Warum begünstigen Trinkhalme die Entstehung von Karies, wenn sie Zucker direkt an die Zähne leiten?
Das klingt zunächst paradox, da viele Menschen glauben, ein Trinkhalm würde die Zähne schützen. Tatsächlich kann ein Trinkhalm die Entstehung von Karies aber sogar begünstigen, wenn er falsch platziert wird.
Hier sind die Gründe, warum Trinkhalme schädlich sein können, wenn sie den Zucker direkt an die Zähne leiten:
1. Punktuelle Belastung (Der „Strahl-Effekt“)
Wenn man den Trinkhalm so hält, dass die Öffnung direkt auf bestimmte Zähne gerichtet ist (oft die Schneidezähne oder die Backenzähne), wird diese Stelle bei jedem Schluck mit einer konzentrierten Ladung Zucker und Säure „beschossen“.
- Die Folge: Anstatt dass sich das Getränk im ganzen Mund verteilt und verdünnt wird, erfährt ein kleiner Bereich eine extrem hohe Belastung, was dort den Zahnschmelz schneller abbaut.
2. Das „Dauernuckeln“
Trinkhalme verleiten dazu, über einen langen Zeitraum immer wieder kleine Schlucke zu nehmen.
- Das Problem: Jedes Mal, wenn Zucker oder Säure an die Zähne gelangt, sinkt der pH-Wert im Mund in den sauren Bereich. Der Zahnschmelz wird demineralisiert. Der Speichel benötigt etwa 20 bis 30 Minuten, um diese Säure zu neutralisieren und den Zahn zu remineralisieren. Wenn man alle paar Minuten am Halm zieht, bleibt das Milieu im Mund dauerhaft sauer, und der Zahn hat keine Chance, sich zu erholen.
3. Umgehung der Speichelreinigung
Speichel ist der natürliche Schutzschild unserer Zähne. Er umspült die Zähne, verdünnt Zucker und neutralisiert Säuren.
- Der Effekt: Wenn Flüssigkeit durch einen Strohhalm direkt gegen eine bestimmte Zahnpartie oder in eine Nische geleitet wird, gelangt dort oft weniger Speichel hin, um die konzentrierte Säure sofort wieder abzupuffern. Die Flüssigkeit kann sich zudem in Zahnzwischenräumen „verfangen“, wo sie länger einwirkt.
4. Ansaugen an die Zähne
Beim Trinken mit dem Halm entsteht oft ein Unterdruck. Dies kann dazu führen, dass die zuckerhaltige Flüssigkeit regelrecht in die Zahnzwischenräume gesaugt wird, wo sie besonders schwer durch Zähneputzen oder den natürlichen Speichelfluss zu entfernen ist.
Wie nutzt man einen Trinkhalm richtig, um die Zähne zu schützen?
Ein Trinkhalm kann die Zähne tatsächlich schützen, aber nur unter einer Bedingung:
- Platzierung weit hinten: Das Ende des Trinkhalms sollte sich hinter den Zähnen, fast schon im Rachenraum befinden. So wird die Flüssigkeit direkt geschluckt, ohne die Zähne zu berühren.
- Nicht spülen: Man sollte das Getränk nicht im Mund behalten oder mit der Zunge um die Zähne herum „spülen“.
- Zügig trinken: Anstatt über eine Stunde verteilt immer wieder zu nippen, sollte man das zuckerhaltige Getränk lieber in einem kürzeren Zeitraum austrinken.
Fazit: Wenn der Halm vorne an den Zähnen platziert wird, wirkt er wie eine „Zucker-Kanone“. Nur wenn er die Zähne komplett umgeht, erfüllt er einen schützenden Zweck.