Warum verursacht der Verzehr von Knoblauch Mundgeruch?

Melden

Der typische Knoblauch-Atem (und auch der Körpergeruch nach dem Essen) entsteht durch eine chemische Kettenreaktion. Der Hauptverantwortliche ist der hohe Gehalt an Schwefelverbindungen im Knoblauch.

Hier ist der Prozess Schritt für Schritt erklärt:

1. Die Entstehung von Allicin (Der Sofort-Effekt)

In der intakten Knoblauchzehe ist der Stoff Alliin enthalten. Sobald man den Knoblauch schneidet, presst oder kaut, kommt er mit dem Enzym Alliinase in Kontakt. Dadurch verwandelt sich Alliin in Allicin. Allicin ist für den typischen, scharfen Geruch von frischem Knoblauch verantwortlich. Dieser Geruch haftet zunächst direkt im Mundraum.

2. Der "Langzeit-Effekt" durch Allylmethylsulfid (AMS)

Der eigentliche Grund, warum man Knoblauch noch 24 Stunden später riecht, liegt in der Verdauung. Wenn der Knoblauch im Magen und Darm zersetzt wird, entstehen verschiedene Schwefelverbindungen. Die wichtigste davon ist Allylmethylsulfid (AMS).

  • Der Weg ins Blut: Im Gegensatz zu anderen Stoffen kann der Körper AMS nicht schnell abbauen oder über den Darm ausscheiden. Stattdessen wird es ins Blut aufgenommen.
  • Der Weg in die Lunge: Da das Blut durch den gesamten Körper zirkuliert, gelangt das AMS auch in die Lunge. Dort geht es in die Atemluft über. Das bedeutet: Der Geruch kommt beim Ausatmen tief aus der Lunge, nicht nur aus dem Mundraum. Deshalb hilft Zähneputzen allein oft nur kurzzeitig.
  • Der Weg durch die Haut: Da AMS im Blut ist, wird es auch über die Poren (Schweiß) ausgeschieden, weshalb man nach sehr viel Knoblauch manchmal am ganzen Körper danach riecht.

Warum macht die Natur das?

Die Schwefelverbindungen dienen der Knoblauchpflanze eigentlich als Abwehrmechanismus. Sie sollen Pilze, Bakterien und Fressfeinde fernhalten. Beim Menschen haben sie jedoch auch positive Effekte (antibakteriell, blutdrucksenkend), nur der Geruch ist die unliebsame Nebenwirkung.

Was hilft dagegen?

Da das AMS über die Lunge abgeatmet wird, kann man es nicht einfach "wegputzen". Aber man kann die Schwefelverbindungen chemisch binden oder neutralisieren:

  1. Milch trinken: Studien zeigen, dass Milch (besonders Vollmilch) die Schwefelverbindungen im Mund reduzieren kann, bevor sie ins Blut gelangen.
  2. Äpfel, Minze oder Petersilie essen: Diese enthalten bestimmte Enzyme (Polyphenoloxidase) und Phenole, die die Schwefelverbindungen neutralisieren können.
  3. Zitronensaft: Die Säure hilft, das Enzym Alliinase zu neutralisieren.

Zusammenfassend: Man riecht nach Knoblauch, weil der Körper die Schwefelstoffe über das Blut in die Lunge transportiert und man sie wortwörtlich "ausdünstet".

0