Wie wasserabweisend müssen Arbeitsstiefel der Kategorie S3 tatsächlich sein?
Die kurze Antwort lautet: Arbeitsstiefel der Kategorie S3 müssen nach der Norm EN ISO 20345 einen gewissen Widerstand gegen Wasserdurchtritt und Wasseraufnahme bieten, sind aber nicht zwangsläufig „wasserdicht“ im Sinne eines Gummistiefels.
Hier sind die Details, was die Norm genau vorschreibt und wo die Grenzen liegen:
1. Die offizielle Anforderung (WRU)
S3-Stiefel müssen die Anforderungen der Zusatzertüchtigung WRU (Water Resistant Upper) erfüllen. Das bedeutet:
- Wasserdurchtritt: Wenn das Obermaterial (Leder oder Textil) einem simulierten Regentest ausgesetzt wird, darf nach 60 Minuten kein Wasser durch das Material ins Innere dringen.
- Wasseraufnahme: Das Material darf nach 60 Minuten nicht mehr als 30 % seines Eigengewichts an Wasser aufgesogen haben.
Wichtig: Diese Prüfung bezieht sich primär auf das Obermaterial, nicht auf den gesamten Schuh als geschlossenes System.
2. S3 vs. WR (Wasserdichtigkeit)
Es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen einem Standard-S3-Stiefel und einem Stiefel mit dem Zusatzmerkmal WR (Water Resistant):
- S3 (ohne WR): Das Leder ist imprägniert. Bei kurzem Kontakt mit Pfützen oder Regen bleibt der Fuß trocken. Aber: Durch die Nähte oder an der Zunge kann bei längerem Stehen im Wasser Feuchtigkeit eindringen.
- S3 mit WR: Diese Stiefel haben zusätzlich eine wasserdichte Membran (z. B. Gore-Tex oder Sympatex) im Inneren. Nur diese Schuhe sind im Test wirklich komplett wasserdicht (sie werden in einer Maschine "begangen", die tief im Wasser steht).
3. Was bedeutet das für die Praxis?
- Leichter Regen und nasse Wiesen: Ein S3-Stiefel reicht völlig aus. Das behandelte Leder lässt das Wasser abperlen.
- Arbeiten im Schlamm oder tiefen Pfützen: Hier stößt ein einfacher S3-Stiefel schnell an seine Grenzen. Das Wasser dringt oft durch die Nähte oder die Staublasche (die Zunge des Schuhs) ein, auch wenn das Leder selbst noch dicht ist.
- Dauerhafte Nässe: Wer den ganzen Tag im nassen Tiefbau oder im Gartenbau arbeitet, sollte auf S3-Stiefel mit dem Zusatz WR (Membran) achten.
4. Warum werden S3-Stiefel oft trotzdem nass?
Wenn Ihre S3-Stiefel nach kurzer Zeit "durch" sind, liegt das meist an einem dieser Gründe:
- Die Zunge: Bei vielen günstigen S3-Modellen ist die Lasche nicht hochgenäht oder besteht aus einfachem Stoff.
- Fehlende Pflege: Wenn das Leder austrocknet, wird es rissig und die Imprägnierung lässt nach. S3-Leder muss regelmäßig gefettet oder imprägniert werden.
- Verwechslung mit Schweiß: Da S3-Stiefel oft weniger atmungsaktiv sind als S1-Schuhe, verwechseln Träger oft die eigene Fußfeuchtigkeit mit eingedrungenem Regenwasser.
Fazit
Ein S3-Stiefel muss 60 Minuten lang spritzwasserfest sein und darf sich nicht sofort mit Wasser vollsaugen. Er ist jedoch für das „Arbeiten im Trockenen bei widrigen Außenbedingungen“ gedacht, nicht für das „Stehen im Wasser“. Wenn Sie wirklich trockene Füße bei Dauerregen oder im Wassergraben brauchen, suchen Sie gezielt nach S3-Stiefeln mit Gore-Tex (WR-Kennzeichnung) oder nutzen Sie Sicherheits-Gummistiefel der Kategorie S5.