Wie sollten Dichtungsringe gelagert werden, um Materialermüdung und Sprödigkeit zu verhindern?

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Die sachgerechte Lagerung von Dichtungsringen (insbesondere aus Elastomeren wie NBR, EPDM, FKM oder Silikon) ist entscheidend, um ihre physikalischen Eigenschaften über Jahre hinweg zu erhalten. Elastomere unterliegen einem natürlichen Alterungsprozess, der durch äußere Einflüsse massiv beschleunigt werden kann.

Hier sind die wichtigsten Richtlinien für die Lagerung (orientiert an der Norm DIN 7716 bzw. ISO 2230):

1. Temperatur

  • Idealbereich: Zwischen +5 °C und +25 °C.
  • Vermeiden: Direkte Nähe zu Wärmequellen (Heizkörpern). Höhere Temperaturen beschleunigen die chemische Alterung und führen zur Erhärtung des Materials.
  • Kälte: Tiefe Temperaturen schaden meist nicht dauerhaft, machen das Material aber steif. Vor dem Einbau sollten die Dichtungen dann langsam wieder auf Raumtemperatur gebracht werden.

2. Licht und UV-Strahlung

  • Schutz: Dichtungen müssen vor direktem Sonnenlicht und starkem künstlichem Licht mit hohem UV-Anteil geschützt werden.
  • Lösung: Lagerung in geschlossenen Kartons oder UV-undurchlässigen (meist schwarzen) Beuteln. UV-Strahlung zerstört die Polymerketten, was zu Rissen an der Oberfläche führt (Ozonrisse).

3. Feuchtigkeit

  • Bedingung: Die relative Luftfeuchtigkeit sollte unter 65 % liegen.
  • Vermeiden: Extrem trockene Lagerung (führt zur Sprödigkeit bei manchen Materialien) sowie extrem feuchte Bedingungen (Gefahr von Schimmel oder Hydrolyse, besonders bei Polyurethan/AU). Es darf keine Kondensation entstehen.

4. Sauerstoff und Ozon

  • Gefahr: Ozon ist besonders schädlich für viele Elastomere (insbesondere NBR). Es führt zu charakteristischen Rissen.
  • Quellen: Ozon entsteht durch elektrische Funkenbildung (Elektromotoren), Hochspannungsgeräte oder UV-Lampen.
  • Schutz: Dichtungen sollten in luftdichten Beuteln oder Behältern aufbewahrt werden, um den Kontakt mit ständig zirkulierendem Sauerstoff und Ozon zu minimieren.

5. Mechanische Belastung (Verformung)

  • Lagerung: Dichtungen müssen spannungsfrei gelagert werden.
  • Vermeiden:
    • Dichtringe nicht an Haken oder Nägeln aufhängen (führt zu Dehnung und Verformung).
    • Nicht quetschen oder knicken.
    • Große O-Ringe nicht zu engen Schlaufen wickeln.
    • Hohe Stapel vermeiden, da das Eigengewicht die unteren Ringe verformen kann (Druckverformungsrest).

6. Kontakt mit Chemikalien und Metallen

  • Trennung: Dichtungen sollten nicht mit Lösungsmitteln, Ölen, Fetten oder Desinfektionsmitteln gelagert werden, es sei denn, sie sind original darin verpackt.
  • Metalle: Kontakt mit bestimmten Metallen (z. B. Kupfer oder Mangan) kann die Alterung bei manchen Gummimischungen katalytisch beschleunigen.

7. Lagerdauer (Shelf Life)

Unterschiedliche Materialien haben verschiedene maximale Lagerzeiten:

  • Kurze Lebensdauer (ca. 5 Jahre): SBR, Polyurethan (AU).
  • Mittlere Lebensdauer (ca. 7–10 Jahre): NBR, EPDM, Chloropren (CR).
  • Lange Lebensdauer (10–20 Jahre): FKM (Viton), Silikon (VMQ), PTFE (fast unbegrenzt).

Zusammenfassende Checkliste für die Praxis:

  1. Dunkel (im Karton oder schwarzen Beutel).
  2. Kühl (Keller oder klimatisierter Raum, keine Heizungsnähe).
  3. Trocken (aber nicht staubtrocken).
  4. Luftdicht (PE-Beutel verschließen).
  5. Liegend (nicht hängend, nicht gequetscht).
  6. First-in, First-out: Immer die ältesten Bestände zuerst verwenden.

Wenn Sie eine Dichtung nach langer Lagerung prüfen wollen: Biegen Sie sie vorsichtig. Zeigen sich kleinste Risse ("Elefantenaut-Optik") oder fühlt sich die Dichtung hart und unelastisch an, sollte sie entsorgt werden.