Welche Einstellungen beeinflussen die Latenz in Jitsi Meet Videokonferenzen?

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  1. Videoauflösung und Bandbreitenmanagement
  2. Serverkonfiguration und Videobridge-Einstellungen
  3. Codec-Einstellungen und Verschlüsselung
  4. Netzwerk- und Infrastrukturparameter
  5. Clientseitige Faktoren und Browser-Einstellungen
  6. Zusammenfassung

Die Latenz in Jitsi Meet Videokonferenzen ist ein entscheidender Faktor für die Qualität des Gesprächs und das Nutzererlebnis. Unter Latenz versteht man die Verzögerung zwischen dem Zeitpunkt, an dem ein Nutzer spricht oder ein Video sendet, und dem Moment, in dem ein anderer Teilnehmer dieses Signal empfängt. Diverse Einstellungen und technische Aspekte können diese Latenz beeinflussen, sowohl auf der Client- als auch auf der Serverseite. Im Folgenden werden die wichtigsten Einflussfaktoren und Einstellungen näher erläutert.

Videoauflösung und Bandbreitenmanagement

Eine der bedeutendsten Stellschrauben für die Latenz ist die Videoauflösung, die in Jitsi Meet konfiguriert werden kann. Höhere Auflösungen bedeuten größere Datenmengen, welche übertragen und verarbeitet werden müssen. Dadurch erhöht sich die Latenz, da mehr Zeit für Kodierung, Übertragung und Dekodierung benötigt wird. Jitsi Meet nutzt adaptive Bitraten, sodass Videoqualität und Auflösung dynamisch an die verfügbare Bandbreite angepasst werden. Einstellungen wie channelLastN und adaptiveLastN beeinflussen zudem, wie viele Videostreams gleichzeitig aktiv übertragen werden, was wiederum Auswirkung auf die Latenz und die gesamte Netzwerkauslastung hat.

Serverkonfiguration und Videobridge-Einstellungen

Jitsi Meet ist auf eine Videobridge (Jitsi Videobridge, JVB) angewiesen, die den Datenstrom zwischen den Teilnehmern verteilt. Die Konfiguration der Videobridge wirkt sich sehr direkt auf die Latenz aus. Parameter wie max-threads, cpu-monitoring und das generelle Load-Balancing sind relevant. Eine überlastete oder schlecht konfigurierte Videobridge kann zu Verzögerungen führen, da die Verarbeitung der Streams langsamer wird. Außerdem können Einstellungen bezüglich der Paketgröße und der Quality-of-Service (QoS) in der Netzwerkinfrastruktur Einfluss auf die Verzögerung haben.

Codec-Einstellungen und Verschlüsselung

Die Auswahl und Konfiguration der verwendeten Audio- und Videocodecs hat ebenfalls Einfluss auf die Latenz. Jitsi Meet unterstützt beispielsweise VP8 und VP9 als Videocodecs sowie Opus für Audio. VP8 ist in der Regel schneller zu enkodieren und zu dekodieren, während VP9 höhere Kompressionsraten bei gleichzeitig höherer Rechenlast bietet. Zusätzlich führt der Einsatz von Verschlüsselungsmechanismen wie DTLS-SRTP zu minimaler, aber dennoch vorhandener Verzögerung durch die notwendige Ver- und Entschlüsselung der Datenpakete.

Netzwerk- und Infrastrukturparameter

Obwohl diese keine direkten "Einstellungen" innerhalb von Jitsi Meet sind, beeinflussen Netzwerkbedingungen wie Latenz im lokalen Netzwerk, Internetverbindung, Firewalls und NAT-Konfigurationen die Gesamtverzögerung entscheidend. Die Nutzung von TURN-Servern (Traversal Using Relays around NAT) z.B. für Verbindungen hinter restriktiven Firewalls verursacht höhere Latenzwerte als direkte Peer-to-Peer-Verbindungen. In der Jitsi-Konfiguration kann man einstellen, ob und welche TURN-Server genutzt werden, was sich darauf auswirkt.

Clientseitige Faktoren und Browser-Einstellungen

Auf der Seite der Benutzer kann die Hardware-Leistung und der verwendete Browser die Latenz beeinflussen. Schwächere Geräte sind langsamer bei der Kodierung und Dekodierung von Audio- und Videoströmen. Manche Browser implementieren WebRTC unterschiedlich effizient, was sich ebenfalls auf die Übertragungsqualität und Verzögerung auswirkt. Innerhalb der Jitsi-Meet-Anwendung können Nutzer zudem die Selbststummfunktion (Mute) oder Videoabschaltung verwenden – dadurch können Datenmengen reduziert und Latenzen gering gehalten werden.

Zusammenfassung

Die Latenz in Jitsi Meet Videokonferenzen wird maßgeblich von der Videoauflösung und dem Bandbreitenmanagement, der Videobridge-Konfiguration, den eingesetzten Codecs und der Verschlüsselung, den Netzwerkbedingungen sowie der Leistung der Clientgeräte beeinflusst. Durch das Anpassen von Einstellungen wie der maximalen Anzahl gleichzeitig aktiver Streams (lastN), der Auflösung, der Nutzung von TURN-Servern oder einer leistungsfähigen Serverinfrastruktur lassen sich die Verzögerungen spürbar reduzieren. Eine ganzheitliche Betrachtung und Optimierung dieser Faktoren ist daher essenziell, um eine möglichst geringe Latenz und ein flüssiges Videokonferenzerlebnis mit Jitsi Meet zu gewährleisten.

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