Wie wirkt sich die Selbstentladung auf die Lagerfähigkeit von ungenutzten Batterien aus?
Die Selbstentladung ist einer der entscheidenden Faktoren für die Lagerfähigkeit von Batterien und Akkus. Sie beschreibt den Prozess, bei dem sich ein Energiespeicher von selbst entlädt, auch wenn kein Verbraucher angeschlossen ist.
Hier ist eine detaillierte Analyse, wie sich die Selbstentladung auf die Lagerfähigkeit auswirkt:
1. Kapazitätsverlust über Zeit
Der offensichtlichste Effekt ist, dass die Batterie über die Zeit ihre gespeicherte Energie verliert. Wenn man eine Batterie nach zwei Jahren Lagerung nutzen möchte, ist sie im besten Fall nur noch teilweise voll, im schlechtesten Fall komplett leer.
2. Die Gefahr der Tiefentladung
Dies ist das kritischste Problem bei wiederaufladbaren Akkus (insbesondere Lithium-Ionen und Blei-Akkus):
- Jeder Akku hat eine Entladeschlussspannung. Sinkt die Spannung durch Selbstentladung unter eine bestimmte Schwelle, kommt es zur Tiefentladung.
- Dabei finden irreversible chemische Prozesse statt. Bei Lithium-Ionen-Akkus können sich Kupferbrücken bilden, die beim nächsten Laden zu einem Kurzschluss und Brand führen können. Viele moderne Akkus haben eine Schutzelektronik (BMS), die den Akku bei zu geringer Spannung dauerhaft abschaltet, um Gefahr zu vermeiden – der Akku ist dann Elektroschrott.
3. Chemische Alterung und Korrosion
Selbstentladung ist das Ergebnis interner chemischer Nebenreaktionen. Diese Reaktionen hören nie ganz auf und führen dazu, dass:
- Die aktiven Materialien in der Zelle langsam zersetzt werden.
- Der Innenwiderstand der Batterie steigt. Eine Batterie mit hohem Innenwiderstand kann weniger Strom liefern (sie wirkt "schwach"), selbst wenn sie noch Spannung anzeigt.
4. Auslaufen (besonders bei Einwegbatterien)
Bei herkömmlichen Alkali-Mangan-Batterien kann eine starke Selbstentladung oder die Lagerung in entladenem Zustand dazu führen, dass das Gehäuse korrodiert. Die enthaltene Elektrolytflüssigkeit (Kalilauge) tritt aus. Das kann die Kontakte des Lagerbehältnisses oder des Geräts, in dem sie vergessen wurden, zerstören.
Faktoren, die die Selbstentladung beeinflussen
Die Geschwindigkeit der Selbstentladung hängt von drei Hauptfaktoren ab:
- Zellchemie (Typ der Batterie):
- Lithium-Ionen: Sehr geringe Selbstentladung (ca. 1–3 % pro Monat). Sehr gute Lagerfähigkeit (mehrere Jahre).
- Alkali-Batterien (Einweg): Extrem gering (verlieren oft nur 2–3 % pro Jahr). Lagerfähigkeit bis zu 10 Jahre.
- NiMH-Akkus (Standard): Sehr hoch (bis zu 30 % pro Monat).
- NiMH-Akkus (LSD - Low Self Discharge, z.B. Eneloop): Sehr gering (vergleichbar mit Alkali).
- Temperatur:
- Die goldene Regel: Hitze beschleunigt die chemischen Reaktionen. Eine Verdopplung der Lagerungstemperatur kann die Selbstentladung vervielfachen.
- Kühle Lagerung (nicht gefroren, ca. 10–15 °C) verlängert die Lagerfähigkeit erheblich.
- Ladezustand bei Lagerbeginn:
- Lithium-Ionen-Akkus sollten idealerweise bei 40–60 % Ladung gelagert werden. Vollgeladen altern sie chemisch schneller; leergeladen droht die Tiefentladung.
Zusammenfassung: Tipps für die Praxis
- Kühl und trocken lagern: Das verlangsamt die chemischen Prozesse der Selbstentladung.
- Regelmäßige Kontrolle: Akkus in gelagerten Geräten (oder Ersatzakkus) sollten alle 6–12 Monate geprüft und ggf. nachgeladen werden.
- Nicht leer lagern: Lagern Sie Akkus niemals in fast leerem Zustand ein, da die Selbstentladung sie innerhalb kurzer Zeit in die gefährliche Tiefentladung treiben kann.
- Akkus aus Geräten entfernen: Viele Geräte ziehen auch im ausgeschalteten Zustand einen minimalen Strom ("Parasitic Drain"), was die Entladung massiv beschleunigt.
Fazit: Die Selbstentladung bestimmt das "Verfallsdatum" einer Batterie. Während sie bei Einwegbatterien eher ein logistisches Problem darstellt (Batterie ist leer, wenn man sie braucht), ist sie bei Akkus ein technisches Risiko, das zur totalen Zerstörung des Speichers führen kann.