Gibt es einen belegbaren Zusammenhang zwischen dem Gebäcknamen „Amerikaner“ und dem Triebmittel Ammoniumhydrogencarbonat?

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Die Antwort lautet: Ja, es gibt einen sehr starken etymologischen Verdacht und chemische Indizien, aber keinen absolut zweifelsfreien schriftlichen „Ur-Beleg“.

In der Sprachwissenschaft und Lebensmittelgeschichte gilt der Zusammenhang zwischen Ammoniumhydrogencarbonat und dem Namen „Amerikaner“ als die wahrscheinlichste Erklärung für die Entstehung des Namens.

Hier sind die Details zu dieser Theorie und warum sie so plausibel ist:

1. Die Theorie der „Ammoniakaner“

Die gängigste Theorie besagt, dass der Name durch Volksetymologie entstanden ist.

  • Das Gebäck wird traditionell mit Hirschhornsalz (Ammoniumhydrogencarbonat) gebacken. Dieses Triebmittel sorgt dafür, dass der Teig eher in die Breite als in die Höhe geht, was die typische flache Form mit der Wölbung erzeugt.
  • Bäcker nannten das Gebäck aufgrund des Triebmittels angeblich „Ammoniakaner“.
  • Da „Ammoniakaner“ ein sperriges und chemisch klingendes Wort ist, wurde es im Laufe der Zeit im allgemeinen Sprachgebrauch zu „Amerikaner“ abgeschliffen.

2. Der chemische Beleg (Das Triebmittel)

Der technische Zusammenhang ist belegbar: Echte Amerikaner unterscheiden sich von anderem Feingebäck durch die Verwendung von Ammoniumhydrogencarbonat (oft in Kombination mit Pottasche).

  • Im Gegensatz zu Backpulver setzt Hirschhornsalz beim Backen Ammoniak frei.
  • Dies funktioniert nur bei flachem Gebäck (wie Amerikanern oder Spekulatius) gut, da das stechend riechende Ammoniakgas nach außen entweichen kann. Wäre das Gebäck zu dick, bliebe der Ammoniakgeschmack im Teig.
  • Die Verwendung dieses speziellen Triebmittels ist also charakteristisch für das Rezept.

3. Widerlegung der „GI-Theorie“

Oft wird behauptet, US-Soldaten hätten das Gebäck nach dem Zweiten Weltkrieg nach Deutschland gebracht. Dies gilt heute als widerlegt, da der Name „Amerikaner“ in deutschen Koch- und Backbüchern bereits vor dem Zweiten Weltkrieg (belegbar seit den 1920er Jahren) auftauchte. Zudem sind die in den USA populären „Black and White Cookies“ zwar verwandt, unterscheiden sich aber in der Textur oft deutlich von den deutschen Amerikanern.

4. Die politische Umbenennung (DDR)

Ein interessantes Indiz für die Verbindung zum Namen ist die Praxis in der DDR. Aus politisch-ideologischen Gründen (Antiamerikanismus) wurde versucht, den Namen „Amerikaner“ zu vermeiden. In vielen Bäckereien wurden sie dort als „Ammonplätzchen“ verkauft. Dies stützt die These, dass der Bezug zum Ammoniak den Bäckern durchaus bewusst war.

5. Alternative Theorie: Die Helmform

Eine weniger verbreitete Theorie besagt, dass die Form des Gebäcks an die flachen Helme der US-Soldaten im Ersten Weltkrieg (den sogenannten „Brodie-Helm“) erinnerte und der Name daher rührt. Diese Theorie gilt jedoch als weniger wahrscheinlich als die „Ammoniak-Amerikaner“-Herleitung.

Fazit

Es gibt keinen historischen Text von 1900, in dem steht: „Ab heute nennen wir Ammoniakaner Amerikaner“. Aber die Kombination aus der Verwendung von Hirschhornsalz, der Lautähnlichkeit und der Existenz des Namens vor 1945 macht die Herleitung vom Ammoniumhydrogencarbonat zur wissenschaftlich anerkanntesten Erklärung.

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