Welche negativen Auswirkungen hat die Bleiche im Vollwaschmittel auf die Umwelt?
Die Bleichmittel in herkömmlichen Vollwaschmitteln (meist auf Sauerstoffbasis wie Natriumpercarbonat) sind im Vergleich zu früher verwendeten Chlorbleichen deutlich umweltfreundlicher, aber dennoch nicht völlig unproblematisch.
Hier sind die negativen Auswirkungen und ökologischen Aspekte im Detail:
1. Belastung durch Bleichaktivatoren (TAED)
Sauerstoffbleiche allein wirkt erst bei hohen Temperaturen (über 60 °C) effektiv. Damit sie auch bei 30 °C oder 40 °C funktioniert, werden Bleichaktivatoren wie TAED (Tetraacetylethylendiamin) zugesetzt.
- Problem: Obwohl TAED als biologisch abbaubar gilt, erhöht es die chemische Fracht im Abwasser. Die Abbauprodukte müssen in Kläranlagen mühsam verarbeitet werden. Zudem ist die industrielle Herstellung dieser Aktivatoren energieintensiv.
2. Optische Aufheller (Oft im Paket mit Bleiche)
In Vollwaschmitteln sind fast immer optische Aufheller enthalten. Diese bleichen nicht wirklich, sondern legen sich wie ein Film auf die Fasern und wandeln UV-Licht in blaues Licht um, damit die Wäsche weißer erscheint.
- Problem: Optische Aufheller sind schwer biologisch abbaubar. Sie reichern sich in Gewässern und im Klärschlamm an. Da sie darauf ausgelegt sind, stabil auf Fasern zu haften, sind sie auch in der Umwelt sehr langlebig (persistent). Zudem stehen sie im Verdacht, für Wasserorganismen giftig zu sein und allergische Reaktionen auszulösen.
3. Faserschädigung und Mikroplastik
Bleichmittel greifen die Struktur der Textilfasern chemisch an, um Farbstoffe und Flecken zu oxidieren.
- Problem: Die Fasern werden mit der Zeit spröde und brechen leichter. Das führt dazu, dass Kleidung schneller ersetzt werden muss (Ressourcenverbrauch). Bei Synthetikfasern oder Mischgeweben führt die Schwächung der Fasern dazu, dass beim Waschen mehr Mikroplastik freigesetzt wird, das über das Abwasser in die Meere gelangt.
4. Salze und Gewässerbelastung
Als Trägerstoffe für Bleichmittel werden oft Salze (wie Natriumsulfat) verwendet.
- Problem: Diese Salze erhöhen den Salzgehalt in Fließgewässern. In hohen Konzentrationen kann dies das ökologische Gleichgewicht von Süßwasserökosystemen stören und die Trinkwasseraufbereitung erschweren.
5. Toxizität für Mikroorganismen (bei Überdosierung)
Sauerstoffbleiche setzt Wasserstoffperoxid frei, das stark oxidierend wirkt.
- Problem: In der Kläranlage oder bei direkter Einleitung in Gewässer kann eine hohe Konzentration an Bleichmitteln die nützlichen Bakterien abtöten, die für die biologische Reinigung des Wassers zuständig sind.
6. Borate (Veraltet, aber relevant)
Früher basierte die Bleiche oft auf Natriumperborat.
- Problem: Borate sind pflanzengiftig und können in Kläranlagen nicht abgebaut werden. In der EU sind sie aufgrund ihrer fruchtbarkeitsschädigenden Wirkung in Waschmitteln weitgehend verboten oder streng limitiert, in anderen Teilen der Welt werden sie jedoch noch eingesetzt.
Fazit und Tipps für die Umwelt:
Vollwaschmittel in Pulverform ist für weiße Wäsche und hygienisch kritische Textilien (Handtücher, Bettwäsche) sinnvoll, sollte aber gezielt eingesetzt werden.
- Colorwaschmittel für Farben: Verwenden Sie für Buntwäsche konsequent Colorwaschmittel. Dieses enthält keine Bleiche und keine optischen Aufheller – das schont die Umwelt und die Kleidung.
- Pulver statt Flüssig: Flüssigwaschmittel enthalten keine Bleiche (sie ist in flüssiger Form nicht stabil), dafür aber oft mehr Tenside und Konservierungsstoffe, die die Gewässer belasten.
- Dosierung: Weniger ist mehr. Moderne Waschmaschinen und Waschmittel sind so effizient, dass oft eine geringere Dosis als angegeben ausreicht.
- Baukastensystem: Am umweltfreundlichsten sind Baukastenwaschmittel, bei denen man Bleichmittel nur dann dosiert, wenn es wirklich nötig ist (z. B. bei hartnäckigen Flecken in weißer Wäsche).