Welche Auswirkungen hat ein Seitenschlag auf die Funktion der Bremsscheibe?
Ein Seitenschlag (auch Axialschlag oder „Taumelschlag“ genannt) bei einer Bremsscheibe bedeutet, dass die Scheibe beim Drehen leicht hin- und herpendelt, anstatt perfekt planparallel zur Radnabe zu laufen. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf die Funktion, den Komfort und die Sicherheit des Fahrzeugs.
Hier sind die wichtigsten Auswirkungen im Detail:
1. Bremsrubbeln (Vibrationen)
Dies ist die unmittelbar spürbare Folge. Der Seitenschlag führt dazu, dass die Bremsbeläge bei jeder Umdrehung der Scheibe rhythmisch gegen die Kolben im Bremssattel gedrückt werden.
- Pedalpulsieren: Der Fahrer spürt ein vibrierendes oder pulsierendes Gefühl im Bremspedal.
- Lenkradflattern: Bei höheren Geschwindigkeiten übertragen sich die Schwingungen über die Radaufhängung auf die Lenkung, was zu einem heftigen Flattern des Lenkrads führen kann.
2. Entstehung von DTV (Disc Thickness Variation)
Dies ist eine langfristige Folge, die das Problem oft verschlimmert. Ein Seitenschlag führt dazu, dass die Scheibe auch dann, wenn man nicht bremst, an bestimmten Stellen leicht die Bremsbeläge berührt.
- Dadurch wird die Scheibe ungleichmäßig abgenutzt.
- Nach einiger Zeit entstehen Stellen, an denen die Scheibe dünner ist als an anderen (Dickenfehler).
- Dieser Dickenunterschied verstärkt das Bremsrubbeln massiv, da der Bremsdruck bei jeder Umdrehung schwankt.
3. Verminderte Bremsleistung und Sicherheitsrisiken
- Ansprechverhalten: Durch den Seitenschlag können die Bremskolben weiter als normal in den Bremssattel zurückgedrückt werden. Beim nächsten Bremsvorgang ist dann ein längerer Pedalweg nötig, bis die Beläge anliegen.
- ABS-Störungen: Die feinen Vibrationen können die Sensoren des Antiblockiersystems (ABS) irritieren, was die Regelgüte bei einer Gefahrenbremsung verschlechtern kann.
- Längerer Bremsweg: Durch die ungleichmäßige Reibung und die Vibrationen wird die maximale Verzögerungskraft nicht konstant übertragen.
4. Erhöhter Verschleiß an Fahrwerk und Lagern
Die ständigen Vibrationen belasten nicht nur die Bremse selbst, sondern das gesamte Umfeld:
- Radlager: Diese werden durch die ungleichmäßige axiale Belastung vorzeitig verschlissen.
- Fahrwerkskomponenten: Spurstangenköpfe, Querlenkerbuchsen und Stoßdämpfer leiden unter der permanenten Schwingungsbelastung.
5. Geräuschentwicklung
Ein Seitenschlag verursacht oft periodische Schleifgeräusche oder ein Quietschen, da die Scheibe bei jeder Umdrehung kurzzeitig Kontakt mit den Bremsbelägen hat.
Wie entsteht ein Seitenschlag?
- Montagefehler: Schmutz oder Rost zwischen Radnabe und Bremsscheibe (häufigste Ursache).
- Überhitzung: Wenn eine heiße Bremsscheibe durch eine Pfütze schlagartig abgekühlt wird oder nach einer Passabfahrt mit glühenden Scheiben das Fahrzeug mit getretener Bremse abgestellt wird.
- Gewalteinwirkung: Ein Schlag (z. B. Bordsteinkante) oder eine verzogene Radnabe.
- Falsches Anzugsdrehmoment: Ungleichmäßig angezogene Radschrauben.
Fazit
Ein Seitenschlag sollte nicht ignoriert werden. Auch wenn die Bremswirkung anfangs noch ausreichend erscheint, führt er zu fortschreitenden Schäden an der Bremse und am Fahrwerk. In der Regel muss die Scheibe entweder abgedreht (wenn noch genug Restdicke vorhanden ist) oder ausgetauscht werden, wobei unbedingt die Radnabe peinlich genau gereinigt werden muss.