Führt die Pumpmechanik dazu, dass pro Waschgang oft mehr Flüssigseife als nötig verbraucht wird?
Ja, die kurze Antwort lautet: Ja, in den meisten Fällen führt die Pumpmechanik dazu, dass wir deutlich mehr Seife verbrauchen, als für eine hygienische Reinigung notwendig wäre.
Es gibt dafür mehrere Gründe, die sowohl technischer als auch psychologischer und wirtschaftlicher Natur sind:
1. Die voreingestellte Dosiermenge (Hubweg)
Die meisten handelsüblichen Seifenspender sind so konstruiert, dass sie pro Pumpstoß etwa 1,5 bis 2 ml Flüssigkeit abgeben. Studien und Experten für Hygiene weisen jedoch darauf hin, dass oft schon 0,5 bis 1 ml ausreichen würden, um die Hände gründlich zu reinigen. Da der Mechanismus jedoch auf einen vollen „Hub“ ausgelegt ist, nehmen die meisten Menschen automatisch die volle Menge.
2. „Nudging“ und Design
Hersteller haben ein wirtschaftliches Interesse daran, dass das Produkt schneller leer wird, damit neues gekauft wird. Dies wird oft durch zwei Design-Entscheidungen erreicht:
- Große Öffnungen: Die Düsen sind oft so groß gewählt, dass die Seife leicht und in großen Mengen herausfließt.
- Leichtgängigkeit: Der Widerstand der Feder ist oft so eingestellt, dass man fast automatisch bis zum Anschlag durchdrückt.
3. Psychologie der Anwendung
Wir sind darauf konditioniert, den Pumpkopf bis ganz nach unten zu drücken. Ein „halber Druck“ fühlt sich unvollständig an. Da die Seife flüssig ist, nehmen wir das Volumen auch weniger bewusst wahr als beispielsweise bei einem festen Stück Seife, von dem man nur so viel abreibt, wie man gerade spürt.
4. Der Vergleich zu Schaumseife
Ein deutlicher Beweis für die „Verschwendung“ bei herkömmlichen Pumpmechanismen ist der Vergleich mit Schaumseifenspendern. Diese mischen die Seife mit Luft.
- Bei Schaumseife verbraucht man pro Waschgang bis zu 50 % weniger Flüssigseife, erzielt aber das gleiche Sauberkeitsgefühl und die gleiche hygienische Wirkung, da die Oberfläche der Seife durch die Aufschäumung vergrößert wird.
5. Vergleich mit festem Seifenstück
Ein festes Seifenstück ist in der Regel am effizientesten. Man nutzt nur die Menge, die durch die Reibung an den nassen Händen gelöst wird. Flüssigseife aus dem Spender führt im Vergleich dazu oft zu einem bis zu siebenmal höheren Verbrauch (bezogen auf die Wirkstoffe pro Waschgang).
Was kann man dagegen tun?
- Der Gummiband-Trick: Wickeln Sie ein handelsübliches Gummiband mehrmals fest um den „Hals“ des Pumpmechanismus (den Teil, der beim Drücken nach unten geht). Das Gummiband wirkt als Abstandshalter und verhindert, dass der Pumpkopf bis ganz nach unten gedrückt werden kann. So wird die Dosiermenge halbiert.
- Bewusst drücken: Versuchen Sie, den Spender nur halb nach unten zu drücken.
- Auf Schaumseife umsteigen: Es gibt nachfüllbare Schaumseifenspender, in die man eine Mischung aus ca. 1/3 Flüssigseife und 2/3 Wasser füllt. Das spart massiv Produkt.
- Stückseife nutzen: Die ökologischste und sparsamste Variante.
Fazit: Die Pumpmechanik ist ein Komfort-Feature, das durch Überdosierung den Absatz der Hersteller fördert. Mit kleinen Tricks lässt sich der Verbrauch jedoch ohne Hygiene-Verlust drastisch senken.