Wie beeinflusst eine falsche Lagerung die Maßhaltigkeit von Konstruktionsvollholz?
Die Maßhaltigkeit von Konstruktionsvollholz (KVH) ist einer seiner größten Vorteile, da es technisch auf eine Holzfeuchte von ca. 15 % (+/- 3 %) getrocknet wird. Diese Feuchte entspricht in etwa der Ausgleichsfeuchte, die sich in überdeckten, offenen Bauwerken einstellt.
Eine falsche Lagerung führt dazu, dass das Holz Feuchtigkeit aufnimmt oder ungleichmäßig abgibt. Da Holz ein hygroskopischer Werkstoff ist (er "arbeitet"), hat dies direkte Auswirkungen auf die Geometrie und die Maße.
Hier sind die spezifischen Auswirkungen falscher Lagerung:
1. Quellen und Schwinden (Maßänderung)
Dies ist der direkteste Effekt. Wenn KVH falsch gelagert wird (z. B. im Regen oder auf feuchtem Boden), nimmt es Wasser auf.
- Volumenzunahme (Quellen): Bei Feuchtigkeitsaufnahme dehnt sich das Holz aus. Da Holz anisotrop ist, geschieht dies in verschiedenen Richtungen unterschiedlich stark:
- In der Länge: Kaum merkbar (vernachlässigbar).
- In der Breite und Dicke: Hier kann es zu deutlichen Abweichungen von den Nennmaßen kommen (ca. 0,24 % Maßänderung pro 1 % Feuchteänderung unterhalb des Fasersättigungspunkts).
- Folge: Bauteile passen nicht mehr in vorgesehene Verbindungen oder Anschlüsse, und geplante Toleranzen werden überschritten.
2. Verwerfungen (Formveränderungen)
Wenn das Holz ungleichmäßig lagert (z. B. eine Seite in der Sonne, die andere im Schatten oder auf feuchtem Boden), entstehen Spannungen im Material.
- Verdrehen (Twisten): Das Holz in sich verdreht sich wie eine Helix.
- Krümmen und Längskrümmen: Der Balken wird "krumm" oder "säbelartig".
- Schüsseln: Die Oberfläche wölbt sich konkav oder konvex.
- Folge: Ein exakter Einbau ist unmöglich. Besonders bei KVH, das oft für sichtbare oder präzise Konstruktionen verwendet wird, führen Verwerfungen zu optischen und statischen Problemen.
3. Rissbildung
KVH ist durch die technische Trocknung bereits recht rissarm. Falsche Lagerung kann dies jedoch zunichtemachen:
- Oberflächenrisse: Wenn das Holz durch direkte Sonneneinstrahlung zu schnell an der Oberfläche austrocknet, entstehen Spannungsrisse, da der Kern noch feucht ist und sich nicht so schnell zusammenzieht wie die äußeren Schichten.
- Folge: Schwächung des Querschnitts und ästhetische Einbußen.
4. Mechanische Verformung durch falsche Stapelung
Maßhaltigkeit bezieht sich nicht nur auf das Quellen/Schwinden, sondern auch auf die Geradheit.
- Durchhängen: Wenn die Stapelhölzer (Lagerhölzer) zu weit auseinander liegen oder nicht exakt übereinander angeordnet sind, biegt sich das Eigengewicht des Holzes den Balken dauerhaft durch.
- Folge: Der Balken ist nicht mehr gerade und muss unter Umständen mühsam gerichtet oder ausgesondert werden.
5. Biologische Schäden (indirekte Auswirkung)
Wenn KVH zu feucht und ohne Belüftung (z. B. unter einer dichten Plane ohne Abstand) gelagert wird:
- Bläue und Schimmel: Das Holz verfärbt sich.
- Folge: Zwar bleibt das Maß oft gleich, aber die Oberflächengüte (ein Qualitätsmerkmal von KVH) ist zerstört.
Zusammenfassung: Was sind die Fehler bei der Lagerung?
- Direkte Bewitterung: Regen und Schnee erhöhen die Holzfeuchte massiv.
- Erdkontakt: Feuchtigkeit zieht von unten in den Stapel ein.
- Fehlende Belüftung: "Ersticken" des Holzes unter Planen (Schwitzwasserbildung).
- Einseitige Sonneneinstrahlung: Führt zu extremen Spannungen und Rissen.
- Zu wenige oder falsch platzierte Lagerhölzer: Führt zu bleibenden Verbiegungen.
Tipps für die richtige Lagerung von KVH:
- Trockener Untergrund: Lagerung auf Paletten oder Kanthölzern mit ausreichend Bodenabstand (min. 30 cm).
- Stapelhölzer: Exakt übereinanderliegende Zwischenhölzer verwenden, um Durchbiegung zu vermeiden.
- Schutz vor Sonne und Regen: Abdecken mit Planen, aber so, dass die Luft zirkulieren kann (kein luftdichtes Einpacken).
- Klimatisierung: Das Holz sollte idealerweise einige Tage vor der Verarbeitung am Einsatzort lagern, um sich an das dortige Klima anzupassen.