Welche Schäden entstehen an den Radbolzen durch ein minderwertiges oder unpassendes Radkreuz?
Ein minderwertiges oder unpassendes Radkreuz kann an den Radbolzen (und den Radmuttern) erhebliche Schäden verursachen. Da Radbolzen sicherheitskritische Bauteile sind, können diese Beschädigungen im schlimmsten Fall zum Verlust des Rades führen.
Hier sind die spezifischen Schäden im Detail:
1. Verrunden der Sechskant-Kanten („Runddrehen“)
Dies ist der häufigste Schaden. Er entsteht durch:
- Mangelnde Passgenauigkeit: Wenn das Radkreuz zu viel Spiel hat (z. B. ein 19-mm-Radkreuz auf einer 17-mm-Schraube oder einfach schlechte Fertigungstoleranzen), greifen die Flanken nicht flächig, sondern nur an den Spitzen der Ecken.
- Materialweichheit: Ein minderwertiges Radkreuz kann sich unter Last aufweiten. Dadurch rutscht es über die Ecken des Bolzenkopfes und schleift diese rund.
- Folge: Ein normaler Schlüssel findet keinen Halt mehr. Der Bolzen muss oft mühsam aufgebohrt oder mit Spezialwerkzeug (Linksausdreher) entfernt werden.
2. Beschädigung der Oberflächenbeschädigung (Korrosionsschutz)
Hochwertige Radbolzen sind verzinkt, verchromt oder phosphatiert, um Rost zu verhindern.
- Abplatzungen: Ein schlecht sitzendes Werkzeug kratzt die Schutzschicht ab.
- Folge: Der Bolzen beginnt an den beschädigten Stellen sofort zu rosten. Dies sieht nicht nur unschön aus (besonders bei Alufelgen), sondern kann dazu führen, dass der Bolzen mit der Zeit festfrisst oder das Material geschwächt wird.
3. Abscheren oder Verbiegen des Bolzenkopfs
Minderwertige Radkreuze sind oft nicht exakt symmetrisch oder stabil.
- Hebelwirkung/Verkanten: Wenn man ungleichmäßig drückt oder das Radkreuz instabil ist, wird die Kraft nicht rein als Drehmoment, sondern auch als seitliche Biegekraft auf den Bolzen übertragen.
- Folge: Bei extrem festsitzenden Bolzen kann der Kopf abbrechen oder der Bolzenhals mikroskopische Risse bekommen, was später zum Bruch während der Fahrt führen kann.
4. Beschädigung des Gewindes (durch Verkanten)
Wenn das Radkreuz instabil ist und man beim Ansetzen abrutscht oder den Bolzen schräg „anbeißt“:
- Folge: Das Feingewinde des Bolzens oder (noch schlimmer) das Gewinde in der Radnabe kann beschädigt werden. Ein beschädigtes Gewinde führt dazu, dass das korrekte Drehmoment nicht erreicht wird, obwohl der Schlüssel „fest“ anzeigt.
5. Schäden durch falsche Größe (Zoll vs. Metrisch)
Manchmal werden billige Radkreuze verwendet, die eigentlich für amerikanische Fahrzeuge (Zoll-Maße) gedacht sind, aber „fast“ auf metrische Bolzen passen (z.B. 3/4 Zoll statt 19 mm).
- Folge: Das minimale Spiel reicht aus, um bei hohem Kraftaufwand die Kanten des Bolzens sofort zu zerstören.
Indirekte Schäden (Folgeschäden)
Neben dem Bolzen selbst leidet oft auch die Umgebung:
- Beschädigung der Felge: Rutscht das minderwertige Radkreuz unter Kraftaufwand vom Bolzen ab, knallt es meist mit voller Wucht gegen die Felge. Tiefe Kratzer oder Dellen in der Alufelge sind die Folge.
- Verletzungsgefahr: Wenn das Radkreuz bricht oder abrutscht, besteht hohe Verletzungsgefahr für den Anwender (Abrutschen gegen den Kotflügel oder auf den Boden).
Fazit & Empfehlung
Ein minderwertiges Radkreuz ist sparen am falschen Ende.
- Woran erkennt man ein schlechtes Radkreuz? Es wirkt leicht, die Schweißnaht in der Mitte ist unsauber, und die Steckschlüssel-Einsätze haben innen keine präzisen Flanken, sondern wirken „verwaschen“.
- Die bessere Alternative: Ein hochwertiger Drehmomentschlüssel mit einer passenden, kunststoffummantelten Schlagnuss (Schon-Nuss). Das schont die Bolzen, die Felgen und garantiert die nötige Sicherheit durch das korrekte Anzugsmoment.