Wie lässt sich die Herkunft der Tomaten auf dem Etikett eines Glases feststellen?

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Die Herkunft der Tomaten auf einem Glas (z. B. Passata, Tomatensauce oder getrocknete Tomaten) festzustellen, ist für Verbraucher oft gar nicht so einfach, da die gesetzlichen Kennzeichnungspflichten Lücken lassen.

Hier sind die wichtigsten Wege, wie du die Herkunft entschlüsseln kannst:

1. Die EU-Herkunftskennzeichnung (Seit April 2020)

Seit April 2020 gibt es eine wichtige EU-Regel (Durchführungsverordnung 2018/775): Wenn die Herkunft des Lebensmittels angegeben ist (z. B. durch eine Flagge oder den Satz „Hergestellt in Deutschland“), die primäre Zutat (die Tomate) aber woanders herkommt, muss dies angegeben werden.

  • Worauf du achten musst: Steht auf dem Glas groß „Hergestellt in Italien“, aber die Tomaten stammen aus China, muss im Kleingedruckten stehen: „Tomaten stammen nicht aus Italien“ oder „Tomaten aus Nicht-EU-Landwirtschaft“.

2. Das Bio-Siegel (Der sicherste Hinweis)

Bei Produkten mit dem grünen EU-Bio-Logo (das Blatt aus Sternen) ist die Angabe des Herkunftsortes der Rohstoffe verpflichtend. Direkt unter dem Logo oder der Codenummer der Kontrollstelle (z. B. DE-ÖKO-001) findest du Angaben wie:

  • „EU-Landwirtschaft“: Die Tomaten kommen aus EU-Staaten.
  • „Nicht-EU-Landwirtschaft“: Die Tomaten kommen aus Drittstaaten (oft China oder Türkei).
  • „EU-/Nicht-EU-Landwirtschaft“: Eine Mischung.
  • „Italienische Landwirtschaft“: Wenn 98 % der Zutaten tatsächlich aus dem genannten Land stammen.

3. Geschützte Ursprungsbezeichnungen

Achte auf die runden, gelb-roten oder blau-gelben Siegel der EU. Diese garantieren eine spezifische Herkunft:

  • g.U. (geschützte Ursprungsbezeichnung): Alles – vom Anbau bis zur Verarbeitung – muss in der genannten Region stattgefunden haben (z. B. Pomodoro S. Marzano dell’Agro Sarnese-Nocerino g.U.).
  • g.g.A. (geschützte geografische Angabe): Mindestens ein Produktionsschritt erfolgte in der Region.

4. Freiwillige Angaben der Hersteller

Viele Premium-Marken schreiben die Herkunft aktiv auf das Etikett, weil sie ein Qualitätsmerkmal ist (z. B. „100 % Tomaten aus der Toskana“). Fehlt eine solche Angabe völlig, handelt es sich oft um preiswerte Konzentrat-Mischungen vom Weltmarkt.

5. Das Problem mit „Hergestellt in Italien“

Vorsicht bei Marketing-Sprüchen. „Hergestellt in Italien“ oder „Italienische Rezeptur“ bedeutet oft nur, dass das (häufig aus China importierte) Tomatenkonzentrat in Italien mit Wasser verdünnt, gewürzt und abgefüllt wurde.

  • Tipp: Wenn eine italienische Flagge auf dem Glas ist, aber nirgends explizit steht „Tomaten aus Italien“, ist Skepsis geboten.

6. Chargennummer und Rückverfolgung

Manche modernen Hersteller bieten einen QR-Code oder eine Website an, auf der man die Chargennummer (neben dem Mindesthaltbarkeitsdatum) eingeben kann, um das exakte Feld oder die Erzeugergenossenschaft zu sehen.

Zusammenfassung: So gehst du vor

  1. Suche das Bio-Siegel (beste Info-Quelle).
  2. Prüfe das Kleingedruckte nach dem Satz „Tomaten aus ...“.
  3. Achte auf EU-Qualitätssiegel (g.U. / g.g.A.).
  4. Wenn nur „Hergestellt in [Land]“ ohne Rohstoffangabe dasteht, handelt es sich meist um Importware aus dem günstigsten Erzeugerland (oft China).

Zusatz-Tipp: Wenn du sichergehen willst, dass die Tomaten aus Europa kommen, sind Produkte von Verbänden wie Demeter oder Bioland sehr zuverlässig, da diese oft noch strengere Rückverfolgbarkeitsregeln haben.