Wann müssen S3-Arbeitsstiefel aus Sicherheitsgründen ausgetauscht werden?
S3-Arbeitsstiefel müssen ausgetauscht werden, sobald ihre Schutzfunktion nicht mehr zu 100 % gewährleistet ist. Da S3-Stiefel spezifische Anforderungen erfüllen (Zehenschutz, Durchtrittsicherheit, Wasserdichtigkeit, Profilierung), gibt es klare Warnsignale.
Hier sind die wichtigsten Gründe für einen Austausch, unterteilt in Kategorien:
1. Nach einem Unfall (Sofortiger Austausch)
- Nach einem Aufprall: Wenn ein schwerer Gegenstand auf die Zehenschutzkappe gefallen ist, muss der Schuh ersetzt werden. Auch wenn man äußerlich nichts sieht, kann die Kappe Haarrisse haben oder verformt sein, was beim nächsten Mal zum Versagen führt.
- Nach einem Durchtritt: Wenn ein Nagel oder ein spitzer Gegenstand die Sohle durchstochen hat, ist die Barriere beschädigt (besonders bei Textil-Durchtrittschutz).
2. Sichtbare Schäden am Obermaterial
- Freiliegende Zehenschutzkappe: Wenn das Leder über der Kappe so weit abgewetzt ist, dass das Metall oder der Verbundstoff sichtbar ist.
- Tiefe Risse oder Schnitte: Wenn das Obermaterial (Leder/Synthetik) tiefe Risse aufweist, ist die Stabilität und vor allem die Wasserdichtigkeit (ein Hauptmerkmal von S3) nicht mehr gegeben.
- Defekte Nähte oder Verschlüsse: Aufgeplatzte Nähte oder kaputte Ösen beeinträchtigen den festen Sitz am Fuß, was das Umknickrisiko erhöht.
3. Schäden an der Sohle
- Abgefahrenes Profil: Die Berufsgenossenschaften empfehlen einen Austausch, wenn das Profil an irgendeiner Stelle weniger als 2 bis 3 mm tief ist (Rutschgefahr!).
- Ablösung der Sohle: Wenn sich die Laufsohle vom Obermaterial löst („Krokodilsmaul“).
- Risse in der Sohle: Wenn die Sohle quer durchgerissen ist, ist die Dichtigkeit und die statische Stabilität dahin.
- Hydrolyse (Sohlenzerfall): Bei Schuhen, die lange gelagert wurden, kann die PU-Sohle von innen zerbröseln (sie wird weich, klebrig oder brüchig).
4. Verlust der spezifischen S3-Eigenschaften
- Feuchtigkeit im Schuh: S3-Schuhe müssen mindestens 60 Minuten wasserabweisend sein. Wenn die Füße bei normalem Regen sofort nass werden, ist die Membran oder die Imprägnierung/Struktur defekt.
- Nachlassen der Antistatik: Wenn man ständig „geputzt“ wird (elektrische Schläge), kann die leitfähige Eigenschaft der Sohle durch Verschmutzung oder Abnutzung verloren gegangen sein.
5. Innere Abnutzung und Hygiene
- Zerstörtes Innenfutter: Wenn das Futter an der Ferse aufgescheuert ist, entstehen Blasen und der Halt im Schuh geht verloren.
- Deformiertes Fußbett: Wenn die Dämpfungseigenschaften nachlassen, führt dies zu Gelenk- und Rückenschmerzen.
Faustregel zur Lebensdauer
Selbst wenn keine schweren Schäden vorliegen, haben Sicherheitsschuhe bei täglicher Benutzung unter normalen Baustellenbedingungen eine Lebenserwartung von etwa 6 bis 12 Monaten.
Wichtig: In Deutschland ist der Arbeitgeber verpflichtet, PSA (Persönliche Schutzausrüstung) bereitzustellen und zu ersetzen, wenn diese nicht mehr sicher ist. Die regelmäßige Sichtprüfung durch den Träger ist dabei Pflicht (gemäß DGUV-Regelungen).
Tipp: Nehmen Sie die Einlegesohle heraus und schauen Sie hinein. Wenn sich dort Feuchtigkeit sammelt, Schimmel bildet oder die Brandsohle (die Schicht unter der Einlegesohle) gebrochen ist, ist der Schuh sofort zu entsorgen.