Wie lange dauert es, bis sich ein herkömmliches Feuchttuch in der Natur zersetzt?
Ein herkömmliches Feuchttuch benötigt in der Natur etwa 100 Jahre oder länger, um sich zu zersetzen. Manche Schätzungen gehen sogar von bis zu 500 Jahren aus, je nach den Umgebungsbedingungen.
Hier sind die Gründe, warum das so lange dauert und warum es problematisch ist:
1. Der Materialmix (Plastikanteil)
Herkömmliche Feuchttücher bestehen meist nicht nur aus Zellstoff (Papier), sondern aus einem Vliesgemisch, das zu einem großen Teil aus synthetischen Fasern (wie Polyester oder Polypropylen) besteht. Diese Kunststoffe sind biologisch nicht abbaubar.
2. Kein echtes „Verrotten“
Im Gegensatz zu normalem Toilettenpapier, das sich in Wasser innerhalb von Sekunden oder Minuten in seine Fasern auflöst, sind Feuchttücher extrem reißfest. In der Natur werden sie durch UV-Strahlung und mechanische Reibung zwar in immer kleinere Teile zerlegt, aber sie verschwinden nicht. Es entsteht Mikroplastik, das über Jahrhunderte in der Umwelt, im Boden und in den Gewässern verbleibt.
3. Das Problem mit der „Abbaubarkeit“
Selbst Tücher, die als „biologisch abbaubar“ deklariert sind, benötigen unter natürlichen Bedingungen (z. B. im Wald oder im Meer) oft viele Monate oder Jahre, da die industriellen Kompostierbedingungen, für die sie getestet wurden, in der freien Natur nicht herrschen.
Warum das gefährlich ist:
- Tiere: Tiere können die Tücher oder deren Überreste fressen, was zu tödlichen Darmverschlüssen führen kann.
- Schadstoffe: Die enthaltenen Reinigungslösungen (Lotionen, Duftstoffe, Konservierungsmittel) gelangen ungefiltert in den Boden und ins Grundwasser.
- Abwassersysteme: Feuchttücher, die fälschlicherweise in der Toilette entsorgt werden, lösen sich nicht auf und führen weltweit zu massiven Verstopfungen in der Kanalisation und in Kläranlagen (sogenannte „Fettberge“).
Fazit: Ein Feuchttuch sollte niemals in der Natur oder in der Toilette entsorgt werden, sondern immer im Restmüll. Nur so kann es verbrannt werden, ohne die Umwelt dauerhaft zu belasten.