettenreaktion
Knoblauch enthält die Aminosäure Alliin. Sobald die Knoblauchzehe geschnitten oder gekaut wird, kommt sie mit dem Enzym Alliinase in Kontakt, und es entsteht Allicin. Allicin ist für den typischen scharfen Geruch von frischem Knoblauch verantwortlich.
2. Abbau zu Schwefelverbindungen
Nach dem Verzehr wird Allicin im Körper sehr schnell in verschiedene Schwefelverbindungen aufgespalten. Die wichtigste Substanz dabei ist Allyl-Methyl-Sulfid (AMS).
3. Der Weg in die Blutbahn
Im Gegensatz zu anderen Bestandteilen des Knoblauchs kann Allyl-Methyl-Sulfid (AMS) von der Leber nicht schnell abgebaut werden. Es gelangt stattdessen in den Blutkreislauf. Da AMS eine flüchtige organische Schwefelverbindung ist, verbreitet es sich im gesamten Körper.
4. Ausscheidung über die Poren (und die Lunge)
Da das Blut das AMS überallhin transportiert, sucht sich der Körper Wege, um diesen Stoff wieder loszuwerden:
- Über die Lunge: Das AMS gelangt aus dem Blut in die Lungenbläschen und wird abgeatmet. Das ist der typische "Knoblauch-Atem".
- Über die Haut: Das Blut versorgt auch die Schweißdrüsen. Das AMS wird zusammen mit dem Schweiß und durch den Talg (Hautfett) über die Poren nach außen abgegeben.
Warum riecht man das so stark?
- Systemischer Geruch: Da der Geruch "von innen" kommt, hilft oberflächliches Waschen nur bedingt. Die Haut dünstet die Schwefelverbindungen kontinuierlich aus, solange sie im Blut zirkulieren.
- Dauer: Der Abbau von AMS dauert lange. Es kann bis zu 48 Stunden dauern, bis der Körper das AMS vollständig ausgeschieden hat. In dieser Zeit verändert sich der gesamte chemische "Fingerabdruck" des Körpergeruchs.
- Individuelle Intensität: Wie stark jemand nach Knoblauch riecht, hängt von der Menge des verzehrten Knoblauchs, aber auch vom individuellen Stoffwechsel und der Dichte der Schweißdrüsen ab.
Interessanter Nebeneffekt: Attraktivität?
Es gibt Studien (z. B. von der Charles-Universität Prag), die darauf hindeuten, dass der Geruch von Männern, die viel Knoblauch gegessen hatten, von Frauen paradoxerweise als "angenehmer" und "männlicher" wahrgenommen wurde – allerdings nur in einer sehr verdünnten Form (als Achselgeruchsprobe). Man vermutet, dass die gesundheitsfördernden Eigenschaften des Knoblauchs (antibakteriell, gut für das Immunsystem) chemisch über die Haut signalisiert werden könnten ("Ich bin gesund"). Das gilt jedoch meist nur für die Hautausdünstung, nicht für den oft als unangenehm empfundenen Atem.
Zusammenfassend
Der Knoblauchgeruch über die Poren ist also kein Zeichen mangelnder Hygiene, sondern ein Ausscheidungsprozess von Schwefelverbindungen, die über das Blut in die Schweißdrüsen gelangen. Man riecht buchstäblich "aus allen Poren".