Wie problematisch ist die Verwendung des Begriffs im Hinblick auf die Kolonialgeschichte der Hauptzutaten Zucker und Kakao?

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Die Verwendung von Begriffen wie „Mohrenkopf“ oder „Negerkuss“ ist im Hinblick auf die Kolonialgeschichte der Hauptzutaten Zucker und Kakao als hochgradig problematisch einzustufen. Die Problematik ergibt sich aus einer Verbindung von rassistischer Namensgebung und der gewaltvollen Ausbeutungsgeschichte der Rohstoffe, die diese Süßwaren erst ermöglichten.

Hier sind die zentralen Aspekte dieser Problematik:

1. Die „Blutspur“ der Rohstoffe (Zucker und Kakao)

Beide Hauptzutaten sind untrennbar mit dem Kolonialismus und dem transatlantischen Sklavenhandel verbunden:

  • Zucker: Im 17. und 18. Jahrhundert war Zucker das „weiße Gold“. Die europäische Nachfrage führte zur Etablierung des Plantagensystems in der Karibik und Brasilien. Dieses System basierte fast ausschließlich auf der brutalen Ausbeutung verschleppter Afrikaner. Schätzungen zufolge starben Millionen von Menschen allein durch die harte Arbeit auf den Zuckerrohrfeldern.
  • Kakao: Ähnlich wie Zucker wurde Kakao zu einem kolonialen Massengut. Während er ursprünglich aus Mittelamerika stammte, verlagerten die Kolonialmächte den Anbau massiv nach Westafrika. Auch hier prägten Zwangsarbeit und ausbeuterische Strukturen die Produktion.

2. Die Zynik der Namensgebung

Die Verwendung rassistischer Bezeichnungen für ein Genussmittel, dessen Rohstoffe durch die Unterdrückung genau der Menschen gewonnen wurden, die mit dem Namen herabgewürdigt werden, empfinden Kritiker als besonders zynisch.

  • Dehumanisierung als Marketing: Durch Bezeichnungen wie „Mohr“ wurde ein rassistisches Stereotyp als „exotischer Werbeträger“ genutzt. Man konsumierte nicht nur die süße Ware, sondern konsumierte bildlich gesprochen auch das „Fremde“ oder „Andere“.
  • Trivialisierung von Gewalt: Indem man eine Süßigkeit nach einer Gruppe benennt, die zeitgleich in den Kolonien entmenschlicht wurde, verharmlost man die historischen Gewaltverhältnisse. Das Leid der Sklaven auf den Plantagen wird durch den „süßen Genuss“ unsichtbar gemacht oder gar ins Lächerliche gezogen.

3. Exotismus und koloniale Fantasien

Begriffe wie „Mohrenkopf“ bedienen das Konzept des Exotismus. In der Kolonialzeit wurden Menschen aus Afrika oft als „exotische Objekte“ betrachtet – entweder als gefährlich oder als „süß“ und „naiv“ (wie bei der Figur des „Sarotti-Mohren“). Diese Verniedlichung diente dazu, die tatsächlichen Machtverhältnisse und die Gewalt der Kolonialisierung moralisch zu kaschieren. Wer die Süßspeise aß, partizipierte an einer kolonialen Überlegenheitsfantasie: Man „besaß“ und „verzehrte“ das Symbol des kolonisierten Menschen.

4. Koloniale Kontinuitäten heute

Die Debatte ist nicht nur historisch, sondern aktuell, da die globalen Lieferketten für Kakao und Zucker nach wie vor problematische Strukturen aufweisen:

  • Moderne Sklaverei und Kinderarbeit: In der heutigen Kakaoproduktion (besonders in Westafrika) ist Kinderarbeit nach wie vor ein massives Problem.
  • Strukturelle Ungleichheit: Die Wertschöpfung findet meist im globalen Norden statt, während die Produzenten im globalen Süden oft unter der Armutsgrenze leben.

Die Beibehaltung alter, rassistischer Namen signalisiert eine Ignoranz gegenüber diesen historischen und aktuellen Ungerechtigkeiten.

Fazit

Die Verwendung solcher Begriffe ist deshalb so problematisch, weil sie eine doppelte Verletzung darstellt:

  1. Sie nutzt eine Sprache, die Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder Hautfarbe abwertet.
  2. Sie tut dies bei Produkten, deren gesamte Existenz historisch auf der physischen Ausbeutung und Versklavung genau dieser Menschen beruht.

Die Umbenennung in neutrale Begriffe wie „Schokokuss“ oder „Schaumkuss“ ist daher kein bloßer Akt der „Political Correctness“, sondern eine notwendige Anerkennung der kolonialen Gewaltgeschichte und ein Bruch mit rassistischen Traditionen.

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