Wie wirken Abführmittel im menschlichen Körper?
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Abführmittel (Laxanzien) wirken auf unterschiedliche Weise, um den Stuhlgang zu fördern. Grob lassen sie sich in vier Hauptgruppen einteilen, je nachdem, welchen Mechanismus sie im Körper nutzen:
1. Quell- und Füllstoffe (z. B. Flohsamenschalen, Leinsamen)
Diese Mittel wirken rein physikalisch und sind am schonendsten.
- Wirkungsweise: Sie binden im Darm große Mengen Wasser und quellen auf. Dadurch nimmt das Volumen des Darminhalts zu.
- Effekt: Die Dehnung der Darmwand sendet einen Reiz an das Nervensystem, die Darmbewegung (Peristaltik) zu aktivieren. Der Stuhl wird zudem weicher.
- Wichtig: Man muss dazu extrem viel trinken, da die Stoffe sonst verklumpen und die Verstopfung verschlimmern können.
2. Osmotisch wirkende Abführmittel (z. B. Bittersalz, Lactulose, Macrogol)
„Osmotisch“ bedeutet, dass diese Stoffe Wasser anziehen.
- Wirkungsweise: Diese Mittel werden vom Körper kaum aufgenommen und verbleiben im Darm. Da sie eine hohe Konzentration an gelösten Teilchen haben, ziehen sie Wasser aus dem umliegenden Gewebe in das Innere des Darms (Osmose).
- Effekt: Der Stuhl wird durch das zusätzliche Wasser aufgeweicht und sein Volumen vergrößert, was wiederum die Darmbewegung anregt.
- Besonderheit: Macrogol gilt heute als Standard für die Behandlung chronischer Verstopfung, da es den Elektrolythaushalt kaum belastet.
3. Stimulierende Abführmittel (z. B. Bisacodyl, Natriumpicosulfat, Senna, Rizinusöl)
Diese Mittel greifen direkt in die Physiologie der Darmwand ein.
- Wirkungsweise: Sie reizen die Schleimhaut des Dickdarms. Das hat zwei Effekte:
- Sie hemmen die Rückaufnahme von Wasser und Salzen aus dem Darm in den Körper.
- Sie fördern den Einstrom von Wasser und Elektrolyten in das Darminnere.
- Effekt: Der Darm füllt sich schnell mit Flüssigkeit, und die Eigenbewegung des Darms wird massiv gesteigert.
- Wichtig: Diese Mittel wirken meist nach 6 bis 12 Stunden und sollten nicht dauerhaft ohne ärztlichen Rat genommen werden, da sie zu Gewöhnungseffekten und Elektrolytverlusten (vor allem Kaliummangel) führen können.
4. Gleitmittel (z. B. Glycerin-Zäpfchen, Paraffinöl)
Diese Mittel verändern die Beschaffenheit des Stuhls direkt.
- Wirkungsweise: Sie machen die Oberfläche des Stuhls glatter und weicher.
- Effekt: Der mechanische Widerstand beim Ausscheiden wird verringert. Zäpfchen wirken zudem lokal als Reiz im Enddarm, was den Entleerungsreflex auslöst.
- Hinweis: Paraffinöl wird heute kaum noch verwendet, da es die Aufnahme fettlöslicher Vitamine behindern kann.
Zusammenfassung der Risiken
Obwohl Abführmittel oft frei verkäuflich sind, ist Vorsicht geboten:
- Elektrolytverlust: Vor allem der Verlust von Kalium kann die Darmmuskulatur schwächen, was paradoxerweise zu noch mehr Verstopfung führt (Teufelskreis).
- Gewöhnung: Der Darm kann „faul“ werden, wenn er ständig durch stimulierende Mittel angeschoben wird.
- Flüssigkeitsmangel: Da dem Körper Wasser entzogen wird, muss der Flüssigkeitshaushalt ausgeglichen werden.
Empfehlung: Bei akuter Verstopfung helfen oft schon Bewegung, Ballaststoffe und ausreichend Flüssigkeit. Bei chronischen Problemen sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden.