Wie wird die Farbe in Fruchtjoghurts ohne den Einsatz künstlicher Farbstoffe intensiviert?
In der Lebensmittelindustrie wird heute bei Fruchtjoghurts weitgehend auf künstliche (synthetische) Farbstoffe verzichtet, da Verbraucher „Clean Label“-Produkte bevorzugen. Um dennoch eine appetitliche, intensive Farbe zu erreichen, nutzen Hersteller verschiedene natürliche Methoden.
Hier sind die wichtigsten Verfahren:
1. Färbende Lebensmittel (Der Goldstandard)
Dies ist die am häufigsten genutzte Methode. Rechtlich gesehen handelt es sich hierbei nicht um Zusatzstoffe (keine E-Nummern), sondern um Zutaten, die aufgrund ihrer natürlichen Pigmentierung ausgewählt werden. Es sind Konzentrate aus Obst und Gemüse.
- Rote Früchte (Erdbeere, Himbeere, Kirsche): Hier werden oft Konzentrate aus Rote Bete, Schwarzer Karotte, Holunderbeeren oder Aronia verwendet. Diese sind extrem farbstark und überlagern das blasse Rosa, das allein durch die Fruchtstücke entstehen würde.
- Gelbe/Orange Früchte (Pfirsich, Maracuja, Mango): Hier kommen Konzentrate aus Karotten, Kürbis oder Saflor (Färberdistel) zum Einsatz.
- Blaue/Violette Früchte (Heidelbeere, Brombeere): Konzentrate aus Heidelbeeren oder schwarzen Johannisbeeren sorgen für die nötige Tiefe.
2. Natürliche Farbstoffe (Zusatzstoffe natürlichen Ursprungs)
Wenn Konzentrate nicht ausreichen, werden isolierte Farbstoffe aus natürlichen Quellen verwendet. Diese müssen als Zusatzstoff mit einer E-Nummer deklariert werden:
- Carotinoide (E 160a): Gewonnen aus Pflanzen (z. B. Algen oder Karotten), für Gelb- und Orangetöne.
- Anthocyane (E 163): Pflanzenfarbstoffe aus Traubenschalen oder Beeren für Rot- und Blautöne.
- Echtes Karmin (E 120): Ein roter Farbstoff, der aus Schildläusen gewonnen wird. Er ist sehr licht- und hitzebeständig, wird aber heute seltener eingesetzt, da er nicht vegetarisch/vegan ist und viele Verbraucher ihn ablehnen.
- Kurkumin (E 100): Aus der Kurkumawurzel für intensives Gelb.
3. Fruchtzubereitungen (Konzentration)
Anstatt frische Früchte direkt in den Joghurt zu geben, verwenden Molkereien fast immer eine sogenannte Fruchtzubereitung. Dabei werden die Früchte mit Zucker eingekocht und konzentriert. Durch den Wasserentzug und das Eindicken wird die natürliche Farbe der Frucht deutlich intensiviert, bevor sie mit dem weißen Joghurt vermischt wird.
4. Technologische Kniffe
- pH-Wert-Management: Viele natürliche Farbstoffe (besonders Anthocyane) reagieren auf den Säuregehalt. Durch die genaue Einstellung des pH-Werts im Joghurt kann die Farbe stabilisiert oder in eine bestimmte Richtung (z. B. von Violett nach Rot) gelenkt werden.
- Schonende Erhitzung: Bei der Pasteurisierung der Fruchtmasse wird darauf geachtet, die Hitzeeinwirkung so kurz wie möglich zu halten (HTST-Verfahren), damit die hitzeempfindlichen natürlichen Farbpigmente nicht braun werden oder verblassen.
Wie erkennt man das auf der Verpackung?
- Steht dort „färbendes Lebensmittel“ oder z. B. „Konzentrat aus schwarzer Karotte“, handelt es sich um den natürlichen Weg über Pflanzenkonzentrate.
- Steht dort „Farbstoff: [Name oder E-Nummer]“, wurde ein isolierter Stoff zugesetzt.
- Fehlen diese Angaben und der Joghurt ist trotzdem sehr farbintensiv, deutet das auf einen sehr hohen (und teuren) Fruchtanteil oder eine sehr geschickte Auswahl der Fruchtsorten hin.
Fazit: Die intensive Farbe im modernen Joghurt stammt meistens aus der Karotte (besonders der schwarzen) oder der Roten Bete, da diese extrem färbestark, kostengünstig und „natürlich“ zu deklarieren sind.