Welche Auswirkungen haben Spülmittelrückstände auf die Umwelt und das Abwasser?
Spülmittelrückstände gelangen täglich in großen Mengen über das Abwasser in unsere Kläranlagen und schließlich in die Umwelt. Obwohl moderne Kläranlagen einen Großteil der Inhaltsstoffe herausfiltern oder abbauen, bleiben Belastungen für das Ökosystem bestehen.
Hier sind die wichtigsten Auswirkungen im Detail:
1. Tenside (Waschaktive Substanzen)
Tenside sind die Hauptbestandteile von Spülmitteln. Sie lösen Fett, indem sie die Oberflächenspannung des Wassers herabsetzen.
- Auswirkung auf Wassertiere: Für Wasserorganismen wie Fische oder Wasserflöhe sind Tenside problematisch. Sie können die Kiemen von Fischen schädigen und deren Atmung beeinträchtigen.
- Störung der Oberflächenspannung: Viele Insekten (z. B. Wasserläufer) nutzen die Oberflächenspannung, um sich auf dem Wasser zu bewegen. Rückstände von Spülmitteln können dazu führen, dass diese Tiere einsinken und ertrinken.
- Abbaubarkeit: In der EU müssen Tenside in Wasch- und Reinigungsmitteln laut Gesetz "vollständig biologisch abbaubar" sein. Das bezieht sich jedoch oft nur auf die Primärabbaubarkeit (Verlust der Tensideigenschaft). Die Abbauprodukte können dennoch eine gewisse Zeit in der Umwelt verbleiben.
2. Duft- und Konservierungsstoffe
Diese Stoffe dienen der Ästhetik und Haltbarkeit, sind aber oft ökologisch bedenklich.
- Toxizität: Viele Konservierungsmittel (wie Isothiazolinone) sind hochwirksame Biozide. Sie sollen Bakterien im Spülmittel abtöten, wirken aber im Abwasser genauso giftig auf nützliche Mikroorganismen in der Kläranlage und in Gewässern.
- Schlechte Abbaubarkeit: Synthetische Duftstoffe (z. B. künstlicher Moschus) sind oft schwer abbaubar und reichern sich im Fettgewebe von Organismen an (Bioakkumulation).
3. Belastung der Kläranlagen
- Schaumbildung: Zu viel Spülmittel im Abwasser führt zu starker Schaumbildung in den Belebungsbecken der Kläranlagen. Dies behindert den Sauerstoffeintrag, den die Bakterien für den Reinigungsprozess benötigen.
- Klärschlamm: Bestimmte Inhaltsstoffe binden sich an den Klärschlamm. Wird dieser später als Dünger auf Felder ausgebracht (was in einigen Regionen noch praktiziert wird), gelangen die Chemikalien in den Boden und ins Grundwasser.
4. Phosphate und Eutrophierung
Früher waren Phosphate ein Hauptproblem, da sie als Dünger wirken und zur Überdüngung (Eutrophierung) von Gewässern führten (Algenblüten, Sauerstoffmangel).
- Heutige Situation: In Handspülmitteln sind Phosphate heute kaum noch enthalten. In Geschirrspültabs für Maschinen wurden sie 2017 durch EU-weite Grenzwerte stark reduziert. Dennoch nutzen Ersatzstoffe (wie Phosphonate) ebenfalls Ressourcen und sind teils schwerer abbaubar.
5. Mikroplastik und flüssige Polymere
Einige konventionelle Spülmittel enthalten lösliche synthetische Polymere (flüssiges Plastik), um die Viskosität oder den Glanz zu regulieren.
- Umweltfolge: Diese Stoffe sind oft nicht biologisch abbaubar. Sie gelangen durch die Kläranlagen in die Flüsse und Meere, wo ihre Langzeitfolgen für das Ökosystem noch nicht vollständig erforscht sind.
Was kann man tun? (Tipps für die Umwelt)
- Dosierung: Die größte Belastung entsteht durch Überdosierung. Ein kleiner Spritzer genügt meistens.
- Öko-Label: Achten Sie auf Zertifikate wie den Blauen Engel oder das EU-Ecolabel. Diese Produkte verwenden Tenside auf pflanzlicher Basis und verzichten oft auf kritische Duft- und Konservierungsstoffe.
- Kein fließendes Wasser: Spülen im Becken verbraucht deutlich weniger Wasser und Spülmittel als das Abwaschen unter laufendem Strahl.
- Konzentrate nutzen: Diese sparen Verpackungsmüll und Transportemissionen, müssen aber besonders vorsichtig dosiert werden.
Fazit: Moderne Spülmittel sind zwar deutlich umweltfreundlicher als noch vor 30 Jahren, stellen aber durch die schiere Menge und die enthaltenen chemischen Hilfsstoffe (Duft, Farbe, Konservierung) nach wie vor eine Belastung für aquatische Ökosysteme dar.