Wie stark belasten die chemischen Rückstände von Hygienesprays die Umwelt und das Grundwasser?

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Die Belastung der Umwelt und des Grundwassers durch Hygienesprays (Desinfektionsmittel) ist ein ernstzunehmendes Thema, das vor allem seit der COVID-19-Pandemie an Relevanz gewonnen hat. Die Auswirkungen hängen stark von den enthaltenen Wirkstoffen ab.

Man muss hierbei zwischen verschiedenen Stoffgruppen unterscheiden:

1. Quartäre Ammoniumverbindungen (QAV) – Die problematischste Gruppe

Stoffe wie Benzalkoniumchlorid sind in vielen Desinfektionssprays und Reinigungsmitteln enthalten.

  • Umweltbelastung: QAV sind biologisch schwer abbaubar. Sie gelangen über das Abwasser in Kläranlagen. Dort können sie die Arbeit der Bakterien hemmen, die für die Wasserreinigung zuständig sind.
  • Gewässer: Ein Teil dieser Stoffe wird in den Klärschlamm aufgenommen, ein anderer Teil gelangt in Flüsse und Seen. Sie sind hochgiftig für Wasserorganismen (Fische, Algen, Kleinstlebewesen).
  • Grundwasser: Da sie sich stark an Bodenpartikel binden, erreichen sie das Grundwasser seltener als mobile Stoffe, können aber bei Überdosierung oder durch Ausbringung von Klärschlamm auf Felder langfristig in den Boden gelangen.

2. Alkohole (Ethanol, Isopropanol) – Die Flüchtigen

Die meisten handelsüblichen Sprays basieren auf Alkoholen.

  • Umweltbelastung: Alkohole verdunsten sehr schnell. In der Außenluft tragen sie zur Bildung von bodennahem Ozon (Sommersmog) bei (VOC – flüchtige organische Verbindungen).
  • Grundwasser: Wenn sie ins Abwasser gelangen, sind sie für Kläranlagen unproblematisch, da sie von Bakterien sehr schnell und vollständig abgebaut werden. Eine Gefahr für das Grundwasser besteht hier kaum.

3. Chlorabspalter (z. B. Natriumhypochlorit)

  • Umweltbelastung: Diese Stoffe sind sehr reaktiv. Wenn sie mit organischen Stoffen im Abwasser reagieren, können sogenannte AOX (adsorbierbare organisch gebundene Halogene) entstehen. Viele dieser Verbindungen sind langlebig, reichern sich in der Umwelt an und stehen im Verdacht, krebserregend zu sein.

4. Das Problem der Antibiotikaresistenzen

Dies ist eine indirekte, aber gravierende Umweltbelastung. Wenn Desinfektionsmittelrückstände in niedrigen Konzentrationen in die Umwelt gelangen, sterben Bakterien nicht sofort ab, sondern können Abwehrmechanismen entwickeln.

  • Co-Selektion: Bakterien, die gegen Desinfektionsmittel resistent werden, entwickeln oft gleichzeitig Resistenzen gegen medizinische Antibiotika. Diese "Superkeime" können über das Wasser und die Nahrungskette wieder zum Menschen zurückkehren.

5. Duft- und Hilfsstoffe

Hygienesprays enthalten oft synthetische Duftstoffe (z. B. Limonene, Linalool) und Treibgase (bei Aerosoldosen).

  • Duftstoffe sind oft schwer abbaubar und giftig für Wasserorganismen.
  • Treibgase belasten die Klimabilanz.

Zusammenfassung der Belastungspfade

  1. Abwasser: Durch das Abwischen von Flächen oder das Händewaschen gelangen die Rückstände in die Kanalisation.
  2. Luft: Sprays verteilen feine Aerosole, die eingeatmet werden oder sich weitflächig auf Böden und Pflanzen absetzen.
  3. Klärschlamm: Viele Wirkstoffe reichern sich im Klärschlamm an, der teilweise als Dünger auf Äcker ausgebracht wird, wodurch die Stoffe in den Boden und ins Ökosystem gelangen.

Einschätzung der Experten (z. B. Umweltbundesamt)

Die Belastung durch den privaten Gebrauch ist in normalen Zeiten moderat, hat aber durch den massiven Anstieg des Verbrauchs in den letzten Jahren zugenommen. Experten raten dazu, im privaten Haushalt auf Desinfektionssprays weitgehend zu verzichten.

Empfehlungen zur Schonung der Umwelt:

  • Seife und Allzweckreiniger: In 99 % der Fälle reichen normale Reinigungsmittel völlig aus, um Viren und Bakterien zu entfernen.
  • Gezielter Einsatz: Desinfektion nur bei ansteckenden Krankheiten im Haus oder auf ärztliche Anweisung.
  • Kein Spray: Wenn nötig, eher flüssige Mittel zum Wischen verwenden, um das Einatmen und die großflächige Verteilung in der Luft zu vermeiden.
  • Entsorgung: Reste von Desinfektionsmitteln gehören in den Sondermüll (Schadstoffmobil) und niemals in die Toilette oder den normalen Abfluss.