Was versteht man bei der Gin-Herstellung unter dem Begriff „Botanicals“?
Unter dem Begriff Botanicals versteht man bei der Gin-Herstellung die pflanzlichen Inhaltsstoffe, die dem Gin sein charakteristisches Aroma und seinen Geschmack verleihen.
Da die Basis von Gin ein fast geschmacksneutraler Agraralkohol (meist aus Getreide) ist, sind es erst die Botanicals, die den Gin zu dem machen, was er ist.
Hier sind die wichtigsten Details zu den Botanicals:
1. Die wichtigste Zutat: Wacholder
Die einzige gesetzlich vorgeschriebene Zutat für Gin sind Wacholderbeeren. Ohne Wacholder darf eine Spirituose nicht als Gin bezeichnet werden. Er sorgt für das typische harzige, leicht waldige Aroma.
2. Kategorien von Botanicals
Neben Wacholder nutzen Destillateure oft zwischen 5 und 30 (manchmal sogar über 40) verschiedene Pflanzenstoffe. Diese lassen sich grob in Gruppen einteilen:
- Samen & Beeren: Koriandersamen (sehr häufig, gibt Zitrusnoten), Kardamom, Piment, Wacholder.
- Zitrusfrüchte: Getrocknete oder frische Schalen von Zitronen, Orangen, Limetten, Grapefruits oder Bergamotte.
- Wurzeln: Angelikawurzel (Engelwurz), Iriswurzel (Schwertlilie), Süßholz. Wurzeln dienen oft als „Fixateur“, die die flüchtigen Aromen binden.
- Kräuter: Rosmarin, Thymian, Basilikum, Minze.
- Gewürze: Zimt (Kassia-Rinde), Anis, Nelken, Pfeffer (z. B. Kubebenpfeffer).
- Blüten: Lavendel, Rosenblätter, Holunderblüten.
3. Wie kommen die Aromen in den Gin?
Es gibt hauptsächlich zwei Verfahren, um die Aromen der Botanicals in den Alkohol zu übertragen:
- Mazeration (Einlegen): Die Botanicals werden für eine gewisse Zeit (Stunden bis Tage) direkt in den neutralen Alkohol eingelegt. Danach wird die Mischung destilliert.
- Dampfextraktion (Geistverfahren): Die Botanicals liegen in einem Korb oberhalb der Flüssigkeit in der Brennblase. Der aufsteigende Alkoholdampf zieht durch die Pflanzen hindurch und nimmt dabei die ätherischen Öle und Aromen auf.
Warum sind sie so wichtig?
Botanicals sind das „Geheimrezept“ jedes Herstellers. Sie bestimmen den Stil des Gins: Ein London Dry Gin ist oft sehr wacholderlastig und klassisch, während moderne New Western Dry Gins oft florale oder fruchtige Botanicals in den Vordergrund stellen, sodass der Wacholder eher dezent im Hintergrund bleibt.