Welche Inhaltsstoffe in Handwaschpasten können allergische Hautreaktionen auslösen?
Handwaschpasten für den industriellen oder handwerklichen Bereich sind oft deutlich aggressiver als normale Flüssigseifen, da sie starke Verschmutzungen wie Öl, Fett, Ruß oder Farben lösen müssen. Die darin enthaltenen Inhaltsstoffe können sowohl allergische Kontaktdermatitis (echte Allergien) als auch irritative Kontaktdermatitis (Hautreizungen) auslösen.
Hier sind die häufigsten Inhaltsstoffe in Handwaschpasten, die allergische Reaktionen hervorrufen können:
1. Konservierungsstoffe (Häufigste Ursache)
Da Handwaschpasten wasserhaltig sind, müssen sie konserviert werden. Viele dieser Stoffe sind starke Allergene:
- Isothiazolinone: Besonders Methylisothiazolinon (MI) und Methylchlorisothiazolinon (MCI). Diese sind bekannt für ein hohes Sensibilisierungspotenzial.
- Formaldehydabspalter: Stoffe wie DMDM Hydantoin oder Imidazolidinyl Urea, die geringe Mengen Formaldehyd freisetzen.
- Benzisothiazolinon (BIT): Wird ebenfalls häufig eingesetzt und kann Allergien auslösen.
2. Duftstoffe
Um den oft chemischen Eigengeruch der Inhaltsstoffe zu überdecken, werden Parfüms zugesetzt:
- Limonene, Linalool, Geraniol, Citral: Diese natürlichen Bestandteile von ätherischen Ölen (oft Citrusdüfte) müssen ab einer gewissen Konzentration deklariert werden, da sie häufig Kontaktallergien auslösen.
- Synthetische Moschusverbindungen oder komplexe Parfümöle.
3. Tenside (Reinigungsaktive Substanzen)
Tenside lösen den Schmutz, können aber die Hautbarriere schwächen:
- Cocamidopropyl Betain: Ein Tensid auf Kokosbasis, das zwar als mild gilt, aber dennoch allergische Reaktionen auslösen kann.
- Natriumlaurylsulfat (SLS): Verursacht eher Reizungen als echte Allergien, macht die Haut aber durchlässiger für andere Allergene.
4. Reibekörper (Abrasiva)
Die Partikel, die den Schmutz mechanisch „abschrubben“, können problematisch sein:
- Walnussschalengranulat: Bei Menschen mit einer ausgeprägten Nussallergie kann dies (theoretisch) Reaktionen auslösen, obwohl die Proteine meist weitgehend entfernt sind.
- Holzmehl: In günstigen Pasten enthalten. Die enthaltenen Baumharze (Kolophonium) oder natürliche Terpene im Holz können allergen wirken.
- Kunststoffpartikel (Mikroplastik): Werden kaum noch verwendet, sind aber eher ein Umwelt- als ein Allergieproblem.
5. Lösungsmittel
Um Lacke oder Fette zu lösen, enthalten manche Pasten Lösemittel:
- Terpene (z. B. Orangen- oder Zitronenterpene): Sie wirken sehr gut gegen Fett, sind aber starke Hautentfetter und potenzielle Allergene.
- In modernen Pasten werden mineralölhaltige Lösemittel oft durch Ester ersetzt, die zwar milder, aber nicht völlig frei von Allergierisiken sind.
6. Rückfetter und Zusatzstoffe
- Lanolin (Wollwachsalkohol): Wird oft zur Pflege zugesetzt, ist aber ein bekanntes Kontaktallergen.
- Kolophonium: Kann als Bestandteil von Harzlösern oder durch unsaubere Rohstoffe vorkommen.
Was ist der Unterschied zwischen Allergie und Reizung?
In der Praxis ist es oft schwer zu unterscheiden:
- Irritative Reaktion: Die Handwaschpaste ist zu scharf, laugt die Haut aus, sie wird rot, rissig und brennt. Das passiert fast jedem bei übermäßiger Nutzung.
- Allergische Reaktion: Das Immunsystem reagiert auf einen spezifischen Stoff. Schon kleinste Mengen führen zu Juckreiz, Bläschenbildung und Schwellungen, oft auch an Stellen, die nicht direkt mit der Paste in Kontakt kamen (Streureaktionen).
Tipps zur Vermeidung:
- Hautschutzplan: Vor der Arbeit eine Hautschutzcreme ("unsichtbarer Handschuh") auftragen.
- Milde Reinigung: Immer die mildeste Reinigungsmethode wählen, die für den Schmutz noch ausreicht.
- Gründlich Abspülen: Reste der Paste müssen vollständig entfernt werden.
- Pflege: Nach der Arbeit eine regenerierende Hautpflegecreme verwenden.
- Inhaltsstoffe prüfen: Achten Sie auf Aufschriften wie „pH-hautneutral“, „parfümfrei“ oder „ohne Konservierungsstoffe“, falls Sie empfindlich reagieren.
Hinweis: Wenn Sie den Verdacht auf eine Allergie haben, sollten Sie einen Hautarzt (Dermatologen) aufsuchen und einen Epikutantest machen lassen. Nehmen Sie die Packung oder das Sicherheitsdatenblatt der verwendeten Handwaschpaste zum Arzttermin mit.