Welche Nährstoffverluste entstehen durch die starke Erhitzung bei der industriellen Herstellung von Beikost-Gläschen?
Bei der industriellen Herstellung von Beikost-Gläschen ist eine starke Erhitzung (meist eine Sterilisation im Autoklaven bei über 120 °C) notwendig, um Keime abzutöten und das Produkt ohne Konservierungsstoffe über Monate haltbar zu machen.
Diese Hitzebehandlung führt zu spezifischen Nährstoffverlusten, betrifft jedoch nicht alle Inhaltsstoffe gleichermaßen. Hier ist eine detaillierte Übersicht:
1. Besonders betroffene Nährstoffe (Hitzelabile Vitamine)
Vitamine, die empfindlich auf hohe Temperaturen und Sauerstoff reagieren, leiden am stärksten:
- Vitamin C (Ascorbinsäure): Es ist das empfindlichste Vitamin. Die Verluste können bei der Sterilisation erheblich sein. Deshalb setzen viele Hersteller Vitamin C (meist in Form von Acerolasaft oder Ascorbinsäure) nach dem Erhitzen oder in überdosierter Form zu, um den gesetzlich vorgeschriebenen Gehalt zu garantieren.
- Vitamin B1 (Thiamin): Es ist sehr hitzeempfindlich. Da Getreide-Beikost eine wichtige B1-Quelle ist, gibt es hier strenge gesetzliche Grenzwerte, weshalb es oft künstlich zugesetzt wird.
- Folsäure (Vitamin B9): Auch dieses Vitamin ist sehr instabil gegenüber Hitze und Licht.
- Vitamin B6 und B12: Hier entstehen moderate Verluste durch die hohen Temperaturen.
2. Weitgehend stabile Nährstoffe
Viele essentielle Bestandteile überstehen die industrielle Erhitzung fast unbeschadet:
- Mineralstoffe und Spurenelemente: Eisen, Kalzium, Magnesium, Zink und Jod sind hitzestabil. Da die Lebensmittel im Gläschen im eigenen Saft gegart werden, gehen diese Stoffe nicht verloren (anders als beim Kochen zu Hause, wenn man das Kochwasser weggießt).
- Fettlösliche Vitamine (A, D, E, K): Diese sind deutlich stabiler als wasserlösliche Vitamine. Vitamin A (Retinol) bzw. dessen Vorstufe Beta-Carotin ist recht hitzeresistent.
- Ballaststoffe: Die Struktur der Ballaststoffe bleibt erhalten, was wichtig für die Verdauung des Babys ist.
- Kohlenhydrate, Proteine und Fette: Der Energiewert bleibt gleich. Proteine denaturieren zwar (verändern ihre Struktur), was sie für das Baby oft sogar leichter verdaulich macht.
3. Der Vorteil der industriellen Erhitzung: Bioverfügbarkeit
Interessanterweise hat die starke Erhitzung nicht nur Nachteile:
- Aufschluss von Zellen: Durch die Hitze werden Pflanzenzellwände aufgebrochen. Dadurch kann der Körper bestimmte Nährstoffe, wie z. B. Lycopin (aus Tomaten) oder Beta-Carotin (aus Karotten), aus dem Gläschen oft besser aufnehmen als aus rohem oder nur kurz gedünstetem Gemüse.
- Sicherheit: Die Zerstörung von natürlichen Giftstoffen (z. B. Nitratabbau) und Allergenen kann durch die starke Erhitzung begünstigt werden.
4. Vergleich: Gläschen vs. Selbstgekocht
Oft wird angenommen, dass selbstgekochte Beikost deutlich vitaminreicher ist. Das stimmt jedoch nur unter bestimmten Bedingungen:
- Lagerung: Gemüse im Supermarkt hat oft schon lange Transportwege hinter sich und verliert dabei Vitamine. Industrieware wird oft direkt nach der Ernte verarbeitet.
- Kochmethode: Wer zu Hause Gemüse lange in viel Wasser kocht und das Wasser weggießt, verursacht höhere Nährstoffverluste (durch Auswaschen und Hitze) als das industrielle Verfahren. Dämpfen ist die schonendste Methode für zu Hause.
Fazit
Die größten Verluste entstehen bei Vitamin C, B1 und Folsäure. Die Industrie gleicht dies jedoch häufig durch Fortifizierung (Zusatz von Vitaminen) aus, um die gesetzlichen Mindestmengen der Diät-Verordnung einzuhalten. Mineralstoffe und die Bioverfügbarkeit von Carotinoiden sind in Gläschen hingegen oft sehr gut.