Wie aktiviere ich den gemeinsamen Ordnerzugriff zwischen Host und VM in GNOME Boxes?
- Vorbereitung auf dem Host
- Konfiguration über libvirt
- Einbindung in der VM
- Alternative: Nutzung von SSH oder Netzwerkfreigaben
- Zusammenfassung
GNOME Boxes ist eine benutzerfreundliche Virtualisierungssoftware, die es ermöglicht, virtuelle Maschinen einfach zu erstellen und zu verwalten. Allerdings ist der Zugang zu gemeinsamen Ordnern zwischen Host und Gastbetriebssystem nicht direkt über die grafische Oberfläche der App konfigurierbar. Um den gemeinsamen Ordnerzugriff zu aktivieren, sind einige manuelle Schritte erforderlich, sowohl auf dem Host als auch in der virtuellen Maschine.
Vorbereitung auf dem Host
Damit GNOME Boxes gemeinsame Ordner bereitstellen kann, benutzt es in der Regel die Funktionen von virtio-fs oder virtio-basierte Netzwerkfreigaben. Moderne GNOME Boxes-Versionen unterstützen insbesondere virtio-fs. Prüfen Sie zunächst, ob Ihr Hostsystem und Ihre GNOME Boxes-Installation virtio-fs unterstützen. Dazu sollten Sie sicherstellen, dass Sie eine aktuelle Version von libvirt, QEMU und GNOME Boxes verwenden.
Im Standard unterstützt GNOME Boxes die Einrichtung eines gemeinsamen Ordners nicht direkt über die GUI. Sie können allerdings mit der Kommandozeile und der libvirt-Konfiguration den gemeinsamen Ordner einbinden. Dafür legen Sie auf Ihrem Hostsystem zuerst den Ordner an, den Sie mit der VM teilen möchten, beispielsweise /home/benutzer/shared, und stellen sicher, dass die Zugriffsrechte für die VM entsprechend gesetzt sind.
Konfiguration über libvirt
GNOME Boxes verwendet libvirt und QEMU im Hintergrund, daher können Sie die XML-Konfigurationsdatei der virtuellen Maschine bearbeiten, um einen gemeinsamen Ordner einzufügen. Öffnen Sie dazu ein Terminal und listen Sie Ihre VMs mit virsh list --all auf, um den Namen der entsprechenden VM herauszufinden.
Mit virsh edit vmname können Sie die XML-Konfigurationsdatei der VM bearbeiten. Dort fügen Sie innerhalb des <devices>-Blocks eine neue <filesystem>-Definition hinzu. Beispiel:
<filesystem type=mount accessmode=passthrough> <source dir=/home/benutzer/shared/> <target dir=shared /></filesystem>Speichern Sie die Änderungen ab. Dadurch wird der Ordner /home/benutzer/shared vom Host in die VM unter dem Namen shared eingebunden.
Einbindung in der VM
Je nachdem, welches Gastbetriebssystem Sie verwenden, ist die Einbindung unterschiedlich. Für Linux-Gäste empfiehlt es sich, den gemeinsamen Ordner mit dem virtio-Filesystem zu mounten. Stellen Sie sicher, dass im Gast die notwendigen Treiber und Tools installiert sind (z.B. qemu-guest-agent und Unterstützung für virtio-fs im Kernel).
Fügen Sie z.B. innerhalb der VM folgenden Befehl aus, um den virtuellen gemeinsamen Ordner einzubinden:
sudo mount -t virtiofs shared /mnt/sharedDies setzt voraus, dass in der XML das target dir=shared entsprechend angegeben wurde und der Mount-Punkt /mnt/shared existiert.
Für Windows-Gäste müssen entsprechende Virtio-Treiber installiert sein, die virtio-fs-Unterstützung oder alternativ SMB-Freigaben genutzt werden können. Windows unterstützt virtio-fs standardmäßig derzeit nicht, daher ist die Verwendung von SMB-Freigaben oder alternative Methoden empfehlenswert.
Alternative: Nutzung von SSH oder Netzwerkfreigaben
Falls die direkte Einbindung über virtio-fs überraschend kompliziert erscheint oder Ihr Gastbetriebssystem dies nicht unterstützt, können Sie als alternative Lösung Netzwerkfreigaben verwenden. Richten Sie beispielsweise eine Samba-Freigabe auf dem Host ein und binden diese in der VM ein. GNOME Boxes stellt dies nicht direkt bereit, aber die Netzwerkverbindung zwischen Host und Gast ermöglicht einen solchen Zugriff.
Zusammenfassung
Um den gemeinsamen Ordnerzugriff zwischen Host und VM in GNOME Boxes zu aktivieren, ist ein manuelles Hinzufügen eines <filesystem>-Eintrags in der libvirt-XML-Konfiguration mit Angabe des Host-Ordners und eines Zielnamens in der VM notwendig. Anschließend muss innerhalb des Gastsystems der gemeinsame Ordner manuell gemountet werden, sofern virtuio-fs unterstützt wird. Alternativ kann man auf Netzwerkfreigabelösungen zurückgreifen.
Da GNOME Boxes keine direkte GUI-Option für dieses Feature bietet, sind fortgeschrittene Kenntnisse im Umgang mit libvirt und dem jeweiligen Gastbetriebssystem für den gemeinsamen Ordnerzugriff sinnvoll.
