Wie ist die Tragfähigkeit von Kalksandstein-Mauerwerk einzustufen?
Die Tragfähigkeit von Kalksandstein-Mauerwerk (KS) ist im Vergleich zu anderen Mauerwerksarten als sehr hoch einzustufen. Kalksandstein gilt aufgrund seiner hohen Rohdichte und Druckfestigkeit als der „Hochleistungsträger“ unter den klassischen Mauersteinen.
Hier sind die wichtigsten Faktoren, welche die Tragfähigkeit von Kalksandstein-Mauerwerk bestimmen und charakterisieren:
1. Hohe Druckfestigkeitsklassen (SFK)
Kalksandsteine werden in verschiedenen Druckfestigkeitsklassen hergestellt, die deutlich über denen von Porenbeton oder vielen Hochlochziegeln liegen.
- Standardbereich: Meist SFK 12 oder 20.
- Hochleistungsbereich: Bis zu SFK 36 (für extrem belastete Bauteile).
- Das bedeutet, dass ein Stein der Klasse 20 eine Druckfestigkeit von mindestens 20 N/mm² aufweist.
2. Dünnbettmörtel-Verfahren (Plansteine)
Moderne Kalksandsteine werden meist als Plansteine mit Dünnbettmörtel (Fugenbreite ca. 1–3 mm) verarbeitet.
- Vorteil: Da der weichere Mörtelanteil im Mauerwerk sehr gering ist, nähert sich die Gesamtfestigkeit der Wand der Festigkeit des Einzelsteins an.
- Im Vergleich zum klassischen Normalmörtel führt das Dünnbettverfahren zu einer deutlich höheren charakteristischen Mauerwerksdruckfestigkeit ($f_k$).
3. Schlankheit der Bauteile
Wegen der hohen Tragfähigkeit können Wände aus Kalksandstein bei gleicher Last dünner ausgeführt werden als Wände aus anderen Materialien.
- Tragende Innenwände sind oft nur 11,5 cm oder 17,5 cm dick.
- Dies führt zu einem Raumgewinn (mehr Wohnfläche bei gleichen Außenmaßen).
4. Hohe Rohdichte
Kalksandstein ist ein schweres Material (Rohdichteklassen meist zwischen 1,4 und 2,4).
- Die hohe Rohdichte sorgt nicht nur für exzellenten Schallschutz, sondern trägt auch zur Stabilität bei.
- Schwere Wände sind weniger anfällig für Knicken (Stabilitätsprobleme bei Schlankheit), sofern die Auflasten zentrisch eingeleitet werden.
5. Knickfestigkeit und Aussteifung
Obwohl KS-Wände sehr tragfähig sind, muss bei der statischen Berechnung die Knickgefahr (Stabilität) berücksichtigt werden, besonders bei den oben erwähnten schlanken Wänden (z. B. 11,5 cm). Hier begrenzt oft nicht die Materialfestigkeit, sondern die Geometrie (Höhe der Wand im Verhältnis zur Dicke) die Belastbarkeit.
6. Vergleich mit anderen Baustoffen
- Porenbeton: Hat eine deutlich geringere Tragfähigkeit (meist SFK 2 bis 4), punktet dafür aber bei der Wärmedämmung.
- Ziegel (Hochlochziegel): In der Standardausführung oft geringere Tragfähigkeit als KS, es sei denn, es handelt sich um spezielle verfüllte Objektziegel.
- Beton: Nur Stahlbeton ist noch tragfähiger, da er auch Zugkräfte aufnehmen kann (Kalksandstein kann wie jedes Mauerwerk fast nur Druckkräfte aufnehmen).
Zusammenfassung der Vorteile für die Statik:
- Hohe vertikale Lastaufnahme: Ideal für mehrgeschossigen Wohnungsbau.
- Geringe Wandstärken: Maximale Flächenausnutzung.
- Berechenbarkeit: Durch werkseitige Vorfertigung (Plansteine) sind die statischen Eigenschaften sehr homogen und verlässlich.
Fazit: Kalksandstein-Mauerwerk ist die erste Wahl, wenn es darum geht, hohe Lasten auf engem Raum sicher abzufangen, ohne auf massiven Stahlbeton ausweichen zu müssen. Es wird daher bevorzugt in Mehrfamilienhäusern für tragende Zwischenwände und hochbelastete Pfeiler eingesetzt.