Welche statischen Probleme treten auf, wenn eine Unterlegscheibe auf einer unebenen oder schrägen Oberfläche aufliegt?
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Wenn eine Unterlegscheibe auf einer unebenen oder schrägen Oberfläche aufliegt, entstehen gravierende statische und mechanische Probleme, die die Sicherheit und Langlebigkeit einer Schraubverbindung gefährden.
Hier sind die wichtigsten Probleme im Detail:
1. Ungleichmäßige Lastverteilung (Spannungsspitzen)
Eine Unterlegscheibe hat die Aufgabe, die Vorspannkraft der Schraube gleichmäßig auf das Bauteil zu verteilen.
- Problem: Bei Unebenheiten liegt die Scheibe nur punkt- oder linienförmig auf.
- Folge: Es entstehen extreme lokale Pressungen (Spannungsspitzen). Dies kann dazu führen, dass das Material des Bauteils oder die Scheibe selbst plastisch verformt wird (die sogenannte Grenzflächenpressung wird überschritten).
2. Zusätzliche Biegemomente in der Schraube
Dies ist eines der gefährlichsten Probleme, besonders bei schrägen Oberflächen.
- Problem: Wenn der Schraubenkopf oder die Mutter durch die schräg liegende Scheibe einseitig belastet wird, wirkt die Kraft nicht mehr rein axial (in Richtung des Schafts).
- Folge: Es entsteht ein Biegemoment im Schraubenschaft. Schrauben sind für Zugbelastung optimiert, aber sehr empfindlich gegenüber Biegung. Dies kann zu einem Ermüdungsbruch führen, oft direkt am ersten tragenden Gewindegang oder am Kopfdrall.
3. Verlust der Vorspannkraft (Setzerscheinungen)
- Problem: Da die Scheibe nur auf den "Spitzen" der Unebenheiten aufliegt, werden diese unter der hohen Last der Schraube mit der Zeit flachgedrückt.
- Folge: Dies nennt man Setzen. Da sich die beteiligten Bauteile plastisch verformen und näher zusammenrücken, verkürzt sich der Klemmweg minimal. Da dieser Weg bei einer Schraube oft nur im Mikrometerbereich liegt, führt bereits geringes Setzen zu einem massiven Verlust der Vorspannkraft. Die Verbindung lockert sich.
4. Erhöhtes Risiko für Selbsttätiges Losdrehen
- Problem: Eine stabile Schraubverbindung hält durch Reibung unter dem Kopf und im Gewinde.
- Folge: Durch die unebene Auflage ist die Reibfläche minimiert oder instabil. Bei Vibrationen oder wechselnden Lasten kann die Querkraft die verbliebene Reibungskraft leichter überwinden, und die Schraube dreht sich von selbst los.
5. Querkräfte durch Schräglage
- Problem: Auf einer schrägen Fläche wird die axiale Klemmkraft in zwei Komponenten zerlegt: eine Kraft senkrecht zur Fläche und eine Kraft parallel zur Fläche (Hangabtriebskraft).
- Folge: Es wirkt eine ständige Querkraft auf die Scheibe und den Schraubenschaft, die die Verbindung zur Seite wegdrücken will. Dies belastet das Lochspiel und kann zu Abscherungen führen.
6. Verformung der Unterlegscheibe (Schüsselbildung)
- Problem: Wenn die Scheibe über einem Hohlraum oder einer Vertiefung liegt und nur am Rand abgestützt wird, wird sie durch die Schraubenkraft in die Vertiefung hineingedrückt.
- Folge: Die Scheibe verbiegt sich trichterförmig ("Schüsselbildung"). Dadurch verändert sich die Geometrie der Krafteinleitung völlig, und der Schraubenkopf liegt nicht mehr plan auf, was wiederum die oben genannten Biegemomente verstärkt.
Zusammenfassung der Risiken:
- Bruch der Schraube durch zusätzliche Biegespannung.
- Lösen der Verbindung durch Setzen oder Vibration.
- Beschädigung der Bauteiloberfläche durch zu hohe punktuelle Pressung.
Lösungen in der Praxis:
- Plansenken: Die Oberfläche wird mit einem Senker bearbeitet, um eine ebene, rechtwinklige Auflagefläche zu schaffen.
- Kugelscheiben und Kegelpfannen (DIN 6319): Diese zweiteiligen Scheiben können Winkelfehler (meist bis zu 3° oder 4°) ausgleichen und sorgen dafür, dass die Schraube trotz Schräglage des Bauteils nur auf Zug belastet wird.
- Keilscheiben: Bei standardisierten Schrägen (z. B. bei I-Trägern oder U-Stahl) werden spezielle Keilscheiben verwendet, um die Neigung auszugleichen.