Welche Schäden entstehen, wenn die Temperatur am Glätteisen zu hoch für den jeweiligen Haartyp eingestellt ist?

Melden

Wenn ein Glätteisen zu heiß eingestellt ist, entstehen sowohl sichtbare oberflächliche als auch tiefliegende strukturelle Schäden am Haar. Haar besteht hauptsächlich aus dem Protein Keratin, das extrem empfindlich auf Hitze reagiert.

Hier sind die spezifischen Schäden, die durch zu hohe Temperaturen entstehen:

1. Zerstörung der Schuppenschicht (Cuticula)

Die äußere Schicht des Haares besteht aus überlappenden Zellen, die wie Dachziegel flach anliegen sollten.

  • Der Schaden: Zu viel Hitze lässt diese Schuppen abstehen oder bricht sie regelrecht auf.
  • Die Folge: Das Licht wird nicht mehr reflektiert (Glanzverlust), das Haar wirkt stumpf, rau und lässt sich schwerer kämmen (Verknotungsgefahr).

2. Dehydrierung (Feuchtigkeitsverlust)

Im Inneren des Haares befindet sich ein natürlicher Wasseranteil.

  • Der Schaden: Bei Temperaturen über 180 °C verdampft das im Haar gebundene Wasser schlagartig.
  • Das "Bubble Hair"-Phänomen: Wenn das Haar beim Glätten noch leicht feucht ist, entstehen durch die Hitze winzige Dampfblasen im Haarschaft. Diese dehnen das Haar von innen aus und lassen es schließlich platzen. Das Haar wird an diesen Stellen extrem brüchig.

3. Denaturierung des Keratins

Keratin gibt dem Haar seine Form und Elastizität.

  • Der Schaden: Ab ca. 140–150 °C (bei geschädigtem Haar) bzw. 185 °C (bei gesundem Haar) beginnen die Proteinverbindungen zu schmelzen. Dieser Vorgang ist irreversibel – das Haar kann sich nicht selbst heilen.
  • Die Folge: Das Haar verliert seine Spannkraft (Elastizität) und "leiert aus". Locken hängen sich schneller aus, und das Haar wirkt schlaff.

4. Spliss und Haarbruch

Durch die Kombination aus Trockenheit und zerstörter Proteinstruktur verliert das Haar seine mechanische Widerstandsfähigkeit.

  • Der Schaden: Die Haarspitzen spalten sich (Spliss), und das Haar bricht bereits bei geringer Belastung (z. B. beim Bürsten) ab. Oft entstehen "weiße Pünktchen" an den Enden, die Vorstufen von Haarbruch sind.

5. Oxidation der Farbpigmente

Hitze wirkt wie ein Beschleuniger für chemische Prozesse.

  • Der Schaden: Sowohl natürliche Melanine als auch künstliche Farbpigmente werden durch zu hohe Hitze oxidiert.
  • Die Folge: Die Haarfarbe verblasst schneller, blondiertes Haar bekommt oft einen unschönen Gelb- oder Orangestich, und dunkles Haar wirkt "verbrannt" oder matt.

Welcher Schaden trifft welchen Haartyp?

Je nach Haartyp sind die Auswirkungen unterschiedlich schnell spürbar:

  • Feines / Blondiertes Haar: Es ist besonders gefährdet. Da die Schutzeroberfläche dünner ist, erreicht die Hitze den Kern sofort. Hier können Temperaturen über 150 °C bereits zu sofortigem Haarbruch führen.
  • Normales Haar: Verträgt meist bis zu 180 °C, wird aber bei täglicher Anwendung ohne Hitzeschutz strohig und trocken.
  • Dickes / Widerspenstiges Haar: Benötigt oft mehr Hitze (bis 200 °C), um verformt zu werden. Doch auch hier gilt: Die Hitze entzieht dem Haar die Lipide (Fette), wodurch es mit der Zeit drahtig und unzähmbar wird.

Tipps zur Schadensbegrenzung:

  1. Hitzeschutz verwenden: Er bildet einen Film, der die Hitze gleichmäßiger verteilt und das Haar versiegelt.
  2. Nur im trockenen Zustand glätten: Niemals dampfendes Haar glätten (Gefahr von "Bubble Hair").
  3. Die "Einmal-Regel": Das Glätteisen sollte idealerweise nur einmal langsam über die Strähne gleiten, anstatt mehrmals schnell über dieselbe Stelle.
  4. Temperaturkontrolle: Ein Glätteisen sollte immer eine verstellbare Temperaturanzeige haben. Die meisten Experten empfehlen, die 185 °C-Grenze nicht zu überschreiten.
0