Gibt es Inhaltsstoffe in Montagepasten, die Gummidichtungen oder Kunststoffringe angreifen und zersetzen?

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Ja, es gibt definitiv Inhaltsstoffe in Montagepasten, die Gummi und Kunststoffe angreifen können. Das Hauptproblem ist oft die chemische Unverträglichkeit zwischen dem Basisöl der Paste und dem Material der Dichtung.

Hier sind die kritischen Inhaltsstoffe und die Materialien, die sie gefährden:

1. Mineralöle (Der häufigste "Killer")

Die meisten Standard-Montagepasten und Fette basieren auf Mineralöl.

  • Gefahr für: EPDM (Ethylen-Propylen-Dien-Kautschuk). EPDM ist einer der am häufigsten verwendeten Werkstoffe für Dichtungen (z. B. in Bremssystemen, Kühlwasserleitungen oder Fensterdichtungen).
  • Effekt: Das Mineralöl dringt in den Gummi ein, lässt ihn massiv aufquellen, weich werden und schließlich seine Dichtfunktion verlieren. Der Gummi "löst sich auf".
  • Ausnahme: NBR (Nitrilkautschuk) ist mineralölbeständig und verträgt diese Pasten gut.

2. Lösungsmittel (Solvents)

Einige Pasten enthalten flüchtige Lösungsmittel, um die Streichfähigkeit zu verbessern.

  • Gefahr für: Thermoplaste wie ABS, Polycarbonat (PC) oder Polystyrol.
  • Effekt: Diese Kunststoffe können Spannungsrisse bekommen. Das Material wird spröde und bricht unter mechanischer Belastung einfach weg.

3. Silikonöle (in speziellen Fällen)

Silikonfett gilt oft als "Alleslöser" für Gummi, aber:

  • Gefahr für: Silikonkautschuk (VMQ).
  • Effekt: "Gleiches löst Gleiches". Silikonöl auf einer Silikondichtung führt dazu, dass die Dichtung aufquillt und ihre Form verliert.

4. Schwefel- und Phosphorverbindungen (EP-Additive)

In Hochleistungs-Montagepasten (für extremen Druck, sog. "Extreme Pressure" Additive) sind oft chemisch aktive Stoffe enthalten.

  • Gefahr für: Bestimmte Elastomere und auch Buntmetalle.
  • Effekt: Sie können den Gummi vorzeitig altern lassen (Versprödung).

Worauf muss man achten?

Um sicherzugehen, dass eine Montagepaste Kunststoff oder Gummi nicht zerstört, sollte man auf folgende Kennzeichnungen achten:

  1. "EPDM-verträglich": Das ist wichtig bei Trinkwasserinstallationen, Bremsanlagen oder Heizungen. Hier werden meist Pasten auf Silikonbasis oder spezielle synthetische Schmierstoffe (z.B. auf Polyglykol-Basis) verwendet.
  2. "Mineralölfrei": Wenn die Paste keine Mineralöle enthält, ist die Chance groß, dass sie die meisten Gummisorten nicht angreift.
  3. PTFE-Pasten (Teflon): Pasten auf Basis von PTFE und synthetischen Ölen sind oft sehr materialverträglich.
  4. Technische Datenblätter: Professionelle Hersteller geben explizit an, mit welchen Kunststoffen (z.B. ABS, PA, POM) oder Elastomeren die Paste getestet wurde.

Praxis-Beispiel:

  • Fahrrad/Auto: Wenn du eine Dichtung an der Bremsanlage mit normalem mineralischem Schmierfett einschmierst, riskierst du einen Totalausfall der Bremse, da die Dichtungen aufquellen. Hier darf nur spezielle Bremszylinder-Paste (z.B. von ATE) oder Silikonfett verwendet werden.
  • Abwasserrohre (HT-Rohre): Hier wird spezielles Gleitmittel verwendet. Verwendest du stattdessen normales Fett, zersetzen sich die schwarzen Dichtringe über die Jahre.

Fazit: Wenn du unsicher bist, welches Gummimaterial vorliegt (meist ist es EPDM), greife zu einer hochwertigen Silikon-Montagepaste. Diese ist gegenüber den allermeisten Kunststoffen und Gummisorten neutral.

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