Wie fest darf eine Mullbinde gewickelt werden, um die Durchblutung nicht zu gefährden?
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Eine Mullbinde sollte so fest gewickelt werden, dass sie sicher sitzt und nicht verrutscht, aber keinen nennenswerten Druck auf das Gewebe ausübt.
Hier ist die wichtigste Faustregel und worauf du achten musst:
1. Die Zwei-Finger-Regel
Als praktischer Test gilt: Du solltest nach dem Wickeln noch bequem zwei Finger (oder zumindest einen Zeigefinger) unter den Rand der Binde schieben können, ohne dass es extrem spannt. Wenn das nicht geht, ist der Verband zu fest.
2. Warnsignale (Sofort lockern!)
Wenn eines der folgenden Symptome auftritt, ist die Durchblutung gefährdet oder Nerven werden abgeklemmt:
- Blaufärbung oder Blässe: Die Haut unterhalb des Verbands (z. B. Fingerspitzen oder Zehen) verfärbt sich bläulich oder wird auffallend blass.
- Kälte: Die Extremität fühlt sich deutlich kälter an als die andere Seite.
- Kribbeln oder Taubheitsgefühl: Das bekannte „Einschlafen“ der Gliedmaßen („Ameisenlaufen“).
- Pochender Schmerz: Wenn der Patient ein Pochen unter dem Verband spürt.
- Schwellung: Wenn der Bereich unterhalb des Verbands stark anschwillt.
3. Wichtige Tipps für das Wickeln
- Von außen nach innen (Distal nach Proximal): Wickle immer von der Stelle, die am weitesten vom Herz entfernt ist, in Richtung Körpermitte (z. B. vom Handgelenk Richtung Ellbogen). Das unterstützt den Blutrückfluss zum Herzen und verhindert Blutstauungen.
- Gleichmäßiger Zug: Achte darauf, die Binde mit gleichbleibendem, leichtem Zug abzurollen. Vermeide es, die Binde beim Wickeln stark zu dehnen (Mullbinden sind im Gegensatz zu elastischen Idealbinden kaum dehnbar, aber bei Faltenbildung können sie einschneiden).
- Keine Falten: Falten im Verband können Druckstellen verursachen, die die Haut schädigen oder die Durchblutung lokal stören.
- Besonderheit Schwellung: Bedenke, dass eine frische Verletzung oft noch anschwillt. Ein Verband, der direkt nach dem Sturz genau richtig saß, kann eine Stunde später viel zu eng sein. Prüfe den Sitz regelmäßig nach.
Unterschied: Mullbinde vs. Kompressionsverband
- Eine Mullbinde dient fast nur der Fixierung von Wundauflagen. Sie soll keinen Druck ausüben.
- Ein Kompressionsverband (mit elastischen Binden) wird absichtlich fest gewickelt, um Schwellungen zu reduzieren. Dies sollte jedoch nur von geschultem Personal oder nach genauer Einweisung durchgeführt werden, da hier das Risiko für Durchblutungsstörungen viel höher ist.
Fazit: Im Zweifelsfall lieber etwas lockerer wickeln und mit Heftpflaster oder einem Netzverband zusätzlich sichern, als die Blutzufuhr abzuschnüren.