Woran erkennt man gefälschte Briefmarken beim Kauf über Zweitanbieter?
Der Kauf von Briefmarken über Zweitanbieter (eBay, Kleinanzeigen, Flohmärkte oder Auktionshäuser) birgt für Sammler Risiken. Fälschungen reichen von komplett nachgemachten Marken bis hin zu manipulierten Originalen (z. B. nachgezähnt oder mit falschem Stempel).
Hier ist ein Leitfaden, woran du gefälschte oder manipulierte Briefmarken erkennst:
1. Die Druckqualität (Druckbild)
Echte Briefmarken wurden oft in aufwendigen Verfahren wie Stahlstich (Tiefdruck) oder Buchdruck hergestellt.
- Rasterung: Fälschungen, die mit modernen Druckern oder im Offset-Verfahren hergestellt wurden, zeigen unter der Lupe oft ein feines Punktmuster (Pixel), während echte alte Marken klare Linien und satte Farbflächen haben.
- Details: Achte auf feine Linien im Gesicht von Porträts oder in der Schrift. Bei Fälschungen wirken diese oft verwaschen oder unscharf.
2. Die Zähnung
Die Zähnung ist eines der schwierigsten Merkmale beim Fälschen.
- Gleichmäßigkeit: Sind die Zähne unnatürlich spitz, unregelmäßig oder unterschiedlich lang? Das könnte auf eine "Nachzähnung" hindeuten, um eine beschädigte Marke wertvoller aussehen zu lassen.
- Fasern: Bei echten Marken entstehen beim Abreißen winzige Papierfasern an den Spitzen der Zähne. Sind die Kanten der Zähne komplett glatt abgeschnitten, wurde sie wahrscheinlich mechanisch nachbearbeitet.
3. Der Stempel (Falschstempel)
Viele Marken sind ungebraucht billig, aber mit einem seltenen Stempel extrem wertvoll. Das lockt Fälscher an.
- Stempelfarbe: Echte alte Stempelfarbe zieht oft leicht ins Papier ein und wirkt matt. Falsche Stempel (oft aus dem Tintenstrahldrucker) wirken manchmal zu glänzend oder liegen "auf" dem Papier.
- Zeitliche Plausibilität: Prüfe das Datum im Stempel. Gab es die Marke zu diesem Zeitpunkt schon? War das Postamt überhaupt noch geöffnet?
- Ort: Ein Stempel aus einer Kleinstadt auf einer extrem seltenen Kolonialmarke sollte misstrauisch machen.
- Prüfzeichen: Achte auf Signaturen auf der Rückseite (z.B. BPP-Prüfer). Aber Vorsicht: Auch Prüfzeichen werden gefälscht!
4. Das Papier und das Wasserzeichen
- UV-Licht: Halte die Marke unter eine UV-Lampe. Modernes Papier enthält oft optische Aufheller und leuchtet hellblau/weiß. Altes Papier (vor ca. 1945/1950) reagiert meist neutral (dunkel/gelblich). Wenn eine Marke von 1880 unter UV-Licht strahlt, ist sie fast sicher falsch.
- Wasserzeichen: Fehlt das im Katalog angegebene Wasserzeichen oder ist es nur oberflächlich aufgedruckt statt im Papier eingearbeitet, handelt es sich um eine Fälschung.
5. Die Gummierung (Nachgummiert)
Bei ungebrauchten Marken ist der Originalgummi wertentscheidend.
- Struktur: Alter Gummi hat oft eine natürliche Struktur oder leichte Risse (Craquelé). Eine vollkommen glatte, moderne Gummierung bei einer 100 Jahre alten Marke ist verdächtig.
- Geruch/Geschmack: (Nur für Profis) Alter Gummi riecht anders als moderner Kleber.
- Einzug: Wenn der Gummi über die Zähnungsspitzen hinausgeht, wurde die Marke nachträglich gummiert ("nachgummiert"), um einen höheren Wert vorzutäuschen.
6. Warnsignale im Angebot (Red Flags)
- Der Preis: Wenn eine Marke, die im Katalog mit 1.000 € gelistet ist, für 50 € Sofortkauf angeboten wird, ist fast immer etwas faul.
- Formulierungen: Vorsicht bei Zusätzen wie „ungeprüft“, „wie besehen“, „Privatverkauf, keine Garantie auf Echtheit“ oder „Lotto-Los“. Seriöse Verkäufer seltener Marken lassen diese prüfen.
- Schlechte Fotos: Wenn die Fotos unscharf sind oder die Rückseite fehlt, frage nach besseren Bildern. Ein seriöser Verkäufer hat damit kein Problem.
7. Die Absicherung: Prüfzertifikate
Bei teuren Marken (ab ca. 100 € Marktwert) solltest du nur kaufen, wenn:
- Die Marke aktuell von einem anerkannten Prüfer (in Deutschland der BPP – Bund Philatelistischer Prüfer) signiert ist oder ein aktuelles Fotoattest/Fotobefund vorliegt.
- Du kannst bei Online-Käufen darauf bestehen, dass die Marke mit Rückgaberecht verkauft wird, falls eine Prüfung durch einen Sachverständigen negativ ausfällt.
Zusammenfassend: Besorge dir einen aktuellen Briefmarkenkatalog (z.B. Michel), eine gute Lupe (mind. 10-fache Vergrößerung) und eine UV-Lampe. Im Zweifelsfall gilt beim Sammeln: Kaufe nicht die Marke, sondern den Verkäufer. Vertrauenswürdige Händler und Auktionshäuser sind die sicherere Wahl als anonyme Schnäppchen-Plattformen.