Wie erkennt man, ob die Maßeinteilung auf einem alten Zollstock noch der aktuellen Norm entspricht?
Um festzustellen, ob ein alter Zollstock (fachsprachlich: Gliedmaßstab) noch der aktuellen Norm entspricht und präzise misst, gibt es mehrere Prüfschritte.
Hier ist eine Checkliste, wie Sie das überprüfen können:
1. Der direkte Vergleich (Die einfachste Methode)
Nehmen Sie einen modernen, hochwertigen Gliedmaßstab oder ein zertifiziertes Rollmaßband (am besten mit der Kennzeichnung EG-Genauigkeitsklasse II).
- Legen Sie beide Maßstäbe nebeneinander auf eine flache Ebene.
- Prüfen Sie, ob die Striche bei 10 cm, 50 cm, 100 cm und 200 cm exakt übereinanderliegen.
- Wichtig: Achten Sie darauf, dass beide Maßstäbe am "Nullpunkt" (der Kante) exakt bündig anliegen.
2. Prüfung der Maßeinheit (Metrisch vs. Zoll)
Früher gab es regional unterschiedliche „Zoll“-Maße (z. B. das bayerische, preußische oder englische Zoll).
- Metrisch: Ein aktueller Standard-Zollstock ist metrisch (Millimeter und Zentimeter).
- Alte Maße: Wenn auf dem Maßstab nur "Zoll" (Inches) stehen oder wenn die Abstände zwischen den Zentimeter-Markierungen im Vergleich zu einem modernen Lineal seltsam wirken, entspricht er nicht dem metrischen Standard (Dezimalsystem), der in Deutschland seit 1872 Gesetz ist.
3. Kontrolle der Gelenke (Verschleißprüfung)
Selbst wenn die Skala theoretisch stimmt, ist ein alter Zollstock oft ungenau, weil die Gelenke ausgeleiert sind.
- Der Zug-Druck-Test: Ziehen Sie den Zollstock komplett auseinander. Versuchen Sie, ihn an den Enden leicht zusammenzudrücken und wieder auseinanderzuziehen. Wenn er "Spiel" hat (sich also die Gesamtlänge durch Wackeln um Millimeter verändert), ist er für präzises Arbeiten nach aktueller Norm unbrauchbar.
- Die aktuelle Norm verlangt, dass die Gelenke den Stab steif und präzise in Position halten.
4. Kennzeichnungen auf dem Maßstab suchen
Moderne, normgerechte Messwerkzeuge haben am Anfang des ersten Gliedes bestimmte Aufdrucke. Fehlen diese, ist der Zollstock entweder sehr alt oder ein billiges Werbegeschenk ohne Präzisionsgarantie:
- Genauigkeitsklasse: Suchen Sie nach einer römischen Zahl in einem Oval (meist II, seltener I oder III). Klasse II ist der Standard für das Handwerk.
- CE-Kennzeichnung: Ein modernes Prüfsiegel für EU-Konformität.
- Herstellerangabe: Ein bekannter Markenname (z. B. Stabila, BMI, Metrie) bürgt meist für die Einhaltung der DIN-Normen (DIN EN 1707).
- Längenangabe: Angabe der Gesamtlänge (z. B. 2m).
5. Materialveränderung
Alte Zollstöcke aus Holz können über Jahrzehnte feucht geworden und aufgequollen oder extrem ausgetrocknet und geschrumpft sein.
- Holz arbeitet. Ein Millimeter Abweichung auf zwei Meter ist bei altem Holz fast normal, entspricht aber nicht mehr der Genauigkeitsklasse II (die bei 2 Metern eine Abweichung von maximal +/- 0,7 mm erlaubt).
Zusammenfassung: Wann sollten Sie ihn aussortieren?
- Wenn er beim Vergleich mit einem neuen Maßstab auf 2 Meter Länge mehr als 1 mm Abweichung zeigt.
- Wenn die Gelenke wackeln (Gelenkspiel).
- Wenn die Skala abgerieben und schlecht lesbar ist.
Tipp für die Praxis: Wenn Sie Möbel bauen oder Fliesen legen, kaufen Sie einen neuen Gliedmaßstab der Klasse II (kostet ca. 5–10 Euro). Den alten Zollstock können Sie für grobe Messungen im Garten oder als nostalgisches Sammlerstück behalten. Wenn Sie im Team arbeiten, sollten idealerweise alle den gleichen Maßstab-Typ verwenden, um Differenzen zu vermeiden.