Was genau versteht man unter dem Begriff Konstruktionsvollholz (KVH)?

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Konstruktionsvollholz (KVH) ist ein geschützter Begriff für veredeltes Bauschnittholz, das speziell für die hohen Anforderungen des modernen Holzbaus entwickelt wurde. Es handelt sich dabei um massives Holz (meist aus Nadelholz), das durch technische Verfahren in seinen Eigenschaften verbessert wurde.

Hier sind die wichtigsten Merkmale und Unterschiede zu herkömmlichem Bauschnittholz:

1. Die technischen Hauptmerkmale

  • Technische Trocknung: KVH wird im Werk auf eine Holzfeuchte von ca. 15 % (+/- 3 %) getrocknet. Da dies in etwa der Gleichgewichtsfeuchte entspricht, die das Holz später im eingebauten Zustand hat, verzieht es sich kaum noch.
  • Maßhaltigkeit: Durch die Trocknung und anschließende Hobelung ist KVH sehr maßhaltig. Es entstehen kaum Schwindrisse, und das Holz bleibt gerade.
  • Keilzinkung: Um sehr lange Bauteile (bis zu 13 Meter oder mehr) herzustellen und Fehlstellen (wie große Äste) zu eliminieren, werden die Hölzer mittels Keilzinkung miteinander verleimt. Das bedeutet, die Enden werden kammartig ausgefräst, ineinandergreifend verklebt und gepresst.

2. Qualitätsklassen (Si und NSi)

Beim KVH unterscheidet man zwei Oberflächenqualitäten, wobei die statischen Eigenschaften identisch sind:

  • KVH-Si (Sichtbarer Bereich): Für Bauteile, die man später sieht (z. B. ein offener Dachstuhl oder ein Carport). Die Oberfläche ist gehobelt und optisch sortiert.
  • KVH-NSi (Nicht sichtbarer Bereich): Für Bauteile, die später verkleidet werden (z. B. in der Ständerwand eines Fertighauses). Hier sind optische Mängel wie Bläue oder kleine Risse erlaubt, solange die Statik nicht beeinträchtigt ist. Die Oberfläche ist meist egalisiert (leicht gehobelt).

3. Vorteile gegenüber einfachem Bauschnittholz

  • Kein chemischer Holzschutz nötig: Da das Holz technisch getrocknet ist (unter 20 % Feuchte), haben Pilze und Insekten kaum eine Überlebenschance. In Innenräumen kann daher meist auf chemische Holzschutzmittel verzichtet werden.
  • Hohe Passgenauigkeit: Wichtig für luftdichte Gebäudehüllen und präzise Verbindungen.
  • Berechenbarkeit: KVH unterliegt strengeren Sortierkriterien als normales Holz (nach DIN 4074), was die statische Sicherheit erhöht.

4. Verwendete Holzarten

Am häufigsten wird Fichte verwendet, da sie gute statische Eigenschaften bei geringem Gewicht bietet. Seltener findet man KVH aus Tanne, Kiefer, Lärche oder Douglasie.

5. Abgrenzung zu Brettschichtholz (BSH)

  • KVH besteht aus einem massiven Stück Holz (in der Länge gezinnt).
  • BSH (Leimbinder) besteht aus mehreren, flach miteinander verleimten Lamellen (mindestens drei). BSH ist noch formstabiler und tragfähiger als KVH und wird für noch größere Spannweiten verwendet.

Zusammenfassend: KVH ist der heutige Standard im Holzbau, wenn es um Stabilität, Trockenheit und Maßhaltigkeit geht. Es ist das "Präzisionsbauteil" unter den Vollhölzern.