In welchen typischen Anwendungsbereichen wird Konstruktionsvollholz im Bauwesen eingesetzt?
Konstruktionsvollholz (KVH) ist ein veredeltes Sägewerksprodukt, das aufgrund seiner definierten Qualitätseigenschaften (wie Trockenheit, Maßhaltigkeit und Festigkeit) ein unverzichtbarer Werkstoff im modernen Holzbau ist.
Hier sind die typischen Anwendungsbereiche im Bauwesen:
1. Dachkonstruktionen
Dies ist das klassische Einsatzgebiet für KVH. Da das Holz technisch getrocknet ist (Holzfeuchte ca. 15 %), neigt es kaum zu Rissbildung oder Verdrehen.
- Sparren: Die geneigten Balken, die die Dachhaut tragen.
- Pfetten: Die waagerechten Balken, auf denen die Sparren aufliegen.
- Kehlbalken: Horizontale Verbindungselemente zur Aussteifung des Dachstuhls.
2. Holzrahmenbau und Holzständerbauweise
Beim Bau von Fertighäusern oder bei der Aufstockung von Gebäuden ist KVH das Standardmaterial für das tragende Skelett.
- Stiele/Pfosten: Die vertikalen Elemente der Wandkonstruktion.
- Schwellen und Rähm: Die unteren und oberen horizontalen Abschlüsse der Wandelemente.
- Riegel: Horizontale Aussteifungen innerhalb der Wand.
3. Deckenkonstruktionen
KVH wird häufig für die Errichtung von Geschossdecken verwendet.
- Balkenlagen: Als tragende Konstruktion für Holzbalkendecken.
- Blindböden: Unterkonstruktionen für Fußbodenaufbauten.
4. Innenausbau
Wegen seiner gehobenen Optik (besonders in der Qualitätsstufe für den sichtbaren Bereich, KVH-Si) wird es oft im Inneren von Gebäuden eingesetzt.
- Sichtbare Dachstühle: Wenn die Konstruktion von unten offen bleibt.
- Nicht tragende Trennwände: Als Unterkonstruktion für Gipskarton- oder Holzfaserplatten.
- Galerien und Zwischenebenen: Einbau von zusätzlichen Wohnebenen in hohen Räumen.
5. Außenbereich (geschützt)
KVH kann auch im Außenbereich eingesetzt werden, sofern es durch baulichen Holzschutz vor direkter Bewitterung geschützt ist.
- Carports und Garagen: Tragwerkkonstruktionen für Unterstände.
- Terrassenüberdachungen: Als tragende Balken unter Glas- oder Stegplatten.
- Pergolen: Wenn das Holz so verbaut wird, dass Wasser gut ablaufen kann.
6. Landwirtschaftlicher Bau und Gewerbebau
- Hallenbau: Für kleinere bis mittlere Spannweiten in Lager- oder Maschinenhallen.
- Stallungen: Aufgrund der Robustheit und der schnellen Montage.
Warum wird KVH in diesen Bereichen bevorzugt?
Die Vorteile gegenüber herkömmlichem Bauholz sind entscheidend für die oben genannten Anwendungen:
- Formstabilität: Durch die technische Trocknung schwindet und quillt das Holz kaum noch. Das verhindert Risse im Putz oder klemmende Türen.
- Verzicht auf chemischen Holzschutz: Da das Holz trocken ist, bietet es Schädlingen und Pilzen kaum Lebensraum (bei Einsatz in den Gebrauchsklassen 1 und 2).
- Große Längen: Durch Keilzinkung können Balken von bis zu 13 Metern (und theoretisch mehr) hergestellt werden.
- Zwei Oberflächenqualitäten:
- KVH-NSi: Für den nicht sichtbaren Bereich (funktional, technisch einwandfrei).
- KVH-Si: Für den sichtbaren Bereich (gehobelt und optisch ansprechend).