Welche Auswirkungen hat eine fehlende Erdung der Steckdose auf die Funktion eines Überspannungsschutzes?
Eine fehlende Erdung (Schutzleiter/PE) hat erhebliche negative Auswirkungen auf die Funktion eines Überspannungsschutzes. In der Regel wird die Schutzwirkung dadurch so stark eingeschränkt, dass man fast von einer Funktionslosigkeit sprechen kann.
Hier sind die Details dazu, was genau passiert:
1. Kein Ableitpfad für die Energie
Ein Überspannungsschutz (z. B. eine Steckdosenleiste mit Überspannungsschutz) arbeitet meist mit Bauelementen wie Variatoren (MOV) oder Gasableitern. Diese funktionieren wie ein „Sicherheitsventil“:
- Sobald die Spannung einen kritischen Wert überschreitet, werden sie leitend und leiten den überschüssigen Strom ab.
- Das Ziel dieses Stroms ist die Erde (PE).
- Wenn kein Schutzleiter angeschlossen ist, hat der Überspannungsschutz keinen „Abfluss“, über den er die gefährliche Energie entsorgen kann.
2. Fehlender Schutz bei "Gleichtaktstörungen" (Common Mode)
Man unterscheidet zwei Arten von Überspannungen:
- Gegentaktspannungen (L-N): Die Überspannung tritt zwischen dem Außenleiter (Phase) und dem Neutralleiter auf. Hier kann der Schutz theoretisch noch funktionieren, da er die Spannung zwischen diesen beiden Leitern begrenzt.
- Gleichtaktspannungen (L-PE / N-PE): Die Überspannung tritt zwischen den stromführenden Leitern und der Erde auf (häufig bei Blitzeinschlägen in der Nähe oder Fehlern im Stromnetz). Ohne Erdung ist hier absolut kein Schutz vorhanden. Da dies die gefährlichsten Überspannungen sind, bleibt das Gerät schutzlos.
3. Das Risiko für angeschlossene Geräte steigt
Wenn die Überspannung nicht zur Erde abgeleitet werden kann, sucht sich der Strom einen anderen Weg. Das kann dazu führen, dass:
- Die Überspannung innerhalb der Steckdosenleiste auf andere Leitungen „überspringt“.
- Die Spannung im Gerät selbst verbleibt und die empfindliche Elektronik zerstört.
4. Brandgefahr
Überspannungsschutz-Komponenten sind darauf ausgelegt, kurzzeitig enorme Energiemengen abzuleiten. Wenn diese Energie mangels Erdung nicht abfließen kann, können die Bauteile (Variatoren) innerhalb der Steckdosenleiste überhitzen. Zwar haben gute Geräte eine thermische Sicherung, aber das Risiko eines Brandes ist bei fehlender Erdung höher, als wenn das System korrekt funktioniert.
5. Sonderfall: "Klassische Nullung" (Altbau)
In vielen Altbauten gibt es keinen separaten Schutzleiter, sondern die Erdung ist in der Steckdose mit dem Neutralleiter gebrückt (PEN).
- Funktion: In diesem Fall funktioniert der Überspannungsschutz technisch gesehen, da die Energie über den PEN-Leiter abfließen kann.
- Gefahr: Dies ist jedoch aus sicherheitstechnischer Sicht riskant, da bei einem Bruch des PEN-Leiters das Gehäuse des angeschlossenen Geräts unter Spannung stehen kann. Zudem ist die Schutzwirkung oft schlechter als bei einer modernen Erdung.
6. Warnleuchten am Gerät
Viele hochwertige Überspannungsschutz-Steckdosenleisten haben eine Kontrollleuchte namens "Grounded" oder "Protected".
- Wenn die Erdung fehlt, leuchtet die "Grounded"-LED meist nicht.
- Dies ist ein direkter Hinweis darauf, dass das Gerät nicht wie vorgesehen arbeiten kann.
Fazit
Ein Überspannungsschutz ohne Erdung ist weitgehend wirkungslos. Er bietet lediglich einen minimalen Schutz zwischen Phase und Neutralleiter, kann aber die gefährlichen Spitzen gegen Erde nicht abfangen.
Empfehlung: Wenn Sie wertvolle Elektronik schützen wollen, lassen Sie von einem Elektriker prüfen, ob die Steckdosen ordnungsgemäß geerdet sind. In Wohnungen mit alter zweiadriger Verkabelung ist ein effektiver Überspannungsschutz nach modernem Standard nicht möglich.