Welche Probleme verursacht die Acrylamid-Bildung beim Backen von Lebkuchen?
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Die Bildung von Acrylamid beim Backen von Lebkuchen stellt vor allem ein gesundheitliches Problem dar, hat aber auch Auswirkungen auf die Lebensmittelproduktion und die Backtradition.
Hier sind die zentralen Probleme und Ursachen im Detail:
1. Gesundheitliche Risiken
Das Hauptproblem ist die potenzielle Schädlichkeit der Substanz:
- Krebserregend und erbgutverändernd: Acrylamid wird im Körper in Glycidamid umgewandelt. Studien deuten darauf hin, dass dieses das Erbgut (DNA) schädigen und die Entstehung von Krebs fördern kann.
- Risikobewertung: Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) stuft Acrylamid als "potenziell krebserregend für Verbraucher aller Altersgruppen" ein. Da Lebkuchen oft von Kindern konsumiert werden, ist die Vorsorge hier besonders wichtig.
2. Spezifische Probleme bei der Lebkuchen-Rezeptur
Lebkuchen sind für die Acrylamid-Bildung besonders anfällig, was Bäcker vor technische Herausforderungen stellt:
- Hirschhornsalz (Ammoniumhydrogencarbonat): Dies ist das traditionelle Backtriebmittel für Lebkuchen. Es ist jedoch der größte „Beschleuniger“ der Acrylamid-Bildung, da es die chemische Reaktion massiv fördert.
- Hoher Zuckeranteil (Honig/Sirup): Lebkuchen enthalten viele reduzierende Zucker (Fruktose und Glukose aus Honig). Diese reagieren bei Temperaturen über 120 °C mit der Aminosäure Asparagin (die natürlich im Mehl vorkommt) zu Acrylamid (die sogenannte Maillard-Reaktion).
- Verwendung von Roggenmehl: Viele Lebkuchenrezepte nutzen Roggenmehl, das im Vergleich zu Weizenmehl einen höheren Gehalt an freiem Asparagin aufweist.
3. Rechtliche und wirtschaftliche Probleme
- EU-Richtwerte: Es gibt EU-weite Richtwerte (Benchmark Levels) für den Acrylamidgehalt in Lebensmitteln. Wenn Hersteller diese Werte dauerhaft überschreiten, müssen sie ihre Rezepturen oder Herstellungsprozesse ändern.
- Überwachung: Lebensmittelbehörden ziehen regelmäßig Proben. Zu hohe Werte können zu öffentlichen Warnungen oder Rückrufen führen, was für Hersteller einen Imageverlust und finanzielle Einbußen bedeutet.
4. Das Dilemma bei der Brotherstellung (Tradition vs. Sicherheit)
- Geschmacksverlust: Wenn man die Backtemperatur senkt oder das Rezept stark verändert (z. B. Verzicht auf Hirschhornsalz), können sich das typische Aroma und die Textur des Lebkuchens verändern.
- Backtriebmittel-Ersatz: Der Ersatz von Hirschhornsalz durch Pottasche (Kaliumcarbonat) oder Natron reduziert die Acrylamid-Bildung deutlich, führt aber zu einem etwas anderen Gebäckcharakter (Pottasche lässt den Teig eher in die Breite als in die Höhe gehen).
Zusammenfassung: Wie lässt sich das Problem mindern?
Um die Acrylamid-Bildung bei Lebkuchen zu reduzieren, werden heute folgende Maßnahmen empfohlen:
- Hirschhornsalz ersetzen: Ganz oder teilweise durch Natron oder Pottasche ersetzen.
- Temperatur senken: Unter 180 °C (bei Umluft 160 °C) backen.
- Feuchtigkeit: Den Lebkuchen nicht zu stark bräunen oder austrocknen lassen („Vergolden statt Verkohlen“).
- Zutatenwahl: Verwendung von Mehlen mit geringerem Asparagingehalt oder Zugabe von Mandeln/Nüssen (die weniger Asparagin als Getreide enthalten).
Zusammenfassend ist das Hauptproblem der Konflikt zwischen traditioneller Backweise (mit Hirschhornsalz und hohen Temperaturen) und den Anforderungen des modernen Gesundheitsschutzes.