Wie verhindert man das Runddrehen von Schraubenköpfen bei der Verwendung eines Steckschlüssels?
Das „Runddrehen“ eines Schraubenkopfes ist ärgerlich, zeitfressend und oft teuer. Mit der richtigen Technik und dem passenden Werkzeug lässt sich dies fast immer vermeiden.
Hier sind die wichtigsten Tipps, um Schraubenköpfe bei der Verwendung eines Steckschlüssels (Knarre/Ratsche) zu schützen:
1. Das richtige Profil wählen (6-kant vs. 12-kant)
Dies ist der wichtigste Faktor. Steckschlüssel-Einsätze (Nüsse) gibt es in zwei gängigen Varianten:
- Sechskant (6-kant): Diese Nüsse greifen auf den Flächen der Schraube, nicht an den Ecken. Sie sind wesentlich sicherer gegen Runddrehen, besonders bei hohen Drehmomenten.
- Zwölfkant (12-kant): Sie lassen sich zwar leichter aufsetzen (alle 30 Grad), greifen aber eher an den Ecken. Bei festsitzenden Schrauben rutschen sie viel schneller ab und ruinieren den Kopf.
- Tipp: Verwende für festsitzende Schrauben immer eine 6-kant-Nuss.
2. Die exakte Größe verwenden
Vermeide „ähnliche“ Größen.
- Benutze niemals ein zölliges Werkzeug auf einer metrischen Schraube (z. B. 1/2 Zoll statt 13 mm) und umgekehrt. Das minimale Spiel reicht aus, um die Ecken bei Kraftaufwand zu verformen.
- Prüfe, ob die Nuss fest sitzt und kein Spiel hat, bevor du Kraft anwendest.
3. Sauberkeit des Schraubenkopfes
Oft rutscht der Steckschlüssel ab, weil er nicht tief genug auf dem Kopf sitzt.
- Kratze Dreck, Rost oder alte Farbe aus den Zwischenräumen des Schraubenkopfes.
- Klopfe die Nuss ggf. mit einem leichten Hammerschlag vollständig auf den Schraubenkopf, damit sie die gesamte Flankenhöhe greift.
4. Die richtige Kraftanwendung (Technik)
- Druck ausüben: Drücke mit einer Hand den Kopf der Ratsche (oder die Nuss) fest gegen die Schraube, während du mit der anderen Hand am Griff drehst. Dies verhindert das Abkippen.
- Nicht verkanten: Halte den Steckschlüssel immer im 90-Grad-Winkel zur Schraube. Wenn du Verlängerungen benutzt, ist die Gefahr des Verkantens besonders groß – hier musst du besonders stabil gegenhalten.
- Ruckartiges vs. stetiges Ziehen: Manchmal hilft ein kurzer, gezielter Kraftstoß besser als langsames, unkontrolliertes Ziehen, bei dem man eher abrutscht.
5. Vorbehandlung bei festgerosteten Schrauben
Wenn die Schraube festsitzt, erzwinge nichts mit roher Gewalt, sonst scherst du den Kopf ab oder drehst ihn rund.
- Rostlöser: Sprühe die Schraube mit Kriechöl (z. B. WD-40, Caramba) ein und lass es mindestens 15–30 Minuten einwirken.
- Erschütterung: Ein paar gezielte Hammerschläge auf den Schraubenkopf (oder auf die aufgesetzte Nuss) können den Rost lösen.
- Hitze: Ein Heißluftfön oder ein Brenner kann Wunder wirken, da sich das Metall ausdehnt und die Rostverbindung bricht.
6. Qualität des Werkzeugs
Billige Steckschlüssel aus dem Discounter haben oft zu große Toleranzen. Sie sind „weich“ oder ungenau gefertigt. Hochwertiges Werkzeug (z. B. von Hazet, Gedore, Stahlwille oder Wera) hat oft spezielle Profile (wie das „Flank-Drive“-System), die gezielt die Flanken belasten und die Ecken schonen.
7. Der Einsatz eines Schlagschraubers
Falls vorhanden, ist ein (Akku-)Schlagschrauber oft schonender als eine lange Ratsche. Durch die hochfrequenten Schläge wird die Schraube gelöst, ohne dass ein hohes, stetiges Drehmoment die Ecken langsam „rundfeilt“.
Was tun, wenn es schon fast zu spät ist? Wenn die Ecken bereits leicht beschädigt sind, kannst du versuchen, eine Schraubendoktor-Paste (eine Paste mit Metallpartikeln, die den Grip erhöht) in die Nuss zu geben. Hilft das nicht, greifen spezielle Ausdreh-Nüsse (Turbonüsse), die sich mit einer Spirale in den runden Kopf hineinfressen.