Worauf sollte man beim Blick auf die Zutatenliste von Baby-Gläschen achten?
Beim Kauf von Baby-Gläschen ist die Vorderseite der Verpackung oft weniger aussagekräftig als die Zutatenliste auf der Rückseite. Hersteller nutzen gerne werbende Begriffe, doch die gesetzlich verpflichtende Liste verrät, was wirklich drin ist.
Hier sind die wichtigsten Punkte, auf die du achten solltest:
1. Die Länge der Zutatenliste
- Grundregel: Je kürzer, desto besser.
- Ein gutes Gläschen (besonders für den Beikoststart) sollte idealerweise nur aus den Komponenten bestehen, die auch vorne draufstehen (z. B. 100 % Pastinake und Wasser).
2. Versteckter Zucker
Zucker hat in Babybrei nichts zu suchen. Aber Achtung: Er versteckt sich oft hinter anderen Namen.
- Meiden: Achte auf Begriffe wie Saccharose, Glukose, Fruktose, Maltodextrin oder Dextrose.
- Vorsicht bei „Fruchtsüße“: Auch Fruchtsaftkonzentrate oder Dicksäfte (z. B. Apfeldicksaft) sind konzentrierter Zucker, der das Baby an einen extrem süßen Geschmack gewöhnt.
- „Ohne Zuckerzusatz“: Das bedeutet nur, dass kein Kristallzucker zugesetzt wurde. Es kann trotzdem viel Fruchtzucker enthalten sein.
3. Salz
- Die Nieren von Babys sind noch nicht voll entwickelt und können Salz kaum verarbeiten.
- Achte darauf: In Gläschen für das erste Lebensjahr sollte gar kein Salz (Natrium) zugesetzt sein.
4. Bindemittel und Streckmittel
Hersteller mischen oft günstige Füllstoffe unter, um teurere Zutaten (wie Fleisch oder hochwertiges Gemüse) zu sparen.
- Kritisch prüfen: Stärke (z. B. Maisstärke), Reismehl oder Grieß. Diese liefern zwar Energie, verfälschen aber die Konsistenz und verringern den Anteil an wertvollem Gemüse.
- Ein hochwertiges Gläschen braucht meist keine Verdickungsmittel.
5. Öle und Fette
Babys benötigen Fett, um Vitamine aufzunehmen und für die Gehirnentwicklung.
- Gut: Hochwertiges Rapsöl ist ideal, da es ein gutes Verhältnis von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren hat.
- Fehlt oft: In vielen reinen Gemüse- oder Fleischgläschen ist kein Fett enthalten. Du solltest dann zu Hause selbst einen Teelöffel Beikostöl (Rapsöl) hinzufügen.
6. Aromen und Zusatzstoffe
- Aromen: Auch „natürliche Aromen“ haben im Babygläschen nichts zu suchen. Das Baby soll den echten Geschmack von Lebensmitteln kennenlernen.
- Zusatzstoffe: Farbstoffe, Konservierungsstoffe und Süßstoffe sind in Babykost gesetzlich ohnehin verboten. Dennoch lohnt ein Blick auf Vitaminstoße (z. B. synthetisches Vitamin C / Ascorbinsäure), die oft zur Haltbarkeit eingesetzt werden. Das ist unbedenklich, aber frisches Obst wäre besser.
7. Der Fleisch- oder Fischanteil
Wenn du Menü-Gläschen kaufst (z. B. „Kürbis mit Kartoffeln und Rind“):
- Schau nach dem Prozentsatz. Oft ist der Fleischanteil sehr gering (oft nur 8–10 %). Experten empfehlen für eine vollwertige Mahlzeit etwa 20–30 g Fleisch pro Portion.
8. Bio-Siegel
- Bei Babykost sind die Grenzwerte für Schadstoffe und Pestizide gesetzlich extrem streng, auch bei konventioneller Ware.
- Trotzdem ist ein Bio-Siegel (Demeter, Bioland oder EU-Bio) vorzuziehen, da hier der Umweltschutz und oft auch noch strengere Kontrollen bei den Inhaltsstoffen im Vordergrund stehen.
9. Die Altersangabe („Ab dem 4. Monat“)
- Dies ist eine Marketing-Angabe. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, 6 Monate voll zu stillen.
- Lass dich nicht drängen: „Ab dem 4. Monat“ bedeutet frühestens nach dem vollendeten vierten Monat (also mit Beginn des 5. Monats). Viele Gläschen für dieses Alter enthalten bereits unnötige Zusätze wie Fruchtsaft oder Stärke.
Zusammenfassender Tipp: Wenn du das Gläschen umdrehst und Zutaten liest, die du in deiner eigenen Küche beim Kochen nicht verwenden würdest (wie Stärke, Saftkonzentrat oder Reisgrieß im Gemüsebrei), lass es lieber im Regal stehen. Ein gutes Gläschen ist im Grunde „püriertes Essen wie selbstgemacht“.