Welche Auswirkungen hat herkömmlicher Rasendünger auf die Qualität des Grundwassers?
Herkömmlicher Rasendünger, der meist aus mineralischen Salzen besteht (sogenannter Kunstdünger), hat signifikante Auswirkungen auf die Qualität des Grundwassers, wenn er nicht fachgerecht angewendet wird. Das Hauptproblem ist dabei der Austrag von Nährstoffen, die von den Gräsern nicht aufgenommen werden können.
Hier sind die wichtigsten Auswirkungen im Detail:
1. Nitratbelastung (Das Hauptproblem)
Die meisten herkömmlichen Dünger enthalten hohe Mengen an Stickstoff, oft in Form von Ammonium oder Nitrat.
- Auswaschung: Nitrat ist im Boden sehr mobil und wird nicht von den Bodenpartikeln gebunden. Wenn mehr gedüngt wird, als der Rasen im Moment des Wachstums aufnehmen kann, wird das überschüssige Nitrat durch Regen oder Bewässerung in tiefere Bodenschichten und schließlich ins Grundwasser gespült.
- Gesundheitsrisiken: Ein zu hoher Nitratgehalt im Trinkwasser (das oft aus Grundwasser gewonnen wird) ist gesundheitsgefährdend. Im Körper kann Nitrat zu Nitrit umgewandelt werden, was besonders für Säuglinge gefährlich ist (Blausucht/Methämoglobinämie), da es den Sauerstofftransport im Blut blockiert. Zudem können daraus krebserregende Nitrosamine entstehen.
2. Eutrophierung von Gewässern
Obwohl dies primär Oberflächengewässer betrifft, gibt es einen direkten Zusammenhang mit dem Grundwasser:
- Grundwasser tritt an vielen Stellen als Quellwasser wieder an die Oberfläche oder speist Bäche und Seen.
- Gelangen durch das Grundwasser zu viele Nährstoffe (neben Stickstoff auch Phosphat) in diese Gewässer, kommt es zur Eutrophierung: Algen wachsen übermäßig schnell, sterben ab und entziehen dem Wasser beim Zersetzen Sauerstoff, was zum Fischsterben und zum Umkippen des Gewässers führen kann.
3. Versalzung des Bodens
Herkömmliche Dünger sind chemische Salze. Eine dauerhafte Überdüngung erhöht die Salzkonzentration im Bodenwasser.
- Dies schädigt nicht nur die Bodenlebewesen (wie Regenwürmer und Mikroorganismen), sondern kann bei starker Auswaschung auch die chemische Zusammensetzung des oberflächennahen Grundwassers verändern.
4. Belastung durch Begleitstoffe
Einige mineralische Phosphatdünger können Spuren von Schwermetallen wie Cadmium oder Uran enthalten, die herstellungsbedingt im Rohphosphat vorkommen. Diese Stoffe sind hochgradig wassergefährdend, bauen sich nicht ab und können sich langfristig im Grundwasser anreichern.
Faktoren, die die Belastung verstärken:
- Überdosierung: „Viel hilft viel“ ist bei Kunstdünger fatal.
- Zeitpunkt: Düngung kurz vor starkem Regen oder im Spätherbst (wenn der Rasen kaum noch wächst) führt fast zwangsläufig zur Auswaschung.
- Bodenbeschaffenheit: Sandige Böden lassen Wasser und Nährstoffe viel schneller passieren als lehmige Böden, weshalb das Grundwasser unter Sandböden besonders gefährdet ist.
Wie man die Belastung minimiert:
- Bodenanalyse: Nur das düngen, was wirklich fehlt.
- Organische Dünger nutzen: Diese geben Nährstoffe langsam und nur bei Wärme/Feuchtigkeit ab (wenn die Pflanzen auch wachsen). Sie werden kaum ausgewaschen.
- Langzeitdünger: Wenn mineralisch, dann ummantelte Granulate, die Nährstoffe über Monate freisetzen.
- Mulchmähen: Den Grasschnitt liegen lassen führt dem Boden auf natürlichem Weg Stickstoff zurück und reduziert den Düngerbedarf massiv.
- Richtig bewässern: Lieber seltener und durchdringend als jeden Tag ein bisschen, um die Wurzeln tief zu ziehen und oberflächliche Auswaschung zu vermeiden.
Fazit: Herkömmlicher Rasendünger ist eine der Hauptquellen für die Nitratbelastung des Grundwassers in Siedlungsgebieten. Ein verantwortungsbewusster Umgang oder der Umstieg auf ökologische Alternativen ist entscheidend für den Schutz unserer Trinkwasserressourcen.