Sind die Inhaltsstoffe herkömmlicher Badreiniger biologisch abbaubar?
Die Antwort lautet: Teilweise. Es gibt gesetzliche Mindestanforderungen, aber zwischen „gesetzlich zulässig“ und „umweltfreundlich“ gibt es große Unterschiede.
Hier ist die detaillierte Aufschlüsselung, was in herkömmlichen Badreinigern steckt und wie es um die biologische Abbaubarkeit steht:
1. Tenside (Waschaktive Substanzen)
Tenside lösen Kalk und Schmutz. Für sie gilt in der EU die Detergenzienverordnung.
- Gesetzliche Lage: Alle in der EU verkauften Tenside müssen vollständig biologisch aerob abbaubar sein. Das bedeutet, dass sie innerhalb von 28 Tagen zu mindestens 60 % in Kohlendioxid, Wasser und Mineralsalze zerfallen müssen.
- Das Problem: Diese Regelung gilt nur für die Tenside, nicht für alle anderen Inhaltsstoffe. Zudem sagt die Abbaubarkeit nichts über die Toxizität (Giftigkeit) für Wasserorganismen während des Abbauprozesses aus.
2. Säuren (Kalklöser)
Im Badreiniger sind Säuren entscheidend, um Kalk zu lösen.
- Organische Säuren: Zitronensäure, Milchsäure oder Essigsäure sind sehr gut und schnell biologisch abbaubar. Sie finden sich oft in Öko-Reinigern, aber auch in vielen herkömmlichen Produkten.
- Anorganische/Synthetische Säuren: Herkömmliche Reiniger nutzen oft Amidosulfonsäure oder (seltener) Phosphorsäure. Diese sind weitaus aggressiver. Amidosulfonsäure ist zwar biologisch abbaubar, belastet die Gewässer aber stärker als natürliche Säuren.
3. Duft- und Farbstoffe
Dies ist der problematischste Bereich bei herkömmlichen Reinigern.
- Synthetische Duftstoffe: Viele (wie künstlicher Moschus) sind schwer biologisch abbaubar und können sich in der Umwelt und in Organismen anreichern (Bioakkumulation).
- Farbstoffe: Diese dienen nur der Optik und sind oft biologisch schwer abbaubar.
4. Konservierungsmittel
Damit der Reiniger im Regal nicht schimmelt, werden Konservierungsstoffe zugesetzt (z. B. Isothiazolinone).
- Diese Stoffe sind darauf ausgelegt, Leben (Bakterien/Pilze) abzutöten. Sie sind in der Regel schlecht abbaubar und giftig für Wasserorganismen.
5. Desinfektionsmittel
Manche Badreiniger werben mit „99,9 % Bakterienentfernung“.
- Diese enthalten oft Chlorverbindungen oder quartäre Ammoniumverbindungen. Diese Stoffe sind umweltkritisch, da sie die biologische Reinigungsstufe in Kläranlagen hemmen können und oft nur sehr schwer abbaubar sind.
Zusammenfassung: Worauf sollte man achten?
Wenn Sie sichergehen wollen, dass ein Reiniger wirklich biologisch abbaubar ist, sollten Sie auf folgende Siegel achten:
- Blauer Engel: Garantiert eine gute Abbaubarkeit und strenge Grenzwerte für Schadstoffe.
- EU-Ecolabel (die „Euroblume“): Ähnlich wie der Blaue Engel, europaweiter Standard.
- Ecogarantie oder ECOCERT: Diese Siegel haben die strengsten Anforderungen an die Herkunft der Rohstoffe (pflanzlich statt erdölbasiert) und deren Abbaubarkeit.
Tipp für die Umwelt: Viele herkömmliche Badreiniger sind unnötig aggressiv. Eine Mischung aus Zitronensäure (Pulver in Wasser gelöst) und einem Spritzer herkömmlichem Spülmittel ist fast immer genauso effektiv, aber deutlich besser biologisch abbaubar und günstiger.