Wie fördert Zucker die Entstehung von Karies an den Zähnen?
Zucker verursacht Karies nicht direkt durch Kontakt mit dem Zahn, sondern über einen chemischen Umweg, an dem Bakterien in deinem Mund beteiligt sind.
Hier ist der schrittweise Prozess, wie Zucker zu Löchern in den Zähnen führt:
1. Die Bakterien im Mund (Plaque)
In jedem Mund leben Milliarden von Bakterien. Viele davon sind nützlich, aber einige (vor allem Streptococcus mutans) siedeln sich auf der Zahnoberfläche an und bilden einen klebrigen Film, den sogenannten Zahnbelag oder Plaque.
2. Zucker als „Treibstoff“
Wenn du zuckerhaltige Lebensmittel oder Getränke zu dir nimmst, dient der Zucker diesen Bakterien als Nahrung. Die Bakterien nehmen den Zucker auf und verstoffwechseln ihn.
3. Die Entstehung von Säure
Das Abfallprodukt dieses Stoffwechsels ist Säure (vor allem Milchsäure). Sobald die Bakterien den Zucker fressen, scheiden sie diese Säure direkt auf der Zahnoberfläche aus.
4. Entmineralisierung (Angriff auf den Zahnschmelz)
Zahnschmelz ist die härteste Substanz im menschlichen Körper und besteht hauptsächlich aus Mineralien (Kalzium und Phosphat). Doch gegen Säure ist er empfindlich:
- Die Säure löst die Mineralien aus dem Zahnschmelz heraus.
- Dieser Vorgang wird Entmineralisierung genannt.
- Der Zahnschmelz wird dadurch weich, porös und verliert seine Schutzfunktion.
5. Das Zeitfenster und die Remineralisierung
Normalerweise kann der Körper diesen Schaden reparieren: Der Speichel neutralisiert die Säuren und führt dem Zahn wieder Mineralien zu (Remineralisierung).
- Das Problem: Wenn man über den Tag verteilt ständig Zucker isst oder trinkt (z. B. süße Limonade oder häufiges Naschen), haben die Zähne keine Zeit zur Erholung. Der Speichel kommt mit der Reparatur nicht hinterher, und der Zahnschmelz wird immer dünner.
6. Das Loch (Karies)
Wenn die Entmineralisierung dauerhaft stärker ist als die Remineralisierung, bricht die Struktur des Zahnschmelzes irgendwann zusammen. Es entsteht ein dauerhafter Schaden – ein Loch. Sobald die Bakterien die Barriere des Zahnschmelzes durchbrochen haben, gelangen sie in das weichere Dentin (Zahnbein) darunter und breiten sich dort noch schneller aus.
Zusammenfassung: Was fördert Karies besonders?
- Häufigkeit statt Menge: Es ist für die Zähne schlimmer, über den Tag verteilt fünf kleine Bonbons zu essen, als eine ganze Tafel Schokolade auf einmal. Bei jedem Bonbon startet eine neue „Säureattacke“, die etwa 20 bis 30 Minuten anhält.
- Klebrigkeit: Lebensmittel, die lange am Zahn kleben bleiben (wie Gummibärchen, Karamell oder Chips), sind besonders gefährlich, weil sie die Zuckerquelle für die Bakterien über lange Zeit aufrechterhalten.
- Versteckter Zucker: Auch stärkehaltige Lebensmittel (wie Weißbrot oder Cracker) werden im Mund durch Enzyme in Zucker zerlegt und wirken so indirekt kariesfördernd.
Fazit: Nicht der Zucker „frisst“ den Zahn, sondern die Säure, die von Bakterien produziert wird, während sie den Zucker verdauen.