Fördert das Ablecken des Schnullers durch die Eltern die Entstehung von Karies?

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Die Antwort auf diese Frage ist etwas komplexer, als sie auf den ersten Blick scheint, da es zwei verschiedene wissenschaftliche Perspektiven gibt.

Hier ist die Zusammenfassung der aktuellen Erkenntnisse:

1. Das Risiko: Übertragung von Kariesbakterien

Lange Zeit war die Standardempfehlung von Zahnärzten: Laufen Sie den Schnuller niemals ab.

  • Der Grund: Babys kommen ohne die kariesverursachenden Bakterien (vor allem Streptococcus mutans) auf die Welt. Diese Bakterien werden meist durch Speichelkontakt von den Bezugspersonen auf das Kind übertragen – eben durch das Ablecken des Schnullers oder das Teilen eines Löffels.
  • Die Folge: Je früher ein Kind mit diesen Bakterien besiedelt wird, desto höher ist statistisch gesehen das Risiko für frühkindliche Karies, sobald die ersten Zähne durchbrechen.

2. Die Gegenperspektive: Stärkung des Immunsystems

In den letzten Jahren haben Studien (insbesondere eine bekannte schwedische Untersuchung) gezeigt, dass das Ablecken des Schnullers auch einen positiven Effekt haben kann:

  • Allergieprävention: Kinder, deren Eltern den Schnuller abgeleckt haben, neigen seltener zu Allergien, Asthma und Ekzemen.
  • Der Grund: Durch den Speichel der Eltern gelangen harmlose Bakterien und Immunstoffe in den Körper des Kindes, die das Immunsystem „trainieren“ und es toleranter gegenüber Umwelteinflüssen machen.

Der entscheidende Faktor: Die Mundgesundheit der Eltern

Ob das Ablecken eher schadet oder nützt, hängt massiv vom Zustand der Zähne der Eltern ab:

  • Schlecht: Wenn die Eltern selbst aktive Karies, Zahnfleischentzündungen oder viele unbehandelte Löcher haben, ist die Bakterienlast im Speichel sehr hoch. In diesem Fall ist das Ablecken des Schnullers definitiv ein Risiko für das Kind.
  • Unbedenklich: Wenn die Eltern eine sehr gute Mundhygiene und ein gesundes Gebiss haben, ist die Menge an schädlichen Bakterien gering. Hier überwiegen laut einiger Experten sogar die Vorteile für das Immunsystem.

Empfehlungen für den Alltag:

  1. Im ersten Lebensjahr vorsichtig sein: In den ersten Monaten ist das Immunsystem noch sehr instabil. Hier ist es besser, den Schnuller unter fließendem Wasser zu reinigen oder einen Ersatzschnuller dabei zu haben.
  2. Eigene Mundhygiene pflegen: Als Elternteil ist die beste Kariesvorsorge für das Kind die eigene Zahngesundheit. Wer keine Karies hat, kann auch kaum Kariesbakterien übertragen.
  3. Kein Zucker: Das größte Kariesrisiko besteht nicht allein durch die Bakterien, sondern durch die Kombination mit Zucker (z.B. Honig auf dem Schnuller oder gesüßte Tees in der Nuckelflasche).

Fazit: Ja, das Ablecken fördert die Übertragung von Kariesbakterien. Ob dies jedoch tatsächlich zu Karies führt, hängt von der Mundhygiene der Eltern und der späteren Ernährung des Kindes ab. Wenn Sie gesunde Zähne haben, ist ein gelegentliches Ablecken nach heutigem Wissensstand kein Grund zur Panik.

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