Inwiefern beeinträchtigt eine zu geringe Dosierung des Händedesinfektionsgels dessen schützende Wirkung?
Eine zu geringe Dosierung von Händedesinfektionsmittel beeinträchtigt die Schutzwirkung massiv. Das Hauptproblem ist dabei nicht unbedingt eine zu schwache Konzentration des Wirkstoffs im Gel selbst, sondern die mangelnde physikalische Abdeckung und die zu kurze Einwirkzeit.
Hier sind die spezifischen Gründe, warum eine Unterdosierung gefährlich ist:
1. Unvollständige Benetzung (Lückenhafte Desinfektion)
Damit ein Desinfektionsmittel wirken kann, muss es jeden Quadratmillimeter der Hautoberfläche erreichen.
- Problematik: Bei einer zu geringen Menge (z. B. nur ein kleiner Tropfen) reicht die Flüssigkeit nicht aus, um die gesamte Hand zu benetzen.
- Die Folge: Kritische Stellen wie die Fingerspitzen, die Daumen, die Fingerzwischenräume und die Nagelfalze bleiben trocken. Dort überleben die Krankheitserreger (Bakterien, Viren, Pilze) und können weiterhin übertragen werden.
2. Unterschreitung der erforderlichen Einwirkzeit
Die meisten Händedesinfektionsmittel benötigen eine Einwirkzeit von mindestens 30 Sekunden, um ihre volle Wirksamkeit (insbesondere gegen behüllte Viren wie Coronaviren oder Influenza) zu entfalten.
- Problematik: Alkohol verdunstet sehr schnell. Eine zu geringe Menge Gel ist bereits nach 10 bis 15 Sekunden vollständig verdunstet oder in die Haut eingezogen.
- Die Folge: Die chemische Reaktion, die die Eiweißhülle der Erreger zerstört, wird vorzeitig abgebrochen. Die Keimreduktion ist unzureichend.
3. Reduzierte Keimreduktionsrate
Die Wirksamkeit von Desinfektionsmitteln wird in Log-Stufen gemessen (z. B. eine Reduktion um 5 Log-Stufen entspricht 99,999 %).
- Die Folge: Bei korrekter Anwendung werden fast alle Erreger abgetötet. Bei einer Unterdosierung sinkt diese Rate drastisch. Es verbleibt eine zu hohe Restflora an pathogenen Keimen auf der Hand, die ausreicht, um Infektionen auszulösen (Infektionsdosis).
4. Trügerische Sicherheit
Das größte Risiko der Unterdosierung ist psychologischer Natur:
- Man wiegt sich in Sicherheit, da man "desinfiziert" hat, verhält sich aber so, als wären die Hände keimfrei (z. B. man fasst sich ins Gesicht oder isst mit den Händen). Da die Desinfektion jedoch lückenhaft war, ist das Infektionsrisiko tatsächlich kaum gesunken.
Wie viel ist "genug"?
Experten (wie das Robert Koch-Institut oder die WHO) empfehlen folgende Faustregeln für eine wirksame Desinfektion:
- Die Menge: Man sollte so viel Gel verwenden, dass die Hände während der gesamten Einreibezeit (30 Sekunden) nass bleiben. In der Regel sind das 3 bis 5 ml – das entspricht etwa einer gefüllten Hohlhand.
- Die Technik: Das Mittel muss aktiv in die Hände eingerieben werden, wobei besonders auf Daumen und Fingerspitzen zu achten ist.
- Zustand der Hände: Die Hände müssen trocken sein, bevor das Mittel aufgetragen wird, da Restfeuchtigkeit (z. B. vom Händewaschen) das Mittel weiter verdünnen und die Wirkung abschwächen würde.
Fazit: Eine zu geringe Dosierung macht die Händedesinfektion weitgehend wirkungslos, da sie weder die nötige Flächendeckung noch die erforderliche Kontaktzeit ermöglicht.