Wie hoch ist der Ressourcenverbrauch bei der Herstellung von Einweg-Kosmetiktüchern?
Der Ressourcenverbrauch bei der Herstellung von Einweg-Kosmetiktüchern (trockene Papiertücher sowie feuchte Abschminktücher) ist erheblich, da es sich um ein kurzlebiges Produkt handelt, das oft aus hochwertigen Primärrohstoffen besteht.
Man muss hierbei zwischen trockenen Papiertüchern und Feuchttüchern unterscheiden.
1. Rohstoffverbrauch (Holz und Fasern)
Die meisten Kosmetiktücher werden aus Frischzellstoff hergestellt, da dieser weicher auf der Haut ist als Recyclingpapier.
- Holzbedarf: Für die Herstellung von 1 Tonne konventionellem Zellstoff werden etwa 2 bis 3 Tonnen Holz benötigt.
- Abholzung: Oft stammt das Holz aus Monokulturen (z. B. Eukalyptus oder Kiefer), was die lokale Biodiversität beeinträchtigt.
- Recyclingquote: Im Gegensatz zu Toilettenpapier oder Küchentüchern ist der Anteil an Recyclingfasern bei Kosmetiktüchern gering, da die Verbraucher maximale Weichheit und Reinweiß-Optik erwarten.
2. Wasserverbrauch
Die Papier- und Zellstoffindustrie gehört zu den wasserintensivsten Industriezweigen weltweit.
- Menge: Für die Produktion von 1 kg Papier (ca. 150–200 Tücher) werden je nach Effizienz der Anlage zwischen 10 und 50 Liter Wasser verbraucht.
- Abwasser: Bei der Reinigung und Bleiche des Zellstoffs fällt belastetes Abwasser an, das organische Verbindungen und Chemikalien enthalten kann.
3. Energieverbrauch
Die Herstellung ist extrem energieintensiv, insbesondere der Trocknungsprozess des Papiers.
- Prozesswärme: Es wird viel Energie benötigt, um das Wasser aus dem Papierbrei zu verdampfen.
- CO2-Fußabdruck: Je nach Energiemix des Produktionslandes entstehen signifikante Mengen an Treibhausgasen. Der Transport der oft voluminösen, aber leichten Packungen trägt ebenfalls zur CO2-Bilanz bei.
4. Einsatz von Chemikalien
- Bleichmittel: Um die strahlend weiße Farbe zu erhalten, wird der Zellstoff gebleicht (heute meist chlorfrei, z. B. mit Sauerstoff oder Ozon, aber dennoch chemieintensiv).
- Zusatzstoffe: Um die Tücher „reißfest“ im nassen Zustand zu machen (Nassfestmittel), werden oft Kunstharze hinzugefügt.
- Bei Feuchttüchern: Diese enthalten zusätzlich eine Lotion aus Wasser, Tensiden, Konservierungsstoffen, Duftstoffen und oft auch Mineralölprodukten.
5. Besonderheit: Plastikanteil in Feuchttüchern
Viele herkömmliche Einweg-Absminktücher bestehen nicht nur aus Papier, sondern aus einem Vlies (Mischgewebe aus Viskose und Kunststoffen wie Polyester oder Polypropylen).
- Ressource Erdöl: Für den Plastikanteil wird fossiles Erdöl verbraucht.
- Mikroplastik: Diese Tücher sind nicht biologisch abbaubar und zerfallen in der Umwelt zu Mikroplastik.
6. Abfall und Entsorgung
- Einmalige Nutzung: Die Ressourcen werden für eine Nutzungsdauer von etwa 10 bis 30 Sekunden aufgewendet.
- Müllmenge: In Deutschland fallen jährlich Zehntausende Tonnen Abfall allein durch Hygienetücher an.
- Kanalisation: Feuchttücher werden oft fälschlicherweise in der Toilette entsorgt, wo sie die Kanalisation verstopfen und mit hohem Energieaufwand aus dem Abwasser gefischt werden müssen.
Zusammenfassung der Bilanz
Ein einziges Kosmetiktuch mag unbedeutend erscheinen, aber in der Summe ist der Verbrauch massiv:
- Hoher Flächenverbrauch für Holzplantagen.
- Hoher Wasserverbrauch bei der Zellstoffgewinnung.
- Hoher Chemieeinsatz für Weichheit, Weißgrad und Haltbarkeit.
Nachhaltigere Alternativen:
- Waschbare Abschminkpads (aus Bio-Baumwolle oder Mikrofaser): Diese können hunderte Male wiederverwendet werden.
- Waschlappen: Die ressourcenschonendste Methode.
- Recycling-Kosmetiktücher: Achten Sie auf das Siegel „Blauer Engel“.